Seit wann gibt es Wale in der Ostsee?
Schweinswale sind vor einigen tausend Jahren (also nach der Eiszeit) in die neu entstandene Ostsee eingewandert.
Wie leben sie dort – und warum?
Schweinswale ernähren sich vor allem von Fischen. In der Ostsee haben sie sich an den dortigen geringeren Salzgehalt angepasst. Zur Reproduktionszeit suchen sie oft bestimmte Gebiete auf, außerhalb dieser Zeit migrieren sie häufiger, auch zwischen Seegebieten. In strengen Wintern (wie in diesem Jahr) müssen sie die Ostsee verlassen, um nicht unter dem Eis zu ertrinken.
Die Population in der Ostsee ist bedroht. Warum?
In der Ostsee sind zwei Populationen vertreten, die sogenannte „Beltsee-Population“ zwischen den dänischen Inseln und vor der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns und die Population der inneren Ostsee (Baltic Proper) östlich der Darßer Schwelle. Obwohl die Lebensräume der Populationen während des Winters zum Teil überlappen können, zeigen sie insbesondere während der Fortpflanzungszeit eine klare geografische Trennung. Mit schätzungsweise 500 Tieren gilt die vergleichsweise kleine Ostseepopulation insbesondere durch Fischerei (Beifang), aber auch durch hohe Umweltverschmutzung (z.B. durch Polychlorierte Biphenyle etc.) und unterseeischen Lärm als gefährdet. Ihre Bestände sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch zurückgegangen.
Was kann man dagegen tun?
Die Ausweisung von Managementzonen für die Osteepopulation ist ein wesentliches Werkzeug im Artenschutz. Dies betrifft vor allem Schonbereiche und gesonderte fischereiliche Einschränkungen, besonders der Grundschleppnetzfischerei und der Stellnetzfischerei. Auch geräuschmindernde Maßnahmen bei der Unterseebewirtschaftung und Bebauungen sowie akustische Vergrämung an Stellnetzen durchsogenannte Pinger können helfen, die Tiere zu schützen. Ähnlich wie Fledermäuse nutzen Schweinswale zur Orientierung und Kommunikation Biosonare, mit denen sie hochfrequente Klicklaute erzeugen und das Echo über den Unterkiefer zum Innenohr empfangen. Andauernder Lärm, z.B. von Schiffs-Motoren, verursacht bei den Tieren Dauerstress. Zudem kann der Schall, der beispielsweise durch Rammungen oder Explosionen von am Seeboden aufgelaufener Munition nachweislich zu einer lebensbedrohlichen mechanischen Schädigung ihrer hochempfindlichen Gehörorgane führen. Strengere Reglementierungen und Maßgaben zu Umweltgefährdenden Substanzen können ebenfalls dazu beitragen, die Tiere und ihren Lebensraum zu schützen und der Verschmutzung der Ostsee entgegenzuwirken.
Worum geht es bei dem Projekt?
Wesentlich beim Schutz der Schweinswalpopulation ist, dass Maßnahmen eine echte Wirkung zeigen. Hier verfolgen wir mit dem CUMBIAH Projekt zwei wesentliche Ziele: Ein umfassendes Monitoring zur Erfassung des Bestandes, inklusive der Altersstruktur und des Allgemeinzustandes der in der Ostsee lebenden Tiere mittels verschiedener labortechnischer und akustischer Verfahren sowie die Beurteilung der Risiken durch Fischerei, Habitat-Verschmutzung und Lärmbelastung.
Was macht die Uni Potsdam dabei?
Unsere Aufgabe ist das genetische Monitoring von Totfunden aus Strandungen und Beifang. Dabei werden die Individuen genetisch ihrer Ursprungspopulation zugeordnet und auf genetische Diversität/Inzucht hin untersucht. Unsere Arbeitsgruppe (Evolutionsbiologie und Spezielle Zoologie) widmet sich seit mehreren Jahrzehnten der Forschung zur Populationsgenetik des Schweinswals und einiger seiner größeren Verwandten. Mittels Genom-weiter Untersuchungen konnten wir einen genetischen Schnelltest erstellen, der uns eine genaue Zuordnung von Fundtieren ermöglicht. Auf Grundlage der genetischen Daten lassen sich zudem Populationsgrößen und –trends abschätzen.
Es gab dazu schon ein Vorgängerprojekt unter Beteiligung der UP. Wie hängen sie zusammen?
Im Vorgängerprojekt wurde der genetische Schnelltest entwickelt, im neuen Projekt wird er dann wirklich im Artenschutz eingesetzt werden.
Was passiert im besten Fall mit den Erkenntnissen des Projekts?
Die ermittelten Daten ermöglichen ein effizientes Artenschutzmanagement und darüber hinaus aufgrund des Einsatzes standardisierter Verfahren eine Basis für zukünftige Monitoring-Kampagnen. So gelingt es hoffentlich, auch die kleine Population der inneren Ostsee zu erhalten.
Weitere Informationen zum Projekt für den Schutz von Schweinswalen: https://www.deutsches-meeresmuseum.de/presse/meldungen/post/deutsches-meeresmuseum-leitet-internationales-forschungsprojekt-zum-schutz-von-schweinswalen
Zum Vorgängerprojekt: https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2017-09-15-die-scheuen-verwandten-des-delfins-bedrohte-kleinwalart-in-der-ostsee-genetisch-untersucht
Zur Arbeit von Prof. Dr. Ralph Tiedemann: https://www.uni-potsdam.de/de/ibb-evolutionsbiologie/index