Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Nachdem ich die Zusage für meinen Platz an der Université Paris Nanterre erhalten habe, hat die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts ohne Probleme funktioniert.
Das Ganze wird sehr verständlich und übersichtlich gehandhabt, mit Hilfe der Website MoveOn, wo jeder Schritt gut einsehbar und leicht auszufüllen ist. Zusätzlich haben auch die Info-Veranstaltungen des International Office stark dazu beigetragen, dass man einen Überblick über Abgaben, benötigte Dokumente und Abläufe behält - jede Art von Fragen konnte gestellt werden und wurde beantwortet.
Nachdem die Universität Potsdam einen an der Gasthochschule nominiert hat, muss man sich dort erneut bewerben, wofür dann unter anderem auch der Sprachnachweis notwendig ist. Ich persönlich habe mir ein DELF-Zertifikat am Institut Français ausstellen lassen.
Auch für die Université Paris Nanterre wird das Bewerbungsverfahren über die Seite MoveOn abgewickelt, weshalb das auch hier einfach zu verstehen ist und in der Regel ohne Problemen ablaufen sollte.
Was sich als etwas kompliziert herausstellte, war das Erstellen des Online Learning Agreements. Alleine herauszufinden, wer meine zuständige Bezugsperson an der Pariser Universität ist, war etwas kompliziert. Auch das Durchschauen des Kursangebotes für internationale Student:innen war zu Beginn etwas schwierig, ließ sich dann aber doch durch Kommunikation mit anderen Student:innen aus Potsdam, die auch an die Université Paris Nanterre gegangen sind, gut lösen.
Auch von Seiten der Pariser Universität gab es zahlreiche Info-Veranstaltungen, die einem das zurechtfinden deutlich erleichterten.
Als Ratschlag würde ich auf jeden Fall sagen, dass man an den Info-Veranstaltungen und den vom international Office organisierten Treffen teilnehmen sollte, um Kontakte zu knüpfen und Fragen stellen zu können - um beispielsweise das OLA etwas problemfreier erstellen zu können.
Studium an der Gastuniversität
Es zeigte sich schnell, dass das Studium in Frankreich und das System an der Universität sich stark von der Art, wie wir das in Deutschland kennen abweicht, zumindest in Teilen.
Beispielsweise geben die Kurse hier in Frankreich in der Regel 3 Leistungspunkte, sind aber mindestens genau so arbeitsaufwendig wie die Kurse, die in Deutschland 6 Leistungspunkte bringen. Um 30 Leistungspunkte zu erreichen muss man also doppelt so viele Kurse belegen, was sich im Arbeitspensum deutlich äußert - wobei das auch nach Fachbereich variiert. Ich musste für meine Kurse in Politikwissenschaft sehr viel arbeiten, wohingegen das bei anderen etwas entspannter war. Ich persönlich habe in Deutschland bei weitem nicht so viel für die Uni gelernt wie hier, und hatte trotzdem das Gefühl, nicht genug zu tun.
Die Vorlesungen in Politikwissenschaft sind größtenteils 3 stunden lang und ohne PowerPoint, weshalb es besonders zu Beginn sehr schwer, war diesen zu folgen. Nach einigen Woche ging das aber problemlos. Was mir aber sehr dabei geholfen hat, meine Notizen zu vervollständigen und gleichzeitig aufpassen zu können, war das Nutzen einer Diktiergerät-App und dann die Vorlesungen nachzuarbeiten.
Auch die Prüfungszeit hier läuft etwas anders ab, in der Regel sind die Prüfungen alle in ein oder zwei Wochen geballt, mehrere Prüfungen an einem Tag zu haben ist eher normal, als dass es die Ausnahme wäre. Gerade die Prüfungszeit in Dezember und Januar war deswegen wahnsinnig anstrengend. Auch weil die Anforderungen an die Erasmusstudenten nicht großartig von denen an die französischen Studierenden abweichen.
Man muss aber zugeben, dass es im Fachbereich Politikwissenschaft möglich ist, die Prüfungen der Vorlesungen mündlich zu absolvieren. Da diese aber noch während der Vorlesungszeit waren, habe ich mich entschieden, das nur in einer der Vorlesungen zu machen, da ich gleichzeitig die Prüfungen der Seminare hatte (die in der Regel in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden - die der Vorlesungen in den ersten beiden Januar Wochen).
Was die Studierenden angeht, sind die meisten sehr nett und hilfsbereit. Man merkt aber, dass viele von ihnen kein sonderliches Interesse daran haben, sich mit internationalen Studierenden anzufreunden, da viele von ihnen bereits ihre Freundesgruppe gefunden haben. Dazu trägt meiner Meinung auch bei, dass das französische System sehr verschult ist. Die Leute belegen seit ein oder zwei Jahren jeden Kurs zusammen, funktionieren wie eine Art Klasse und kennen sich daher alle. Mir hat es daher sehr geholfen, dass ich im S.I.F (ein Intensivkurs in Französisch in der Woche vor dem Semesterbeginn) bereits einige Internationals kennengelernt habe. Im Allgemeinen ist das Klima an der Université Paris Nanterre sehr angenehm und respektvoll.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Da ich bereits in der Schule mehrere Jahre Französisch gelernt habe, hatte ich bereits vor dem Aufenthalt das Niveau B2, habe aber um mein Französisch aufzufrischen in Potsdam nochmal einen Sprachkurs gemacht, was sich als sehr nützlich herausgestellt hat.
In Paris habe ich alle Seminare und Vorlesungen auf Französisch und insgesamt drei Sprachkurse belegt, was mein Niveau auf jeden Fall nochmal enorm verbessert hat, gerade was mein Vokabular und meine Schreibkompetenz betrifft.
Neben der Universität habe ich in einer internationalen Wohngemeinschaft gewohnt, gemeinsam mit Franzosen, einem Briten und einer Kanadierin, weshalb sich auch dort mein Französisch und auch mein Englisch deutlich verbessert hat.
Wohn- und Lebenssituation
Die Wohnungssuche in Paris ist wie erwartet etwas kompliziert und bei weitem nicht einfach. Nach etwas längerer Suche habe ich meine Unterkunft im Juli 2025 über die Website Joivy gefunden. Eine WG mit 6 anderen Student:innen aus verschiedenen Ländern, was viele interessante Erfahrungen mit sich gebracht hat und sehr gute Freundschaften hat entstehen lassen.
Meine Wohnung lag direkt an einer Metrostation, wodurch ich enorm gut angebunden war. Von meiner Wohnung im 15. Arrondissement habe ich insgesamt 30 Minuten zur Université Paris Nanterre gebraucht, was kürzer ist, als mein Weg zur Universität Potsdam. Wobei man sagen muss, dass in Paris das Metro-Netzwerk sehr dicht ist und man in der Regel sehr schnell überall hinkommt. Die Monatskarte für die Metro kostet 88,80€ für Student:innen, was viel ist, sich aber gerade wenn man in Nanterre studiert sehr lohnt. Das Kaufen der Monatskarte funktioniert sehr unkompliziert über die App RATP.
Bezüglich der Krankenversicherung musste ich mich nicht um viel kümmern, ich habe die Krankenkasse über meine Auslandsaufenthalt informiert, eine Auslandskrankenversicherung, die über meine Eltern lief, auf eine Dauer von 6 Monaten ausgeweitet - wofür es aber auch einige Empfehlungen von meiner Krankenkasse selber gab.
Die Lebenshaltungskosten in Paris waren wie erwartet hoch, ließen sich aber durch Einkäufe bei Lidl und Aldi beispielsweise etwas geringer halten. Im Schnitt habe ich für Lebensmittel im Monat um die 300/350€ ausgegeben. Da ich viele Ausstellungen und Museen besucht habe, die nicht alle umsonst waren, viel ins Kino gegangen bin und auch gelegentlich in Restaurants gegessen habe, kam da noch einiges dazu. Allgemein würde ich sagen, dass man neben dem Geld, was man von Erasmus bekommt, schon einiges zusätzlich braucht, um hier die Zeit und das enorme Angebot der Stadt in vollen Zügen genießen kann.
Studienfach: Geschichte, Politik und Gesellschaft, B.A.
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026
Gastuniversität: Université Paris Nanterre
Gastland: Frankreich
Rückblick
Abschließend würde ich sagen, dass mich das Erasmus-Semester als Person sehr vorangebracht hat, was die persönliche Entwicklung betrifft, aber auch berufliche Ziele und allgemeine Erkenntnisse. Es sind über meine Zeit in Paris viele neue Freundschaften entstanden, darunter auch einige internationale, die mein Wissen über andere Kulturen und politische Systeme stark verbessert haben. Wenn ich könnte, würde ich jeder Zeit ein weiteres Auslandssemester in Paris machen!