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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Der erste Schritt zum Auslandsaufenthalt bestand für mich darin, nachzusehen, mit welchen Universitäten mein Studiengang (Europäische Medienwissenschaft) eine Kooperation pflegt. Nachdem ich eine Auswahl getroffen hatte, sammelte ich die nötigen Unterlagen und fertigte mein Motivaitonsschreiben an. Letztendlich wurde ich für meine erste Wahl – Paris – angenommen, was jedoch nicht gleich heißt, dass man den Platz auch tatsächlich erhält. Die Universität Potsdam nominierte mich zunächst, woraufhin mich die Université Paris Nanterre akzeptierte. Von da an fanden einige virtuelle und physische Veranstaltungen mit dem International Office in Potsdam statt, um den Aufenthalt vorzubereiten. Parallel suchte ich schon nach Wohnungen und kümmerte mich um alles andere Organisatorische. Dazu zählten die Untervermietung meiner Wohnung, die Absprache mit Arbeitsstellen, die Planung der anzurechnenden Credits und die Reflektion darüber, was man sich eigentlich von dem Aufenthalt erhofft. 


Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Université Paris Nanterre

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Die Organisation der Université Paris Nanterre verlief (wie bei den meisten Unis) etwas chaotisch, doch mit der Hilfe anderer Studierender und Mitarbeitenden, lässt sich alles bewerkstelligen. Das französische universitäre System unterscheidet sich in einigen Punkten vom deutschen. Zunächst begann mein Semester bereits im September und nicht wie gewohnt im Oktober. Außerdem wurden für die einzelnen Kurse viel weniger Leistungspunkte vergeben als in meinem deutschen Studium, wobei das Lernpensum ähnlich hoch war. In meinem Master in Potsdam belege ich pro Semester ca. 4 Veranstaltungen, während es in Paris 9 waren. An meiner Fakultät für Information und Kommunikation existierte in sehr großes Veranstaltungsverzeichnis, weshalb mir die Auswahl zunächst schwer viel. Mein finales Transcript of records unterscheidet sich stark von dem ursprünglich geplanten, da ich erst vor Ort erfuhr, dass einige Kurse nicht angeboten werden. Ich konnte nicht nur Masterkurse belegen, und besuchte sogar eine Anthropologievorlesung außerhalb meines Fachbereichs, die sehr spannend war.

Das Studienklima unterscheidet sich fundamental von meinen Erfahrungen in Deutschland. Der Verdacht, dass der französische Unterricht sehr viel verschulter sei, bestätigte sich gleich von Beginn an. Abhängig von den Dozierenden, kam es vereinzelt zu Diskussionen und Wortbeiträgen der Studierenden doch i.d.R. bestimmten die Dozierenden den Unterrichtsverlauf. Manchmal wurde nur abgelesen, manchmal wurde frei gesprochen. Was mir positiv aufgefallen ist, ist der Zusammenhalt unter den französischen Studierenden. Auch außerhalb des Seminarraumes wurde viel organisiert und ein Großteil war aktivistisch tätig. Gegenüber den internationalen Studierenden habe ich oft eine gewisse Distanz verspürt, was aber vermutlich auch an der Sprachbarriere lag. Bei Fragen waren aber alle Studierenden und Dozierenden sehr hilfsbereit und freundlich. Einige Kontakte konnte ich nur knüpfen, weil ich bei fragen die Studierenden gefragt habe, die neben mir saßen. So wurde ich sogar für die dortige Studierendenzeitung interviewt.

Ich hatte das Gefühl, dass die Verwaltung der Universität sehr überfordert war. Oft erhielt ich auf Nachfragen per Mail keine Antwort und musste mehrmals schreiben, bevor ich etwas hörte. Ich bin deshalb meistens persönlich im Büro vorbeigegangen, was immer nett und problemlos war. Negativ bemerken muss ich, dass es mir und vielen anderen Studierenden nicht möglich war, meinen Ausweis zum Bezahlen zu verwenden. Deshalb bin ich nicht in die Mensa gegangen und konnte nichts ausdrucken. Ich habe allerdings auch keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, das Problem zu lösen. Die Bibliotheken habe ich oft besucht, um dort zusammen mit meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen zu lernen.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wie so oft in temporären Auslandsaufenthalten, war es schwer tiefere Verbindungen zu Einheimischen aufzubauen. Die Kontakte zu Franzosen und Französinnen in der Uni verblieben meist im Kontext von Gruppenarbeiten oder Lerninhalten. Außerhalb der Uni konnte ich die bestehenden Kontakte, die ich bereits hatte, vertiefen. Neue bleibende lokale Freundschaften habe ich aber nur über meine WG geknüpft. Das Wohnen in einer WG kann ich sehr empfehlen, da man unweigerlich mehr über die Stadt und die Kultur erfährt. Insgesamt habe ich vor allem mit den anderen internationalen Studierenden Zeit verbracht. Menschen aus Italien, China, Spanien, Algerien, England und Deutschland habe ich kennengelernt, von denen sicher einige Freundschaften bestehen bleiben. Ich empfinde die Selektion zwischen Internationals und Locals zwar als schade, denke jedoch, dass es eine zwangsläufige Konsequenz der Situation ist. Die einheimischen haben schon einen etablierten Bekanntenkreis und die Internationals sind alle in derselben Situation und kontaktfreudiger. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Wenn auch nicht in dem Maße, wie ich es mir erhofft hatte, so habe ich doch meine Sprachkenntnisse im Französischen aber auch im Englischen verbessert. Außerhalb der Uni habe ich mehr Englisch gesprochen, weil es doch einfacher war. Da innerhalb der Uni jedoch auf Französisch bestanden wurde und viele Studierende kein gutes Englisch sprachen, war ich praktisch dazu gezwungen, Französisch zu sprechen. Ich habe nur einen englischsprachigen Kurs besucht. Vor allem das Lernen der Kursinhalte hat mich weitergebracht. Ich würde außerdem unbedingt empfehlen, während der inhaltlichen Kurse zusätzlich Sprachkurse zu besuchen. Dafür gibt es auch Credits und es geht rein um das Verbessern der Sprache.

Wohn-  und Lebenssituation

Die Wohnungssuche war wie erwartet nicht leicht, doch ich bin fest davon überzeugt, dass man mit dem nötigen Engagement etwas findet. In meinem Fall habe ich nach ca. einem Monat intensiver Suche eine WG etwas außerhalb aber in der Nähe zum Campus gefunden. Gestoßen bin ich auf das Zimmer über das Portal Carte des Colocs - das französisch WG-Gesucht. Es handelte sich um eine internationale WG, weshalb eine Mischung aus Englisch und Französisch gesprochen wurde. Vor Ort habe ich erfahren, dass es in Frankreich wohl eine Pflicht sei, eine Versicherung für den eigenen Wohnraum abzuschließen – quasi eine Haftpflichtversicherung.

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Paris sind optimal, um möglichst schnell von A nach B zu kommen. Mit dem Navigo Pass, den man einmalig kauft und dann monatlich auflädt, kann man in allen Stadtzonen unbegrenzt oft und lang fahren. Dieser kostet allerdings ca. 90 Euro pro Monat. Viele mieten sich auch Fahrräder für einzelne Strecken. Insgesamt hate ich bis auf einzelnen Streiks nur gute Erfahrungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich würde die Lebensunterhaltkosten in Frankreich aber besonders in Paris als teuer bezeichnen. Was ich positiv hervorheben möchte, ist wie die Regierung die jüngere Bevölkerung (unter 26-jährige) bei vielen kulturellen Angeboten unterstützt. Museumstickets sind fast immer vergünstigt und für die staatlichen Museen sogar kostenlos. Auch Konzert-, Theater- und Operntickets sind vergünstigt. Neben den zahlreichen Indoor-Aktivitäten stellt Paris aber eine Stadt dar, die man sich am besten erläuft. Durch die Stadt zu flanieren war in meiner Erfahrung oft genauso spannend, wie ein Besuch im Kino, Museum oder Theater. In den Straßen lässt sich beobachten, was wirklich am Glanz, den Paris immer auszustrahlen scheint, dran ist.

Ich konnte für die Zeit außerdem meinen Krankenversicherungsschutz aufs Ausland ausweiten und Arztbesuche dadurch übernehmen lassen.

Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Université Paris Nanterre

Gastland: Frankreich

Rückblick

Meinen Aufenthalt in Paris habe ich sehr genossen. Er hat mir nicht nur neue Bekannt- und Freundschaften, sondern auch neue Perspektiven und Vorhaben beschert. Natürlich steht dabei auch die Sprache im Mittelpunkt. Wenn man sich sprachlich wirklich verbessern möchte, empfehle ich auch mit den anderen internationalen Studierenden Französisch zu sprechen. In meiner Erfahrung lernt man durch nichts so schnell, wie durch die simple Praxis. Eine Erkenntnis, die auch daherkommt, dass Praxis nicht im Zentrum des Unterrichts stand. Mir hätte es mehr geholfen, sich tatsächlich zu unterhalten, als Jahreszahlen und Namen auswendig zu lernen. Leider basiert ein Großteil des universitären Geschehens noch immer auf veralteten Lehrmethoden. Auch hier gibt es aber Ausnahmen. Ich würde deshalb empfehlen zu Beginn, mehr Kurse als nötig zu besuchen und dann die zu verfolgen, die einem wirklich zusagen.

 

Sonstige  Hinweise

Vielleicht noch ein Gedanke zum urbanen Raum der Stadt Paris selbst. Ich habe die Stadt oft, wenn auch nicht immer als laut und hektisch empfunden. Besonders der Berufsverkehr in den öffentlichen Verkehrsmitteln wirkte auf mich überstimulierend. Ich kann deshalb nur empfehlen, ab und zu in einem der zahlreichen Parks zu entspannen oder auch mal aus der Stadt rauszufahren. Insgesamt lockt Paris noch immer mit einem alten Versprechen auf Eleganz, Schönheit und Exklusivität. Dass es sich dabei um einen Mystifizierung eines diversen Raumes handelt, ist offensichtlich. Wenn man sich nach Paris aufmacht, ohne einem unrealistischen Ideal nachzueifern, kann man dort denke ich eine schöne Zeit verbringen. Das hängt aber stark von den Personen ab, die man dort kennenlernt. Ich kann deshalb nur raten: Leute ansprechen, Fragen stellen und Interesse zeigen. Vor allem bei den Einführungsveranstaltungen sind alle in derselben Situation. Eine meiner besten Freundschaften im Auslandssemester entstand bereits in Potsdam beim Ländertreffen für Frankreich. Es schadet also nicht, alle Veranstaltungen mitzunehmen und sich auf neue Menschen, Aktivitäten und Eindrücke einzulassen.


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