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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Zur Vorbereitung für meinen Auslandsaufenthalt bin ich zunächst in die Sprechstunde meiner Auslandskoordinatorin gegangen. Wer das für den jeweiligen Studiengang ist, kann man auf der Website des internationalen Office sehen. Das würde ich allen empfehlen, da dort die ersten Fragen ausgeräumt werden können und man über alle Unsicherheiten informiert wird. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass es ein automatisches Stipendium gibt, wenn man einen Erasmus Aufenthalt macht. Mein Bewerbungsprozess war leider etwas schwierig, da ich die erste war, die über meinen Studiengang an die Uni Paris Nanterre ging, somit war mein Programm zunächst nicht im Bewerbungsformular. Ich studiere im Bachelor Kulturwissenschaften, das Studium, das ich an der Universität Paris Nanterre studieren würde war dann aber ein anderes, weshalb ich beim Ausfüllen der Dokumente verwirrt war und einen Fehler machte. Daraus folgte, dass ich  an der Uni Potsdam fürs Winter und an der Universität Paris Nanterre fürs Sommersemester eingeschrieben wurde. Dadurch nahm ich selber auch schnell Kontakt zur Gastuniversität auf, und nach viel hin und her und meiner sehr netten Austauschkoordinatorin vor Ort konnte alles geregelt werden. Mein Tipp: Findet heraus, wer eure Austauschkoordinatoren sind, diese sind für euch verantwortlich und helfen euch, ihr müsst nicht alles allein machen. Und lest Dokumente sehr genau, ein falscher Haken kann viel mit sich bringen. Die Unterlagen zu beschaffen war relativ einfach, als Sprachnachweis für meine Französischkenntnisse konnte ich sogar mein Abiturzeugnis benutzen.

Ein weiterer Schritt zur Erasmus Vorbereitung war das Online Learning Agreement, kurz OLA. Das OLA zu erstellen war schwierig, da ich mir noch nicht ganz sicher war, was ich an der Gastuniversität überhaupt studieren würde. Netterweise hat mir meine Austauschkoordinatorin vor Ort eine Liste mit möglichen Kursen geschickt. Ich konnte mir zudem einfach Kurse aussuchen, die mich interessierten. Im Nachhinein würde ich sagen, ich habe mich dort viel zu sehr gestresst, da ich nicht wusste, was ich wählen soll, was es geben wird und ich vor dem Problem stand, im Bachelor zu sein und nun lauter Master Kurse zu besuchen. Im Endeffekt habe ich vor Ort mein gesamtes OLA noch einmal geändert, wie eigentlich alle Erasmus Studierenden, da man im Online Katalog gar nicht wissen kann, welche Kurse es im nächsten Jahr überhaupt gibt. Deswegen mein Tipp: Macht euch nicht verrückt, vor Ort wird sich alles klären und alles kann umgeändert werden, es ist nur eine Einschätzung, damit ihr beweisen könnt, dass ihr wirklich 30 ECTs anstrebt, um das Geld zu bekommen.


Studienfach: Zweifach Bachelor Kulturwissenschaften und Geschichte 

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Université Paris Nanterre

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Frankreich ist dem Deutschen sehr ähnlich und trotzdem gibt es einige Unterschiede. Die Vorlesungen, die Cours Magistral (CM) und die Seminare, die Travaux dirigées (TD) sind ähnlich wie in Deutschland. Insgesamt würde ich aber sagen, dass das System in Frankreich noch einmal verschulter ist. Viele Seminare sind in Klassenzimmern, man bekommt mehr „Hausaufgaben“, Control continu und die Atmosphäre ist ein bisschen mehr wie in der Schule. Man wird überwachter, hat weniger Aufgaben zum selber recherchieren und mehr auswendig lernen würde ich sagen. Vielleicht liegt das daran, dass die meisten Franzosen direkt nach dem Abitur einen Bachelor machen, der genau drei Jahre geht. Die Kurse sind strenger vorgegeben, man hat weniger individuelle Freiheiten in dieser Hinsicht, ein Semester mehr zu machen ist meist keine Option. Man ist also noch ein wenig in dem Schulsystem mit drinnen. Ich hatte zunächst sehr Angst, dass mein Französisch nicht gut genug sei, vor allem vor Vorträgen und Klausuren. Mir ist man aber als Erasmus Studentin immer entgegengekommen. Wenn man den Dozierenden erklärt, dass man Erasmus Studentin ist und Französisch eben nicht die Muttersprache ist, dann sind die meisten sehr entgegenkommend gewesen.

Der Campus in Nanterre ist zwar nicht besonders schön, hat aber viele tolle Einrichtungen für Studis. So gibt es zum Beispiel ein eigenes Theater, das Maison Étudiant, in dem Studierende eigene Projekte verwirklichen können, ein Gym, Tennisplatz, Sportstudios für die zahlreichen Unisport Angebote sowie ein eigenes Uni Schwimmbad. Bis zu zwei Sportkurse sind gratis und damit bekommt man auch Zugang zum Gym und Schwimmbad, was ich auf jeden Fall empfehle. Aber aufpassen, die Sportkurse kann man schon vor Vorlesungsbeginn buchen, also lohnt es sich, schnell zu sein, da sie schnell ausgebucht sind. Es gibt natürlich auch eine Mensa und Cafés, die Backwaren sind wirklich gut, die Mensa ist vor allem für Vegetarier eher schwierig. Mein Tipp ist das Café in der Bibliothek, dort sind die Sachen nicht so schnell ausverkauft und es gibt die besten Vegetarischen Optionen. Generell ist Frankreich nicht so Vegetarierfreundlich wie Deutschland.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu anderen internationalen Studieren war sehr leicht; es gibt viele Angebote zum Beispiel vom Erasmus Student network, oder auch von der Uni in den ersten Wochen. Alle sind in der gleichen Situation, kennen niemanden und wollen die Stadt erkunden, deshalb lassen sich hier auch recht schnell Freundschaften schließen. Man muss also keine Angst haben, alle Erasmus Studis sitzen im gleichen Boot. Obwohl wir in Frankreich waren, haben wir als Erasmus Studis meistens Englisch untereinander gesprochen, weil es die meisten besser konnten. Der Kontakt mit den Einheimischen Studierenden war eher schwieriger. Ich habe in einem sehr kleinen Studiengang studiert, also kannte ich meine Kommilitoninnen sehr schnell gut, haben aber erst in den letzten Wochen auch etwas außerhalb von der Uni gemacht. Nanterre ist eine Pendler Uni, die meisten sind schon in einem gewohnten Umfeld, deshalb ist es schwieriger, als mit anderen Erasmus Studierenden, mit denen man in der gleichen Situation ist. Aber generell sind die Leute recht offen, man findet schnell Kontakte. Hilfreich ist es auf jeden Fall, sich von französischen Studierenden in den Kursen helfen zu lassen, was Notizen und die Sprache generell angeht. Am Anfang habe ich mich auch mehr darauf fokussiert, Einheimische zu treffen, finde es aber jetzt sehr toll, dass ich Freunde aus ganz Europa habe, aus Italien, England, Polen, der Slowakei und sogar Lichtenstein. Man findet auch definitiv viele Deutsche auf dem Campus, neben Italienern sind wir die größte Gruppe an internationalen Studierenden. Geht einfach zu vielen Veranstaltungen am Anfang. Und macht den Intensivsprachkurs, der von der Uni angeboten wird. Er ist eine Woche, man ist in einer Klassenzimmer Atmosphäre und kann so recht schnell andere Erasmus Studis kennenlernen.

Sprachkompetenzen

Vor dem Aufenthalt hatte ich schon etwas Angst, dass mein Französisch nicht gut genug sei. Denn ich hatte zwar das Niveau, musste aber noch nie wirklich Französisch sprechen.  Überraschenderweise geht es dann doch, wenn man gezwungen ist, zu sprechen. Besonders vor Vorlesungen, Seminaren und Uni Sprache hatte ich Angst; aber das war tatsächlich leichter, da Dozierende ja meist gutes, gehobener Französisch sprechen, das sehr viel leichter zu verstehen ist, als Gleichaltrige unter sich. Doch auch das geht, man hört sich sehr schnell rein und verliert auch gezwungenermaßen seine Hemmung, selbst zu sprechen. Meine Sprachkenntnisse haben sich auf jeden Fall verbessert. Ich fühle mich jetzt sehr viel selbstbewusster und kann eigentlich fast alles ausdrücken, auch wenn ich natürlich noch Fehler mache.

Wohn und Lebenssituation

Ich habe eine Unterkunft von der Uni bekommen, eine CROUS Unterkunft. CROUS ist das Frankreichweite Studierendenwerk. Deshalb war meine Miete wirklich sehr gut, 267 Euro, was in Paris sonst definitiv unmöglich ist. Ich habe ursprünglich kein Zimmer bekommen und dann nochmal an Nanterre geschrieben, da ich sonst kein Glück hatte. Die Mieten sind sehr hoch, man sollte zwischen 600 und 1000 Euro einplanen. Les Estudines ist eine private Studentenunterkunft, in andere internationale Studierende untergekommen sind, dort findet man meist noch etwas. Ansonsten kann man auch über WG gesucht etwas finden, meistens sind es Deutsche die dort inserieren, ist aber dadurch auch viel weniger umkämpft. Ansonsten ist auch erasmus play eine gute Adresse. Die CROUS Zimmer auf dem Campus sind in der Regel neun Quadrat Meter groß, man hat ein Hochbett und ein eigenes Bad, die Küche teilt man sich. Es ist zwar sehr klein, besonders das Bad erinnert an die Bäder in ICEs, aber man hat an sich alles, was man braucht. Für mich war es perfekt, auf meinem Stockwerk waren sehr viele Italiener, mit denen ich immer Abend gegessen habe, also war es eine perfekte Mischung aus Privatsphäre und Gemeinschaft. Viele haben sich aber auch über den kleinen Raum und die oft unsaubere Küche stark beschwert, es ist also ein wenig Typ Sache. Ich persönlich würde es aber auf jeden Fall empfehlen, ein Crous Zimmer anzunehmen, nicht nur wegen der sehr günstigen Miete, auch, weil man direkt auf dem Campus wohnt und damit auch direkt an einer RER Station. Dort fährt der RER A, der ist wie die Haupt S-Bahn Strecke und in 15 Minuten ist man damit tatsächlich schon in Chatelet les Halles, mitten im Herzen von Paris. Damit ist man, obwohl Nanterre außerhalb ist, besser angebunden als manche in Paris. Natürlich ist es dennoch am schönsten in Paris zu wohnen, denn in Nanterre gibt es nicht viel, es ist auf jeden Fall nicht das romantische Paris das man sich vorstellt. Dafür bin ich umso öfter in die Stadt gefahren. Meine Haftpflichtversicherung wurde nicht akzeptiert, obwohl sie EU weit gilt. Nach sehr viel hin und her hatte ich tatsächlich drei Haftpflichtversicherungen abgeschlossen, bis sie meine akzeptiert hatten. Mein Tipp ist, euch einfach direkt eine bei Limonade zu holen, sehr günstig und könnt ihr auch kündigen, sobald sie es abgesegnet haben. Auch meine Krankenversicherung wurde nicht auf Englisch, sondern nur auf Französisch akzeptiert, also fragt am besten frühzeitig bei euerer Krankenkasse nach. Wenn ihr in Frankreich wohnen wollt, braucht ihr meistens eine Bürgschaft. Für ausländische Studis, die wahrscheinlich niemanden in Frankreich kennen, der für sie bürgen kann, wird meistens Visale empfohlen. Das war auch für die CROUS Unterkunft notwendig. Visale ist relativ einfach zu beantragen und ist vom Staat. (Hat nichts mit einem Visum zu tun, klingt nur ähnlich.) Damit bürgt der Staat für dich, dafür brauchst du nur eine Studienbescheinigung von der Gastuni. Auch hier würde ich empfehlen, es frühzeitig zu machen, denn die Wartezeiten sind unbestimmt. Es können zwei Tage oder drei Wochen sein. All diese Dokumente fügt man in Frankreich meist zu einem Dossier zusammen, dass man für alle Wohnungsbewerbungen automatisch schicken muss. Ein Bankkonto habe ich mir nicht neu angelegt, habe ich auch nicht gebraucht. Ebenso habe ich keine neue Nummer, die meisten Verträge gelten EU weit. Das einzige Problem in dieser Hinsicht war, dass man ohne französische Telefonnummer schwer an eine Fahrkarte für die Öffis kommt. Ich würde euch empfehlen, eine Navigo Liberté am Schalter bei Personen zu kaufen, die sind in jeder Metro und RER Station. Falls ihr ein Jahr bleibt, könnt ihr schon im Vornherein eine Imagine R Navigo Etudiant beantragen. Das geht nur im Internet und dauert 2 bis drei Wochen, bis sie da ist. In Paris ist alles ein bisschen teurer, im Schnitt würde ich sagen kostet es so ein bis zwei Euro mehr als in Berlin oder Potsdam. Also kein großer Unterschied, aber gerade, wenn man etwas trinken oder essen geht, merkt man es doch. Insgesamt sind sich Paris und Berlin auch sehr ähnlich was Freizeit Kultur etc. angeht. Ich fand es einen größeren Kultur Schock vom Dorf nach Berlin zu kommen, als von Berlin nach Paris. Was an Paris allerdings sehr toll ist, ist, dass die meisten Museen und viele andere Dinge unter 26 als EU Bürgerinnen Gratis sind. Bei sehr vielen Dingen, sei es Opernvorstellungen oder Kebab, gibt es spezielle Preise für Studis.

Studienfach: Zweifach Bachelor Kulturwissenschaften und Geschichte 

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Université Paris Nanterre

Gastland: Frankreich

Rückblick

Insgesamt war es eine unglaublich tolle Erfahrung. Ich bin sehr froh und dankbar und denke mir im Nachhinein natürlich, dass ich mir nicht so viele Sorgen hätte machen müssen. Aber hinterher ist das natürlich immer einfacher zu sagen. Mein Tipp: Sucht Kontakt zu anderen Erasmus Studis, die alle durch die gleichen Probleme gehen, seid offen für alles, damit meine ich auch nicht zu festgefahren in euren Vorstellungen, was gerade in Paris oft vorkommt. Es ist aber wirklich eine wunderschöne Stadt, genauso wie man es sich vorstellt. Nehmt alles mit und genießt es, seht es als eine Auszeit vom Leben in Deutschland, so nehmt ihr nicht alles zu ernst. Kümmert euch frühzeitig um eine Wohnung, falls ihr euch fürs Crous interessiert habt ihr gute Chance, wenn ihr nicht die Dokumente falsch ausfüllt wie ich haha. Meine Identität als Europäerin ist definitiv stärker geworden. Ironischerweise auch meine Identität als Deutsche. Mir war natürlich klar, dass ich Deutsche bin, ich wohne ja in Deutschland, aber es war jetzt nie wirklich Teil davon, wie ich mich selbst gesehen habe. Wenn man aber im Ausland plötzlich immer die Deutsche ist, über Deutschland gefragt wird und es für andere repräsentiert, setzt man sich auch damit nochmal anders auseinander. Insgesamt war es wirklich eine tolle und bereichernde Erfahrung, es war schon immer mein Traum, in Paris zu leben, deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, dort Erasmus zu machen. Ihr hab mit diesem Programm immer jemanden, an den ihr euch wenden könnt, also keine Sorge.


Frankreich

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