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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Im Januar 2025 war ich in meinem 3. Semester, und zu diesem Zeitpunkt kam ich auf die Idee, mich für ein Auslandssemester zu bewerben. Bereits seit dem 1. Semester hatte ich in den E-Mails von studinews mehrmals über diese tolle Möglichkeit gelesen. Vor meiner Bewerbung konnte ich alle relevanten Informationen - zu Ländern, Gasthochschulen, Bedingungen, Finanzierung, Bewerbung usw. - übersichtlich auf der Erasmus-Webseite (https://www.uni-potsdam.de/de/international/outgoing/studium/erasmus) finden.

Meine Bewerbung richtete ich an die University of Southampton in England, die Universität Wien und die Universität Innsbruck in Österreich.

Ich wurde für meine erste Priorität, die University of Southampton, nominiert und nahm das Austauschangebot an. Danach wurde ich durch das International Office mit der Gasthochschule in Kontakt gebracht und hatte anschließend zwei Monate Zeit, meine Bewerbungsunterlagen (Leistungsübersicht, Pass, persönliche und akademische Informationen), den Sprachnachweis sowie meine Modulauswahl einzureichen.

In dieser Zeit legte ich den DET (Duolingo English Test) ab und schaute mir alle Module der University of Southampton auf der Modul-Webseite der Universität an, um meine Interessen festzulegen. Das Student Office in Southampton unterstützte mich stets bei der Modulauswahl, sodass ich meine Bewerbung erfolgreich vervollständigen konnte.

Insgesamt dauerte der Bewerbungsprozess von Ende Februar bis Ende Juni. Anschließend erhielt ich die Bestätigung und das Visa Letter von der Gasthochschule und konnte mich damit als Nicht-Europäerin für das Visitor Visa bewerben.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/25 – 01 /26

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Southampton weist sowohl Unterschiede als auch viele Gemeinsamkeiten mit dem System an der UP auf. Die Vorlesungen werden - wie in Potsdam - in Präsenz angeboten, mit Präsentationen und Aufnahmen, die anschließend hochgeladen werden. Zu manchen Vorlesungen werden praktische Workshops mit Aufgaben und deren Besprechung angeboten. Manchmal werden Gastsprecher eingeladen, und häufig wird zusätzliche Literatur für ein vertieftes Verständnis der Themen empfohlen.

Ein deutlicher Unterschied ist die starke Betonung der kritischen Auseinandersetzung mit dem Stoff sowie die Orientierung der Professor:innen an neuesten empirischen Befunden, die gemeinsam mit den Studierenden analysiert werden. Auch die Prüfungsleistungen sind so aufgebaut, dass sie unbedingt die Anwendung des gelernten Wissens erfordern. In meinen Modulen gab es keine Multiple-Choice-Fragen - die Prüfungen bestanden aus Essays und Präsentationen. Es wurden Case Studies angeboten, für die man theoretische Erklärungen bzw. Behandlungspläne vorschlagen sollte, sowie Themen, die man durch eigenständige Literaturrecherche und -analyse bearbeiten musste. Für ein Modul musste ich einen eigenen Forschungsantrag erstellen und anschließend in einer „pen-and-paper-Klausur neurowissenschaftliche Fragen unter Verwendung relevanter Literatur beantworten.

Alles in allem waren die Anforderungen deutlich höher als in meinem bisherigen Studium. Gleichzeitig konnte ich dadurch viel neues, spannendes Wissen erwerben und mehr Engagement für mein Studium entwickeln.

Das äußerst freundliche Studienklima an der University of Southampton war sehr unterstützend. Die Koordinatorin der Austauschstudierenden im Fach Psychologie betreute uns während des gesamten Semesters und war stets für Fragen verfügbar. Auch die Professor:innen waren offen für Anfragen und beantworteten diese meist innerhalb weniger Stunden. Schließlich sorgte der SUSU (Students’ Union) dafür, dass sich neu angekommene Studierende durch zahlreiche formelle und informelle Veranstaltungen, Messen und Angebote der Societies willkommen fühlten.

Alle Hörsäle waren mit Beamer und Lautsprechern ausgestattet, und die Vorlesungen wurden stets aufgezeichnet. Die Bibliothek auf dem Campus war rund um die Uhr (24/7) geöffnet. Außerdem gab es zahlreiche Lernplätze sowie buchbare Gruppenarbeitsräume. In der Bibliothek und in anderen Campusgebäuden standen Computerpools zur Verfügung. Der Student Hub war jederzeit für technische Anfragen erreichbar - per E-Mail, Formular oder Online-Chat, wo man meist sofort eine Antwort erhielt.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Um mich mit Studierenden vor Ort zu vernetzen, besuchte ich zu Beginn des Semesters zahlreiche Veranstaltungen des SUSU am Campus - eine Erstsemester-Party, die Societies Fair, Taster Sessions der Dance Society sowie Veranstaltungen der Ukrainian Society, Hillwalking Society und Music Societies. Durch die gemeinsame E-Mail-Liste unserer Koordinatorin konnten wir Austauschstudierenden der Psychologie uns untereinander vernetzen und bis zum Ende des Semesters gemeinsam verschiedene Aktivitäten und Ausflüge unternehmen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandsaufenthalt entsprachen meine Englischkenntnisse bereits dem C1-Niveau. Ich konnte mich sowohl mündlich als auch schriftlich akademisch frei ausdrücken, setzte diese Kenntnisse jedoch im Studium an der UP nur selten ein.

Durch den Aufenthalt und das Studium in England konnte ich insbesondere meine Alltagssprache deutlich verfeinern. Zudem verbesserte ich meine akademischen Fähigkeiten - wie das Schreiben von Hausarbeiten im APA-7-Stil, das Lesen und Verwenden wissenschaftlicher Artikel, die formelle Kommunikation mit Professor:innen sowie den fachlichen Austausch mit anderen Studierenden - erheblich.

Am Ende des Semesters fühlte ich mich vollkommen sicher in meinen sprachlichen Äußerungen. Der Aufenthalt zeigte mir außerdem, dass selbst mit einem hohen Sprachniveau Zeit und Übung notwendig sind, um sich an lokale Kultur, Aussprache und Denkweisen anzupassen.

Wohn- und Lebenssituation

Mangels Zeit und Kenntnisse des englischen Wohnungsmarktes bewarb ich mich Ende Juli für eine Unterkunft im Studienwohnheim. Zwei Wochen später (Mitte August) erhielt ich ein Angebot für das gewünschte Zimmer. Die Unterkunft war eine sichere und garantierte Option. Allerdings sind Wohnheime in England deutlich teurer als private Unterkünfte, da sie umfangreiche technische und organisatorische Betreuung bieten und eher als Übergangsphase für unerfahrene Erstsemesterstudierende konzipiert sind. Ein großer Vorteil war jedoch die kostenfreie Nutzung aller Verkehrsmittel (Uni-Link sowie städtische Busse) in Southampton.

Die Lebenshaltungskosten sind höher als in Deutschland. Als Vegetarierin gab ich durchschnittlich 20-30 Pfund pro Woche für Lebensmittel aus und etwa 10 Pfund in lokalen Cafés (über 15 Pfund in Restaurants). Die Mensa auf dem Campus war etwas günstiger, bot jedoch nur wenige vegetarische und gesunde Optionen.

In meiner Freizeit reiste ich viel. London, die Isle of Wight, der New Forest, Brighton und Bournemouth sind schnell und einfach mit Bus, Fähre oder Zug erreichbar. In der Stadt gibt es ein großes Einkaufszentrum mit Kino, Geschäften und Restaurants. Außerdem existieren zahlreiche Pubs und Bars mit wöchentlichen Veranstaltungen wie Jazz-Jams, Open-Mic-Abenden oder Listening-Partys.

Da Southampton eine Studentenstadt ist, gibt es außerhalb der Universität relativ wenige Angebote für junge Menschen. Man kann sich jedoch beispielsweise über The Brook, The Social oder Good Things mit der lokalen Musikszene vernetzen und so kulturelle Veranstaltungen entdecken. Auf diese Weise gestaltete ich meine Freizeit abwechslungsreicher und verbrachte sie nicht ausschließlich mit „Nights Out“ in Pubs, sondern auch mit kulturellen Aktivitäten.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/25 – 01 /26

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien

Rückblick

Denjenigen, die nach Southampton gehen möchten, würde ich empfehlen, jede Gelegenheit zu nutzen, um durch das Vereinigte Königreich zu reisen. Von London aus gibt es oft günstige Tickets, und jede Reise lohnt sich. 

Außerdem würde ich unbedingt empfehlen, die Unterstützungsangebote der Universität - Workshops, Ansprechpartner:innen, Q&A-Sessions und Cuppa-Science-Events - aktiv zu nutzen und die eigenen Kenntnisse kontinuierlich zu erweitern. Die Universität unterstützt engagierte Studierende sehr gerne. Dank meiner Neugier habe ich beispielsweise nach meinem Master das Angebot erhalten, in Southampton zu promovieren.

Southampton ist nicht die außergewöhnlichste Stadt Englands, aber ein guter Ausgangspunkt an der Südküste. Akademisch ist sie sehr empfehlenswert; touristisch hat die Stadt im Zweiten Weltkrieg stark gelitten und bietet daher weniger Sehenswürdigkeiten.

Manchmal kann sich Southampton etwas unsicher anfühlen. Die Universität kümmert sich jedoch aktiv um die Sicherheit der Studierenden, unter anderem durch Nightlines und Safety Buses, die nachts Unterstützung bieten.

Zusammenfassend waren meine Erfahrungen im Vereinigten Königreich überwiegend positiv. Ich fühle mich durch das Semester bereichert und inspiriert, weiterhin kritisch zu denken, mehr zu reisen und mich mit internationalen Studierenden zu vernetzen. Trotz anfänglicher Unsicherheit bezüglich der sozialen Integration habe ich mehrere neue Freundschaften geschlossen, die ich in Southampton und im gesamten Vereinigten Königreich weiter pflegen werde.


Großbritannien und Nordirland (UK)

Großbritannien

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