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Einen Funken erzeugen – Studierende entwickeln innovative Lösungen im Gesundheitswesen

Innovative Lehrprojekte 2025

Medizinische Forschung macht enorme Fortschritte. Gerade dank der Digitalisierung sind hochindividuelle Diagnostik und Behandlung, ja sogar personalisierte Vorsorge keine Zukunftsmusik mehr. Allein in der konkreten Gesundheitsversorgung kommen die neuesten Innovationen nur zögerlich an. Am Digital Health Cluster der Digital Engineering Fakultät wagt man deshalb den frühen Schritt in die Praxis: Im Kurs „Igniting need-driven Innovation in Healthcare“ geht Dr. med. Philipp Stoffers mit den Studierenden dorthin, wo Probleme auftreten und Lösungen gefragt sind – in Kliniken. Hier sollen sie dank bedarfsorientierter und zugleich kreativer Herangehensweise innovative Lösungen entwickeln. Matthias Zimmermann sprach mit ihm über sein Seminar, das vom Zentrum für Qualitätsentwicklung (ZfQ) als innovatives Lehrprojekt gefördert wurde.

Worum geht es in Ihrer Lehrveranstaltung?
In Kooperation mit Vivantes ermöglichen wir den Studierenden, das gesamte Spektrum der Medizin hautnah zu erleben. Der Schwerpunkt des Programms liegt zunächst auf einer zweiwöchigen Phase, in der die „Desirability“ im Vordergrund steht. Hier lernen die Studierenden, Bedürfnisse zu erkennen – das heißt, Bereiche, in denen ein Problem besteht und dringend eine Lösung erforderlich ist. Dieses Konzept ist sehr gut angekommen und wir entwickeln es kontinuierlich weiter. Ziel ist es, innerhalb einer kurzen Zeitspanne einen „Spark“ zu erzeugen: Einen Bedarf zu identifizieren, der bisher unbeachtet oder ungelöst ist. Im Anschluss konzentrieren wir uns auf die Machbarkeit („Feasibility“), also nicht nur auf die Erstellung eines attraktiven Pitch-Decks, sondern auf die Entwicklung eines ersten Prototyps.

Unser Ansatz ist inspiriert von Stanford Biodesign und integriert Design Thinking in den Gesundheitsbereich. Die Studierenden sind äußerst experimentierfreudig, was durch die Ressourcen des Hasso-Plattner-Instituts begünstigt wird. Dort steht das „Maker Universe“ zur Verfügung, das sowohl Hardware als auch Software umfasst. Ein bemerkenswertes Projekt der ersten Gruppe war beispielsweise die „sprechende Katze“, die Patienten unterstützen soll, nicht in ein Delir abzurutschen. Es war beeindruckend, dass die Studierenden den Mut und die Kreativität hatten, ein solches Konzept zu verfolgen.

Was macht die Lehrveranstaltung innovativ?
Wir bieten den Studierenden die Möglichkeit, reale Erfahrungen zu sammeln, was in der akademischen Welt oft zu kurz kommt. Diese praxisnahe Herangehensweise beinhaltet auch, kreative Brainstorming-Sessions abzuhalten, nicht nur im akademischen Umfeld, sondern direkt in der Klinik, wo die tatsächlichen Herausforderungen und Probleme auftreten.

Durch den interdisziplinären Charakter der Veranstaltung bringen wir Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, darunter Medizin, Informatik und andere relevante Bereiche. Diese Vielfalt der Perspektiven und das breite Spektrum an fachlichem Input fördern ein tiefes Verständnis für „Value-based Health Care“ – also für den Wert, den innovative Lösungen im Gesundheitswesen haben können.

Warum wollten Sie mal etwas anders machen?
Dahinter stand der Wunsch, sogenannte „Push-Innovationen“ zu vermeiden – also Entwicklungen, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen und die niemand wirklich benötigt. Ein zentraler Gedanke aus dem Design Thinking ist, sich in die Lage der Patienten hineinzuversetzen und ihre Perspektive einzunehmen, was leider viel zu selten passiert.

Ein weiterer Beweggrund ist die Erkenntnis, dass ich als Arzt niemals selbst programmieren werde können. Dadurch gibt es eine natürliche Grenze, an der ich nur an der Schnittstelle zwischen Medizin und Informatik operieren kann. Die Fähigkeit, eine gemeinsame Sprache zu sprechen und unterschiedliche Disziplinen zu verbinden, ist von unschätzbarem Wert. Eine solch enge Verzahnung der Fachrichtungen ist selten, aber notwendig, um wirklich relevante Lösungen zu schaffen, die die Bedürfnisse der Patienten berücksichtigen.

Wie entstand die Idee für das Projekt?
Unsere Lehrveranstaltung begann ursprünglich als Pilotprojekt und basiert auf der Zusammenarbeit mit Vivantes im Bereich „Need-driven Innovation“. Damals stellten wir den Studierenden die Frage, was sie selbst gerne machen würden, und ihre Antworten waren klar: Sie wollten mehr praktische Erfahrungen und verstehen, wie viel unternehmerisches Potenzial in ihren Abschlussarbeiten steckt. Es wurde deutlich, dass der Technologietransfer eine wichtige Rolle spielt und viele Studierende noch nie eine Klinik von innen gesehen haben – ein Mangel, den wir nur schwer kritisieren können, wenn die entsprechende Erfahrung fehlt. Unsere Lösung war, die Studierenden direkt in die Klinik zu bringen.

Was erhoffen Sie sich von der Lehrveranstaltung?
Im Idealfall sollen im Rahmen des Kurses innovative Produktideen entstehen, die gezielt ein bestehendes oder unzureichend gelöstes Problem im Gesundheitswesen angehen, sei es aufseiten der Patienten oder im medizinischen Umfeld. Besonders erfreulich wäre es, wenn ein Team soweit begeistert und überzeugt von seiner Idee ist, dass es den Schritt zur Unternehmensgründung wagen möchte. Hierbei könnten sie die Unterstützung des „Engine“-Programms nutzen, um Businessmodelle zu lernen und den Ausgründungsprozess zu beginnen. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass die Studierenden ihre Konzepte wissenschaftlich weiter fundieren.

Letztlich wünsche ich mir, dass die Teilnehmenden eine echte Leidenschaft für die Problemlösungen entwickeln, die sie bearbeiten. Diese Begeisterung für die relevanten Herausforderungen im Gesundheitswesen könnte sowohl ihre akademische Laufbahn bereichern, als auch praktische Innovationsschritte fördern.

Wie ist das Feedback der Studierenden?
Die Rückmeldungen der Studierenden sind äußerst positiv. Der Kurs zählt zu den am besten bewerteten, die wir derzeit haben. Basierend auf dem Feedback aus der ersten Runde konnten wir den Kurs weiter verfeinern. So hat sich gezeigt, dass der ursprüngliche Umfang der Praxisstationen etwas zu intensiv war und wir haben etwas nachgesteuert.


Zur Übersicht der geförderten „Innovativen Lehrprojekte 2025“: https://www.uni-potsdam.de/de/zfq/innovative-lehrprojekte/projektuebersicht-2025