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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung lief insgesamt ziemlich reibungslos ab, auch wenn sie insgesamt recht aufwändig ist. Die meiste Zeit habe ich wahrscheinlich damit verbracht, mich an der Gastuni über das Kursangebot zu informieren, welche Kurse auf Englisch angeboten werden, welche Kurse ich als Bachelor-Student belegen darf, welche Kurse in meinen Studienverlaufsplan passen, welche Prüfungen und Zwischenleistungen ich in dem jeweiligen Kurs absolvieren muss und ob ich Kurse an einer anderen Fakultät absolvieren darf. Die Uni Gent ist sehr hilfsbereit und hilft einem bei Fragen jeglicher Art sehr schnell, was mir die Recherche erleichtert hat. Fast alle Antworten findet man aber bereits in den Modulkatalogen der Kurse.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Studium an der Gastuniversität

Die Uni Gent hat auf mich immer einen gut organisierten und strukturierten Eindruck gemacht. Am Anfang war es natürlich nicht immer einfach, die richtigen Hörsäle, Seminarräume oder Campusgebäude zu finden, da es sehr viele verschiedene und teilweise verstreute Campus gibt. Zu jedem gibt es allerdings eine Übersichtskarte, die einem die Suche erleichtert hat. Den Stundenplan kann man sich ganz einfach von der Uni Website „Oasis“ in seinen Kalender auf dem Handy runterladen, sodass man immer alle Uhrzeiten, Gebäude und Raumnummern parat hat. Die meisten Räume und Hörsäle auf dem Campus Tweekerken und Campus Boekentoren, wo fast alle Politik-/Wirtschaftswissenschaftler ihre Kurse haben, sind eher altmodisch, haben aber alle ausreichend moderne Technik, sodass der Unterricht auf sehr gutem Niveau stattfinden kann. In der Regel sind alle Vorlesungen für drei Stunden angesetzt, also die doppelte Länge verglichen mit der Uni Potsdam. Es gibt zwar 10-15 Minuten Pause zwischendrin und die Vorlesungen sind dann doch meistens „schon“ nach 2,5 Stunden vorbei, es ist aber auf jeden Fall eine große Umstellung. Oftmals hat man dann gegen Ende kaum noch Energie und Konzentrationsfähigkeit, vor allem an sehr vollen Tagen, wo man zwei bis 3 Vorlesungen am Tag hat. In einem meiner Kurse „Economics and Ethics“ wurde neben Prüfungsleistungen auch mündliche Mitarbeit in Form von Präsentationen und Diskussionsbeteiligungen wöchentlich benotet, was nicht unüblich ist für die Kurse an der Uni Gent. In jedem meiner Kurse wurden Zwischenleistungen gefordert, bspw. durch Hausarbeiten, Paper oder Präsentationen. Dadurch ist der Workload verglichen mit der Uni Potsdam deutlich höher, da man auch unter dem Semester ständig Abgaben hat. Zusätzlich musste ich in jedem meiner Kurse eine Abschlussprüfung absolvieren, davon waren 2 mündlich und 3 schriftlich. Die Schwierigkeit ist ungefähr auf ähnlichem Level, allerdings ist der Workload bzgl. prüfungsrelevantes Kursmaterial deutlich höher als bei Kursen der Uni Potsdam. Insbesondere auf die mündlichen Prüfungen musste ich mich sehr lange vorbereiten, um souverän auf Englisch antworten zu können, da mein akademischer Wortschatz verglichen zu Deutsch kleiner ist. Die Kursinhalte fand ich größtenteils sehr interessant, da man überall starken Bezug zur EU hatte, den ich so in Potsdam bisher nicht hatte. Die Dozenten waren alle sehr leidenschaftlich dabei und sehr freundlich, sodass man jederzeit Fragen stellen oder Gesprächstermine ausmachen könnte. Zum Lernen bin ich fast immer in die Stadtbibliothek „De Krook“ gegangen, die super modern und ruhig ist, wo man sich allerdings immer frühzeitig über deren Website einen Platz reservieren muss. Es gibt aber auch noch zahlreiche andere Bibliotheken am Campus, die meisten sind bis in den Abend geöffnet.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Die einheimischen Studenten sind in der Uni insgesamt eher ruhiger und leben in ihrer belgischen „Bubble“, weshalb man schon sehr aktiv auf sie zugehen muss, um Kontakt aufzubauen. Wenn man allerdings holländisch sprechen kann, ist es wahrscheinlich deutlich einfacher sich in den einheimischen Kreisen zu integrieren. Alle belgischen Stundeten sprechen aber auch sehr gutes Englisch, was in Gruppenarbeiten sehr von Vorteil war. Zu anderen internationalen Studenten ist es hingegen super einfach Kontakt aufzubauen, insbesondere in den ersten Tagen und Wochen, wo fast täglich vom ESN organisierte Events stattfinden und alle sehr kontaktfreudig und unternehmungslustig sind. Ich kann also nur jedem raten, so viel wie möglich beim Semesterstart dabei zu sein und Veranstaltungen zu besuchen. Meinen engen Freundeskreis habe ich beispielsweise direkt in den Eröffnungstagen des Semesters kennengelernt wie viele andere auch.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Englischkenntnisse waren vor dem Semester in etwa auf B2 Niveau und haben sich deutlich verbessert, insbesondere mein akademisches Englisch. Ich habe mittlerweile keine Probleme mehr, Studien und Paper auf Englisch zu lesen oder auch Hausarbeiten auf Englisch zu schreiben.

Wohn-  und Lebenssituation

Ungefähr ein halbes Jahr im Voraus habe ich mich um die Wohnungssuche gekümmert. Die Mietpreise und Nachfrage in Gent sind auf sehr hohem Niveau, weshalb man wirklich früh damit beginnen muss. Die Studentenwohnheime haben lange Wartelisten und sind ziemlich teuer. Letzten Endes habe ich im privaten Wohnungsmarkt recht schnell eine WG gefunden. Ich kann sehr empfehlen bei dem Housing Office der Uni Gent per Mail nachzufragen, ob sie bei der Vermittlung helfen können. Mir hatten sie damals eine Excel-Liste mit Wohnadressen und Kontaktdaten schicken können, bei der in der Vergangenheit Studenten untergekommen sind, worüber ich dann letzten Endes auch mein Zimmer gefunden habe. Um in der Stadt von A nach B zu kommen, nutzen fast alle Studenten ihr Fahrrad. Es gibt aber auch Bus- und Straßenbahnlinien, falls man mal eine längere Strecke vor sich hat. Mein Fahrrad habe ich über „Fietsambassade Gent“ gemietet, die größte und wahrscheinlich auch günstigste Fahrradvermietung der Stadt. Insgesamt habe ich für 6 Monate inklusive Versicherung etwa 80 EUR gezahlt. Die Lebenshaltungskosten in Gent sind auf sehr hohem Niveau, meiner Erfahrung nach sogar etwas teurer als in Berlin zum Beispiel. Die meisten Artikel im Supermarkt sind definitiv teurer, die Preise in Cafés und Restaurants sind auch mindestens auf deutschem Großstadtniveau. Wenn man sich da allerdings finanziell drauf einstellt, kann man in Gent unfassbar viel Spaß haben. Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, die so eine hohe Dichte an Bars, Cafés und Restaurants hat. Egal an welchem Wochentag, gerade unter dem Semester, die Stadt ist voller Studenten. Selbst bei kalten Temperaturen sitzen alle draußen, weil die meisten Bars Heizkörper haben. Unter der Woche ist die Partymeile die „Overpoortstraat“, wo hunderte oder sogar tausende junge Studenten feiern gehen. Da fast alle Belgier am Wochenende in die Heimat zur Familie fahren, ist die Partymeile dann fast komplett geschlossen. Deswegen verlagert sich das Nachtleben am Wochenende rundum die „St.-Jakob Kirche“, wo es auch zahlreiche Bars und Clubs gibt. Abgesehen davon ist Gent wirklich eine wunderschöne Stadt mit vielen Kirchen, Kanälen und älteren „mittelalterlichen“ Gebäuden, die der Stadt ein ganz besonderes Flair geben. Wenn man mal mehr Natur haben will, muss man ein bisschen außerhalb fahren, da Gent nicht sehr grün ist und nur kleine Parks hat. Sobald man dann aber am Stadtrand ist, kann man wunderbar im Naturschutzgebiet oder rundum die „Watersportlaan“ laufen gehen. Falls man gerne Fahrrad fährt, kann man das auch super in den Randbezirken mit großen Fahrradstraßen machen. Die Uni Gent bietet auch zahlreiche Sportkurse an, auch der ESN veranstaltet fast wöchentlich Sportevents.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Rückblick

Ein Auslandssemester an der Uni Gent kann ich wirklich jedem sehr empfehlen. Die Uni wird ihrem guten Ruf gerecht, man muss sich allerdings auf einen sehr hohen Workload einstellen. Die Stadt an sich wird quasi von Studenten dominiert, weshalb man unfassbar viel unternehmen kann, egal an welchem Tag in der Woche. Gerade wenn man gerne mit Freunden abends unterwegs geht und sich in Bars trifft, ist die Stadt perfekt dafür geeignet. Auch die Größe der Stadt macht es einem leicht, schnell von A nach B zu kommen, selbst zu Fuß. Abschließend kann ich also nur sagen, dass ich mir mein Auslandssemester nicht besser hätte vorstellen können und hoffe, dass ich auch andere dafür begeistert habe.


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