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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich habe schon seit einiger Zeit über ein Auslandssemester nachgedacht. Damals habe ich jedoch die Bewerbungsfrist Ende Januar verpasst und den Gedanken, ins Ausland zu gehen, auf das nächste Jahr verschoben. Eine Kommilitonin machte mich später darauf aufmerksam, dass für eine Universität kurzfristig wieder ein Platz freigeworden ist. Daraufhin nahm ich mit dem Erasmus-Koordinator Kontakt auf, der mich darüber informierte, dass insgesamt noch drei freie Plätze zur Verfügung standen. Nach ausführlicher Recherche zu den verschiedenen Universitäten überzeugte mich die Wageningen University & Research in den Niederlanden am meisten, da mich insbesondere das Kursangebot sehr angesprochen hat. Nachdem ich den Platz für diese Universität angefragt und zugesagt bekommen habe, konnte ich mich kurze Zeit später dort offiziell bewerben. Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens erhält von der Universität eine E-Mail mit allen relevanten Informationen. Für die Bewerbung muss man sich auf einer separaten Bewerbungsplattform anmelden, auf der anschließend die Bewerbung erstellt und eingereicht wird. Zu den erforderlichen Unterlagen zählen unter anderem eine Kopie des Reisepasses oder der EU ID-Karte, Transkript aus dem Bachelor- und Masterstudium sowie einen Nachweis über die Englischkenntnisse. Der ganze Bewerbungsprozess war in der Mail bereits sehr detailliert und verständlich beschrieben. Zudem stand das Exchange-Team jederzeit für Rückfragen zur Verfügung und reagierte immer sehr zeitnah. Auch auf der Website der Universität waren weitere hilfreiche Informationen zum Bewerbungsablauf zu finden (https://www.wur.nl/en/education/studying-wageningen/study-abroad-and-exchange ).


Studienfach: Remote Sensing, geoInformation and Visualization

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Wageningen University and Research

Gastland: Niederlande

Studium an der Gastuniversität

Das Studium ist im Vergleich zur Universität Potsdam schon deutlich anders aufgebaut. Ein Studienjahr ist in sechs Perioden unterteilt. Da ich für ein Semester dort war, absolvierte ich drei dieser Perioden. In den Perioden 1 und 2 (Dauer: jeweils 8 Wochen) belegt man jeweils zwei Kurse, dabei gibt es einen am Vormittag und einen am Nachmittag. Der Ablauf ist in der Regel so gestaltet, dass in den ersten sechs Wochen Lectures, Practicals, Group Work und Tutorials stattfinden. Darauf folgt eine Self-Study Week, bevor in der 8. Woche die Exam Week stattfindet. In Periode 3 (Dauer: 4 Wochen) belegt man lediglich einen Kurs. Der Ablauf bleibt dabei gleich, ist jedoch deutlich kompakter, da Self-Study Week und Exam Week in einer Woche zusammengelegt sind. Insgesamt war der Anteil an Lectures in meinen Kursen eher gering. Stattdessen lag der Schwerpunkt auf Tutorials und Practicals, was mir sehr gut gefallen hat, da nicht nur theoretische Inhalte vermittelt, sondern auch direkt praktisch angewendet wurden. Für jeden Kurs werden auch hier regulär 6 ECTS vergeben, wobei sich die finale Note aus zwei Leistungen mit unterschiedlicher Gewichtung zusammensetzt. In meinem Fall handelte es sich meist um einen Bericht oder eine Präsentation aus einer Gruppen- oder Partnerarbeit sowie eine Klausur. Die Anforderungen würde ich ähnlich hoch zur Universität Potsdam einschätzen. Das Notensystem reicht von 0-10, wobei 10 die Bestnote darstellt. Die Bestehensgrenze liegt je nach Kurs bei 5 oder 5,5. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass eine 10 praktisch nie vergeben. Auch Noten wie 9 oder 9,5 waren in meinen Kursen eher selten. Die Wochen waren teilweise sehr intensiv, wobei für die Gruppen- und Partnerarbeiten innerhalb des Stundenplans zusätzliche Zeitblöcke eingeplant wurden. Dadurch hatte ich trotz der intensiveren Wochen eine gute Balance zwischen Studium und Freizeit. Zwar verbrachte ich unter der Woche viel Zeit in der Uni, musste aber an den Wochenenden eher selten was für die Uni erledigen (abgesehen von der Prüfungsphase). Das Studienklima vor Ort empfand ich als sehr angenehm und auf dem Campus war eigentlich täglich immer was los, besonders vor und während der Exam Week. In diesen Wochen musste man immer früh genug da sein, um irgendwo noch einen Platz zum Lernen zu ergattern. Hilfreich war allerdings die Möglichkeit über ein Online-System Plätze in der Bibliothek zu reservieren. Zusätzlich zur Bibliothek bieten die Universitätsgebäude auch so zahlreiche Lernplätze und -ecken sowie kleinere Räume für Gruppen- und Partnerarbeit. Eine klassische Mensa gibt es leider nicht. Zwar stehen auf dem Campus einige Essensmöglichkeiten zur Verfügung, wie etwa Albert Heiijn to go, Subway oder kleinere Angebote in den Gebäuden selbst, diese sind jedoch vergleichsweise teuer. Entsprechend bringt ein Großteil der Studierenden eigenes Essen mit.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Von der Universität werden in der Regel an einem Wochenende Mitte August, kurz bevor Anfang September die erste Periode beginnt, die sogenannten Annual Introduction Days (AID) angeboten. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Einführungsprogramm mit unterschiedlichsten Aktivitäten. Wie ich gehört habe, bieten die AID eine sehr gute Möglichkeit neue Leute kennenzulernen. Zudem können dort wohl auch Secondhand-Möbel, Fahrräder und weitere Ausstattungsgegenstände gekauft werden, die von anderen Studierenden angeboten werden. Die Anmeldung erfolgt über eine Einladung per E-Mail, die man zeitnah von der Universität erhält. Leider konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht teilnehmen, aber für alle Austauschstudenten, die nicht teilnehmen konnten, wurde jedoch am Freitag vor Beginn des Semesters eine Eramus-Einführungsveranstaltung angeboten. Dort erhielt ich vorab noch mal wichtige Informationen zur Universität und hatte zeitgleich die erste Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden auch ein paar studentische Netzwerke vorgestellt, wie das Erasmus Student Network (ESN). An einigen von ESN organisierten Veranstaltungen und Trips habe ich ebenfalls teilgenommen, wie unter anderem bei einem Trip nach Prag. Bei diesen Veranstaltungen konnte ich immer viele tolle Menschen kennenlernen. Zusätzlich hat der starke Fokus auf Gruppenarbeit im Studium ermöglicht, auch mit niederländischen Studierenden ins Gespräch zu kommen. Als Austauschstudent verbringt man die meiste Zeit überwiegend mit anderen internationalen Studierenden und ist sonst eher weniger in Kontakt mit niederländischen Studierenden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da die Masterstudiengänge auf Englisch angeboten werden, finden alle Kurse auf Englisch statt. Zudem spricht ein sehr großer Teil der niederländischen Bevölkerung Englisch, sodass es für mich keinerlei sprachliche Barrieren gab. Ich denke, dass sich meine Sprachkenntnisse generell verbessert haben, vor allem bin ich jedoch deutlich selbstbewusster im Sprechen geworden, da das häufig ein Hindernis für mich darstellte. Vor meinem Aufenthalt habe ich auch ein wenig niederländisch gelernt, jedoch nie angewendet.

Wohn- und Lebenssituation

In den Niederlanden herrscht eine ausgeprägte Wohnungskrise, weshalb ich mir schon vor Beginn meines Aufenthalts Sorge gemacht habe, rechtzeitig ein Zimmer finde. Es gibt verschiedene Websites mit Angeboten für Zimmer, die auch auf der Uni-Website unter https://www.wur.nl/en/education/studying-wageningen/student-life/housing  mit zusätzlichen Informationen zu diesem Thema aufgelistet sin, dennoch gestaltet sich die Zimmersuche häufig etwas schwieriger. Ich hatte mich auf der Website https://www.room.nl/en/ registriert, allerdings ist dabei zu beachten, dass eine einmalige Anmeldegebühr von 35€ erhoben wird. Über diese Plattform ein Angebot für ein Zimmer zu bekommen, erwies sich jedoch als schwierig, da die Platzierung bei Wohnungsangeboten vom Registrierungsdatum abhängt. Zwar gibt es zu einem späteren Zeitpunkt auch Priorisierungen, diese greifen allerdings nicht bei allen Angeboten und bringen einen auch nicht immer auf die erhofften vorderen Plätze. Zusätzlich stellte die Universität über Microsoft Teams eine Plattform zur Verfügung, auf der Studierende, die selbst ein Auslandssemester absolvierten, ihre Zimmer zur Untervermietung anboten. Auf diesem Weg habe ich dann ein Zimmer in Ede gefunden, einem Nachbarort von Wageningen. Im Nachhinein würde ich, sofern möglich, immer ein Zimmer direkt in Wageningen empfehlen, da die meisten Studierenden dort wohnen. Durch die Unterkunft in Ede war man im studentischen Alltag etwas isolierter.

Mobilität & Verkehr:

Von meinem Wohnort in Ede war der Campus entweder mit Fahrrad in etwa 20 bis 25 Minuten oder mit dem Bus in knapp 5 bis 10 Minuten zu erreichen. Auch das Stadtzentrum von Wageningen ist mit dem Bus problemlos zu erreichen. Da das Fahrrad in den Niederlanden jedoch das mit Abstand am häufigsten genutzte Verkehrsmittel ist, sind die Radwege sehr gut ausgebaut und das Radfahren im Alltag besonders praktisch. Für weitere Trips innerhalb des Landes bietet der Bahnhof Ede-Wageningen in Ede gute Zugverbindungen unter anderem nach Utrecht, Amsterdam, Arnhem und Nijmegen. Der Bahnhof Utrecht Centraal ist in etwa 25 Minuten erreichbar und ist eine gute Umsteigemöglichkeit, um nahezu alle Ziele innerhalb der Niederlande zu erreichen.

Lebenshaltungskosten:

Die Lebenshaltungskosten sind in den Niederlanden insgesamt etwas höher als in Deutschland. Insbesondere Lebensmittel sind mit Ausnahme von einigen Obst- und Gemüsesorten überwiegend teurer. Dabei hängt der Preisunterschied jedoch auch stark vom jeweiligen Supermarkt ab, da beispielsweise Albert Heijn im Vergleich deutlich teurer ist als Lidl. Drogerieartikel sind hingegen spürbar teurer im Vergleich zu Deutschland. Daher kann ich nur empfehlen einen kleinen Vorrat an Produkten mitzunehmen, um sich vor Ort die teilweise deutlich höheren Kosten zu sparen.

Freizeit:

Es bieten verschiedene studentische Netzwerke ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an. Zudem verfügt die Universität über ein breites Angebot an Sportkursen. Insgesamt ist Wageningen im Vergleich zu anderen niederländischen Städten jedoch eher ruhiger, wobei es im Zentrum auch zahlreiche Restaurants und Kneipen gibt. Daher bieten sich gerade an den Wochenenden auch Trips in andere Städte an, da viele Ziele schnell und regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. 

Studienfach: Remote Sensing, geoInformation and Visualization

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Wageningen University and Research

Gastland: Niederlande

Rückblick

Das Semester in Wageningen war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung und ich würde mich jederzeit wieder genauso entscheiden. In dieser Zeit habe ich so viele tolle Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kennengelernt, wodurch ich zahlreiche neue Perspektiven und Ansätze gewinnen konnte. Außerdem musste ich mich allein in einem komplett neuen Umfeld zurechtfinden, was natürlich immer mit Herausforderungen einhergeht, aber man lernt viel über sich selbst und wächst über sich hinaus. Einzig den Wohnort würde ich im Nachhinein anders wählen. Allerdings lässt sich das zu Beginn nur schwer abschätzen und ich war sehr froh, überhaupt ein Zimmer gefunden zu haben. Für einen Zeitraum von fünf Monaten hätte es sich ohnehin nicht gelohnt nach einer Alternative zu suchen.


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