Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Da dies bereits mein zweiter Erasmus-Aufenthalt war, wusste ich im Vorfeld schon relativ gut wie es abläuft. Insgesamt finde ich dass einem mit dem Erasmusprogramm ein Auslandsaufenthalt so einfach wie möglich gemacht wird, da man vergleichsweise sehr wenige Dokumente einreichen muss und es immer klar kommuniziert wurde bis wann welches Dokument einzureichen ist. Das International Office war in meiner Erfahrung auch immer sehr hilfsbereit. Bei der Auswahl der Gastuniversität war ich bereits relativ festgelegt da ich nach Frankreich wollte um mein Französisch zu verbessern. Ich habe mich dann für Rennes entschieden da ich die Kurse gut und die Stadt sympathisch fand. Die Dokumente die ich dort einreichen musste wurden auch gut kommuniziert und ich hatte keine Probleme.
Studium an der Gastuniversität
Das Studiensystem in Frankreich ist sehr anders als in Deutschland. Man hat deutlich weniger Flexibilität was die Studiengestaltung angeht, da es für jedes Semester fest vorgeschriebene Kurse gibt die auch genau in diesem Semester belegt werden müssen. Als Erasmusstudierender hatte ich ein bisschen mehr Freiheit in meiner Kurswahl da ich nicht alle Pflichtkurse machen musste, aber man kann beispielsweise auch nicht Kurse aus anderen Schwerpunkten wählen weil der Stundenplan sich jede Woche ändert und keinem Muster folgt und man somit in diesem System sich seinen Stundenplan nicht selber kollisionsfrei zusammenstellen könnte. Das ist auch der Aspekt, den ich mit am komischsten fand, da man keinerlei Planbarkeit für andere Aktivitäten hat. Für den Sportkurs den ich machen wollte kamen also nur Zeiten nach 18 Uhr in Frage.
In den Kursen selber wurde sehr viel Wert auf „Travail Pratique (TP)“ gelegt, also praktische Übungen die je nach Kurs auch die Hälfte oder mehr der Veranstaltungen ausmachen können, was bei den standardmäßigen 3 Credits pro Kurs meiner Meinung nach viel zu wenig Zeit für tatsächliche Vorlesungen lässt und auch je nach Kurs wenig fachlichen Mehrwert gibt sondern sich oft auch nur nach stumpfer Beschäftigung der Studierenden angefühlt hat (z.B. simple Python-Programmieraufgaben in einem Kryptographie-Modul). Ich habe auf jeden Fall das Gefühl deutlich weniger in den Kursen in Rennes gelernt zu haben als in Potsdam.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Ich habe nachdem ich angekommen an einigen ESN-Veranstaltungen teilgenommen und darüber sehr schnell Kontakte zu anderen internationalen Studierenden geknüpft und einige sehr gute Freund*Innen getroffen. Insgesamt fand ich es auch als eher introvertierte Person sehr einfach Menschen kennenzulernen, weil Menschen die ein Auslandssemester machen auch alle Lust haben andere Leute kennenzulernen. In meinem Studium war ich die einzige Person die für ein Auslandssemester da war und fand es dementsprechend ein bisschen schwieriger mich in die bestehenden Gruppendynamiken einzufinden (durch die festen Semester kennt sich diese Gruppe natürlich schon lange und gut), aber sie waren alle sehr nett und haben versucht mich so gut es geht zu integrieren. Trotzdem habe ich die meiste Zeit mit den anderen Internationals verbracht.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Ich hatte vor dem Aufenthalt bereits ein B2-Level auf Französisch und habe mich auf jeden Fall verbessert. Man kann über die Uni einen Sprachkurs machen der zwei mal die Woche stattfindet und 6 Credits gibt und den kann ich auch sehr empfehlen. Insgesamt hat sich mein Sprachverständnis mehr verbessert als meine Sprachproduktion da ich in Vorlesungen meist mehr zuhöre als selber zu sprechen und ich außerhalb der Uni mit meinen Freund*Innen Englisch geredet habe. Trotzdem würde ich mir jetzt eher als vorher zutrauen Lebenswege einzuschlagen wo ich auf Französisch angewiesen wäre.
Wohn- und Lebenssituation
Man kann und sollte sich in Rennes auf ein Platz im Studierendenwohnheim bewerben.Es gibt keine Garantie dass man einen bekommt aber so weit ich weiß sind dieses und auch die vorherigen Jahre alle angenommen worden. Die Zimmer sind wirklich klein, aber meiner Meinung nach sehr gut konzipiert sodass man genug Stauraum hat, ein Schreibtisch, ein 90cm Bett, ein Kühlschrank und ein eigenes Bad. Nur zum kochen muss man in die Gemeinschaftsküchen. Das ganze ist aber mit ~260€ deutlich günstiger als eine private Wohnung.
Es gibt an der Uni eine Mensa, die Qualitätsmäßig okay und mit 3,30€ pro Mahlzeit auch relativ erschwinglich. Ihr könnt auch wenn ihr in andere Städte reist dort die lokale Mensa mit dem gleichen Bezahlsystem problemlos verwenden.
Rennes ist die zweitkleinste Stadt auf der Welt die ein eigenes Metrosystem hat und das hat zwei Linien. Ein Monatsabo kostet für Menschen unter 25 Jahren nur ca. 25€ und man kommt sehr schnell von A nach B. Mit dem TGV ist man in 1,5 Stunden in Paris. Gerade wenn man öfter nach Paris oder Deutschland fahren will kann ich die SNCF Carte Avantage Jeune empfehlen, die sich sehr schnell rentiert hat für mich.
Falls man sich für Kinos interessiert gibt es in Rennes 1 die Cinemaniacs und in Rennes 2 das Ciné Tambour, wo es jeden Dienstag bzw. Mittwoch eine Vorstellung gibt für 5€ pro Semester.
Am Wohnheim in Beaulieu gibt es jeden Dienstag Tanzabende mit Bretonischen Tänzen, was ich leider erst zum Ende meines Aufenthalts wahrgenommen habe. Man kann einfach hingehen ohne Vorwissen und lernt sehr schnell die verschiedenen Tänze in 2er, 3er, 4er, 6er oder 8er Gruppen.
Studienfach: Computer Science
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Université de Rennes 1
Gastland: Frankreich
Rückblick
Ich hatte insgesamt eine sehr gute und prägende Zeit, auch wenn ich mit der Universität eher unzufrieden war. Ich kann trotzdem nur empfehlen einen Auslandsaufenthalt in Rennes oder auch woanders zu machen da auch Aspekte die einem vielleicht nicht gefallen einem trotzdem neue Perspektiven auf das Ausland oder auch auf Deutschland geben und man sehr viele sehr tolle Menschen kennenlernen kann.