Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Das International Office der Universität Potsdam bietet eine sehr hilfreiche Unterstützung bei der Vorbereitung auf ein Auslandssemester. Von Live-Veranstaltungen über Leitfäden bis hin zur Möglichkeit, per E-Mail nachzufragen – es gibt zahlreiche Angebote, um sich umfassend zu informieren und Unterstützung zu erhalten. Dadurch habe ich mich während des gesamten Prozesses sehr gut aufgehoben und betreut gefühlt.
Auch das Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen gestaltete sich insgesamt wenig kompliziert, wenn auch teilweise etwas langwierig. Die Partneruniversität war ebenfalls stets bemüht, schnell zu antworten. Lediglich die endgültige Abwicklung des Learning Agreements erwies sich als etwas schwierig: Die finale Bestätigung erfolgte erst vier Wochen nach meiner Ankunft vor Ort. Dies hatte jedoch verschiedene Ursachen und lag nicht ausschließlich an der italienischen Universität.
Studium an der Gastuniversität
Die UNINT ist eine sehr gut ausgestattete Universität. Die Räume sind modern, verfügen über umfassende technische Ausstattung und laden zum Verweilen ein. Auch wenn das Gebäude eher an eine Schule erinnert, erweist sich genau dieser Umstand als sehr praktisch, da man sich schnell zurechtfindet und sich rasch einlebt. Die Bibliothek bietet eine ruhige Lernumgebung, und in der Mensa gibt es guten Kaffee sowie leckere Pizza und Snacks, die helfen, einen langen Unitag gut zu überstehen.
Auch die allgemeine Studienorganisation sowie die Betreuung durch die überaus netten, überwiegend weiblichen Professor:innen waren hervorragend und vor allem sehr nahbar. Die Vorlesungen waren durchweg interessant – ich bin wirklich sehr gerne zur Uni gegangen und habe mich dort jederzeit sehr wohlgefühlt. Ein besonderes Highlight war beispielsweise ein Kurs, der einen Besuch im Fendi-Atelier beinhaltete, bei dem wir durch die Räumlichkeiten geführt wurden. In diesem Moment habe ich mich gefragt, wie interessant Universität eigentlich sein kann.
Lediglich die Prüfungsphase gestaltete sich etwas chaotisch: Die mündlichen Prüfungen zogen sich teilweise über mehrere Stunden Wartezeit hin und fanden zudem vor der gesamten Klasse statt.
Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden
Ich habe mich an der UNINT sehr schnell sehr wohlgefühlt. Da es sich um eine internationale Universität handelt, setzt sich die Studierendenschaft aus einer bunten Mischung internationaler Studierender und Einheimischer zusammen. Alle waren äußerst kontaktfreudig, sodass man schnell ins Gespräch kam und leicht neue Bekanntschaften schließen konnte. Vor allem durch kleinere Uni-Projekte wurde dieser Austausch zusätzlich erleichtert. Das Miteinander war durchweg offen, herzlich und freundlich.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
In der Schule hatte ich spätbeginnenden Italienischunterricht und konnte mir innerhalb von drei Jahren einen grundlegenden Wortschatz sowie Basiskenntnisse in der Grammatik aneignen, was mir besonders zu Beginn meines Auslandsaufenthalts sehr zugutekam. Zusätzlich nutzte ich Sprach-Apps und Selbstlernbücher, um mir bereits im Vorfeld weitere Kenntnisse der italienischen Sprache anzueignen.
Nach meiner Ankunft in Italien wurden wir durch einen Sprachtest in verschiedene Kurse eingeteilt und hatten die Möglichkeit, zweimal pro Woche an einem gut strukturierten Sprachkurs teilzunehmen. Dort brachte uns unsere sehr nette und engagierte Lehrerin die italienische Sprache näher. Natürlich lernt man eine Sprache auch besonders gut im Alltag vor Ort, sodass viele kleine Situationen dazu beigetragen haben, meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern.
Auch mein Englisch hat sich durch den täglichen Austausch mit internationalen Kommiliton:innen und neu gewonnenen Freund:innen deutlich verbessert – so sehr, dass ich irgendwann sogar begann, auf Englisch zu denken.
Wohn- und Lebenssituation
Die Wohnungssuche in Rom gestaltet sich leider etwas schwierig. Die Preise sind sehr hoch, und Plattformen wie Uniplaces und Spotahome kann ich persönlich nicht empfehlen. Dort treffen meiner Erfahrung nach exorbitant hohe Mietpreise auf teilweise dubiose Zusatzkosten, die in bar direkt an Vermieter:innen gezahlt werden sollen, sowie auf sehr hohe Servicegebühren. Obwohl ich mich dort mehrfach auf Zimmer beworben habe, erhielt ich ausschließlich Absagen.
Einfacher lassen sich Angebote über Facebook- oder WhatsApp-Gruppen (z. B. von Erasmus Student Network oder ERA Rome) finden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, um nicht auf Spam oder Betrüger:innen hereinzufallen. In meinem Fall stellte schließlich eine Langzeitmiete über Airbnb die beste Lösung dar. Die Servicegebühren waren überschaubar und es gab relativ hohe Rabatte, da ich ein Zimmer für mehrere Monate suchte.
Als Referenz: Meine monatliche Miete für ein etwa 25 m² großes Zimmer in einer schönen WG mit zwei Mitbewohnenden und eigenem Balkon im sehr gut angebundenen Stadtteil Furio Camillo – mein persönlicher Lieblingsort in Rom – lag dennoch bei etwa 900 Euro. Man sollte sich daher darauf einstellen, dass das Erasmus-Stipendium die Mietkosten leider meist nicht vollständig deckt.
Praktisch ist es außerdem, in der Nähe der Metrolinien A oder B zu wohnen, da es in Rom häufig zu Staus und auch zu Streiks kommt. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel – insbesondere die Busse – ist daher nicht immer Verlass. Viele Menschen nutzen deshalb auch Scooter, was mir persönlich angesichts der italienischen Fahrweise jedoch etwas zu gefährlich erschien.
Die Supermarktpreise sind in etwa mit denen in Deutschland vergleichbar, und auch Restaurantbesuche sind nicht unbedingt günstig. Dafür gibt es an nahezu jeder Ecke kleine Imbisse mit Pizzastücken und Supplì, die für wenig Geld und mit vielen Kalorien satt machen. Und über einen Cappuccino für etwa 1,30 Euro kann man sich ohnehin nicht beschweren.
Studienfach: M.Sc. BWL
Aufenthaltsdauer: 09/25 – 01/26
Gastuniversität: UNINT – Università degli studi internazionali di Roma
Gastland: Italien
Rückblick
Sehr hilfreich ist es, möglichst früh sämtlichen WhatsApp-Gruppen wie ERA oder denen von Erasmus Student Network (ESN) in Rom beizutreten. Dort werden zahlreiche Freizeitangebote in ganz unterschiedlichen Bereichen organisiert – von Partys über Kunst- und Kulturveranstaltungen bis hin zu Kochkursen oder sportlichen Aktivitäten. Für jede und jeden ist hier etwas dabei.
Gerade zu Beginn lohnt es sich, möglichst viele dieser Angebote wahrzunehmen und aktiv Kontakte zu knüpfen. Rom ist eine sehr lebendige und schnelllebige Großstadt, in der man sich sonst auch schnell einmal einsam fühlen kann. Wer jedoch offen auf andere zugeht und die vielen Möglichkeiten nutzt, findet in der Regel schnell Anschluss.
Sonstige Hinweise
Nach meinem Aufenthalt ist Rom für mich die schönste Stadt der Welt. Immer wieder bin ich durch die Straßen gelaufen und konnte mein Glück kaum fassen. Die Kombination aus italienischem Lebensgefühl, gutem Essen, der Nähe zum Meer sowie den offenen und herzlichen Menschen ist kaum zu übertreffen. Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt – in meinem Stadtteil, an der Universität und generell im gesamten Alltag. Auch wenn die Mieten extrem hoch sind, war diese Erfahrung für mich jede Investition wert.
Wenn man offen für ein wenig Chaos ist und dafür sehr viel Lebensfreude erleben möchte, dann ist Rom wirklich die richtige Wahl.