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Gute Bücher für guten Unterricht – Warum Schulbücher schon im Studium einen forschenden Blick wert sind

Innovative Lehrprojekte 2025

Bildungsforschung dreht sich häufig um die Frage: Was macht guten Unterricht eigentlich aus? Moderne Didaktik, motivierte Lehrerinnen und Lehrer, gelungene Integration digitaler Instrumente – die Palette möglicher Antworten ist lang. Aber wie steht es eigentlich um gute Schulbücher? Kommen oft zu kurz, findet Heiko Etzold von der Professur für die Didaktik der Mathematik. Er hat ein ganzes Semester lang mit Studierenden Mathe-Lehrbücher aus verschiedenen Perspektiven unter die Lupe genommen und den Austausch mit Forschenden wie Praxisakteuren dazu gesucht. Matthias Zimmermann sprach mit ihm über sein Seminar, das vom Zentrum für Qualitätsentwicklung (ZfQ) als innovatives Lehrprojekt gefördert wurde.

Worum geht es in Ihrer Lehrveranstaltung?
Ich wollte den Studierenden einen Einblick in die Entstehung und Gestaltung von Schulbüchern geben. Dabei ging es weniger darum, wie man ein Buch schreibt und druckt, sondern vielmehr um die gedanklichen und fachdidaktischen Grundlagen. Verlage haben eigene Interessen und pragmatische Gründe, die sich mehr oder weniger deutlich auf deren Gestaltung auswirken. Als Autor und Herausgeber von Schulbüchern ist es mir wichtig, den Studierenden diese Perspektiven näherzubringen, insbesondere weil viele über die Qualität von Schulbüchern – gerade für Mathematik – klagen. Ich habe mich entschieden, das Seminar in ein Forschungsmodul zu integrieren, das aus vier Semesterwochenstunden besteht und den Fokus auf die Praxis des Mathematikunterrichts legt. Das gab den Studierenden den nötigen Freiraum, eigene Forschungsfragen zu Schulbüchern zu entwickeln, beispielsweise dazu, wie digitale Werkzeuge integriert werden oder wie Schulbücher zur Motivation und Verstärkung von Kompetenzen im Mathematikunterricht beitragen können.

Wie lief das ganz konkret ab?
Zunächst haben wir unterschiedliche Studien zu Schulbüchern betrachtet, um einen ersten Einblick in die Forschung zu erhalten. Anschließend sollten die Studierenden anhand ihrer Interessen eigene Forschungsthemen identifizieren. Während die einen sich mit der Darstellung digitaler Werkzeuge beschäftigt haben, schauten andere auf das Potenzial von Schulbüchern zu motivieren und wieder andere darauf, wie Schulbücher helfen können, mathematische Kompetenzen zu stärken. Danach folgten die typischen Schritte einer Forschungsarbeit: Literaturrecherche sowie die Auswahl geeigneter Forschungsmethoden. Wir hatten einen Professor aus Paderborn zu Gast, der seit über 15 Jahren zu Mathematik-Schulbüchern forscht. Sein Einblick in die Varianten der Schulbuchforschung war für die Studierenden besonders interessant. Zum Ende des Seminars kam außerdem eine Lehrerin aus Werder ins Seminar und berichtete aus ihrer praktischen Sicht, wie Lehrkräfte Schulbücher betrachten. Dieser Austausch war ein wertvoller Abgleich mit der Schulpraxis.

Vom ursprünglichen Anspruch, ein eigenes Schulbuchkapitel zu entwickeln, haben wir uns aber verabschieden müssen. Diese Aufgabe erwies sich – zusammen mit den Forschungsfragen – als zu komplex. Daher werde ich im nächsten Semester das Seminar erneut anbieten und dabei auf bestehende Kapitel zurückgreifen, die die Studierenden optimieren werden können.

Was macht die Lehrveranstaltung innovativ?
Es ist ein Stück weit bedauerlich, dass es als innovativ gelten kann, die Verbindung zwischen Forschung und Schulpraxis herzustellen. Das Seminar geht über das normale Lehramtsstudium hinaus, das sich in der Regel darauf konzentriert, wie guter Unterricht aussehen sollte. Woher die existierenden Materialien kommen, die verwendet werden, wurde bisher selten thematisiert.

Wie entstand die Idee für das Projekt?
Ich bin bereits seit längerer Zeit Autor und seit Kurzem auch Herausgeber von Schulbüchern. Dabei sehe ich mitunter auch Inhalte, bei denen ich mich frage, was sich die Autoren dabei gedacht haben. Ich wollte für mich und die Studierenden Klarheit darüber schaffen, was für die Gestaltung von guten Schulbüchern wichtig ist. Mit meiner Lehrverpflichtung von 14 Semesterwochenstunden bleibt nicht viel Zeit zum Forschen, daher habe ich mein persönliches Interesse einfließen lassen und hoffe, dass es auch für die Studierenden spannend ist.

Was erhoffen Sie sich von der Lehrveranstaltung?
Ich hoffe, dass die Studierenden durch die Lehrveranstaltung ein fundiertes Verständnis für die vielschichtige Gestaltung von Schulbüchern entwickeln. Außerdem möchte ich, dass sie die Theorie mit praktischen Einblicken verknüpfen können und eine neue Sichtweise auf Schulbücher gewinnen. Wenn einige von ihnen später Lust verspüren, selbst Schulbücher zu schreiben und dafür in meinem Seminar hilfreiche theoretische und praktische Erfahrungen gesammelt haben, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Gibt es erstes Feedback der Studierenden?
Die Studierenden haben vor allem die praktischen Einblicke, insbesondere den Austausch mit der Lehrerin, hervorgehoben. Auch der vielseitige Blick auf Schulbücher wurde von ihnen geschätzt. Gleichzeitig wurde vielen erstmals klar, dass Schulbücher, obwohl sie grundlegend für den Unterricht und die Schule sind, bisher vergleichsweise wenig erforscht werden. Selbst Schulbuchkapitel zu konzipieren und zu gestalten, war für die Studierenden ziemlich anspruchsvoll und ein Aspekt, den ich im nächsten Seminar anders angehen möchte.

Zur Übersicht der geförderten „Innovativen Lehrprojekte 2025“: https://www.uni-potsdam.de/de/zfq/innovative-lehrprojekte/projektuebersicht-2025