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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Nach einem abgeschlossenen Lehramts-Bachelor habe ich entschieden, dass es Zeit ist, ein neues System kennenzulernen. So habe ich mich am letzten möglichen Bewerbungstag für alle verfügbaren Erasmus-Aufenthaltsorte für den Master beworben. Angenommen wurde ich in Salamanca und in Innsbruck. Dies war eine schwere Entscheidung, denn zum einen wollte ich nichts lieber, als fließend Spanisch sprechen zu können, aber es war auch Zeit für einen Lebensstil-Wechsel und das Ausprobieren von vielen neuen Dingen.

Über Innsbruck habe ich so viel Gutes gehört: Berge, viele junge Leute und viel Wintersport, eine Stadt voller Lebensenergie und mit unendlich viel Zeit in der Natur. Als Stadtkind hatte ich bisher viel Kunst und Kultur erlebt, aber der Naturaspekt fehlte komplett in meinem Leben. So habe ich mich entschieden, etwas zu machen, was mir so nie möglich war.

Es ist zwar „nur“ unser Nachbarland, aber Tirol war doch so viel unterschiedlicher als Berlin/Brandenburg. Die Lebensmentalität der Menschen, die Verbundenheit zum Ort und die Nähe zur Natur, die sonnigen Wintertage ohne Winterverstimmungen und immer etwas, was man draußen tun kann: Wandern, Skifahren und Snowboarden lernen, Klettern an regnerischen Tagen (die hier selten waren) oder einfach das Ausprobieren von neuen Food-Spots und das Kennenlernen der Tiroler Region. Hier ist für jede Person etwas dabei, der/die gerne draußen ist und vielleicht etwas mehr Lust auf Bewegung hat.

Vorbereitung und Bewerbung

An der Uni Potsdam gibt es sehr umfassende Informationen zum Erasmus+ Programm. Alles ist online ersichtlich und es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen mit Möglichkeiten, sich bestens zu informieren und unzählige Fragen zu stellen. Die Koordinator*innen sind wirklich mit Antworten gewappnet und können bei fast jeder Frage unterstützen.

Ich würde empfehlen, die ganze Organisationsphase das Jahr vorher sehr organisiert anzugehen: Alle Termine immer im Kalender eintragen und versuchen, nichts zu verpassen, damit man nicht in die Enge kommt mit irgendeinem organisatorischen Aspekt. Ja, man wird auch erinnert, wenn etwas fehlt, aber besser ist es, das vorher zu erledigen und nicht erinnert werden zu müssen.

Die Gastuniversität hat schnell und relativ transparent geantwortet. Gut zu wissen wäre es aber, dass an der PHT (Pädagogische Hochschule Tirol) zumindest in meinem Semester die Kurse noch ziemlich fest waren. Die Anzahl an englischen Kursen ist gering und extra so ausgelegt, dass alle Erasmus-Studierenden die gleichen Kurse belegen. Deutschsprachige Personen sollten sich bei Interesse für andere Kurse/Gebiete, in denen sie sich weiterbilden wollen, früh genug bei den Koordinator*innen im Ausland melden und ihr Interesse bekunden – vielleicht sogar schon beim Kennenlern-Gespräch via Zoom.

An der PHT gibt es eine kleine Student Union Membership Fee zu bezahlen (circa 25 Euro). Erst ab dem Moment, wo dies bezahlt ist, können Kurse gebucht werden. Diese werden regulär für einen gebucht. Da muss man als Erasmus-Studierende*r dann nicht weiter aktiv werden, außer früh genug das Learning Agreement ausgefüllt zu haben.


Studienfach: Primarstufe Lehramt Englisch Kunst

Aufenthaltsdauer: 10/2025 - 01/2026

Gastuniversität:Universität Innsbruck

Gastland: Österreich

Studienalltag an der Pädagogischen Hochschule Tirol

Die Tage an der PHT können leider sehr lang sein. Es gab viele Tage, wo wir von 8 bis 19 Uhr in der Uni saßen. Dies soll in der Zukunft geändert werden, hat uns die Uni gesagt. Regulär haben alle Erasmus-Studierenden die Kurse zusammen und in den meisten Kursen sind auch eine Handvoll österreichische Studierende anwesend. Hier kann man lokale Kontakte knüpfen und gute Tipps für die Umgebung bekommen.

Während des Semesters hatten wir keine Klausuren, nur eine Menge Präsentationen und Hausaufgaben während des Semesters und am Ende Portfolios, die abgegeben werden mussten, aber keine Riesenaufwände. Alles machbar. Und das heißt: Im Wintersemester ist man ab Mitte/Ende Januar durch mit der Uni und hat einen ganzen Monat frei, bis man wieder nach Hause muss.

Anwesenheit ist hier super wichtig. Oft liegt diese bei 100 %. Wenn mehr als ein oder zwei Termine verpasst werden, muss man regulär sogenannte Compensation Work machen, aber das ist okay und kann passieren. 30 Leistungspunkte sind erreichbar, aber hierfür muss man ganz viele Kurse belegen, da viele oft nur 1 ECTS oder manchmal mehr oder sogar weniger haben. Diese finden dann natürlich auch seltener statt. Regulär bekommt man sehr gute Noten, wenn man alle Anforderungen abschließt.

Das Studienklima unter den Studierenden war immer gut. Bei der riesigen Anzahl von Gruppenarbeiten konnte diese mal kippen, aber dies gehört hier dazu. Die Österreicher*innen setzen sehr stark auf Gruppenarbeiten.

Das Team im Ausland seitens der Studierenden hat sich viel Mühe gegeben, Treffen zu organisieren, z. B. in die Bar, zum Törggelen und weiteres. Das war immer wunderschön. Auch die Dozierenden des International Office haben Dinge organisiert wie einen International Brunch und ein Farewell Dinner, was sehr eindrucksvoll war und mir positiv in Erinnerung bleiben wird. Fragen an das International Office wurden oft noch am selben Tag beantwortet.

Inhaltlich-technisch würde ich behaupten, ist das Gelernte hier repetitiv und weniger anspruchsvoll als an der Uni Potsdam. Es wird viel gebastelt und es werden viele Lernmaterialien erstellt, sehr hands-on, aber vielleicht nicht immer aus einer kritischen Perspektive. Computerpools hatten wir keine, von denen ich weiß, aber die Bibliothek war klein und süß und hatte sehr sinnvolles Material. Es war sehr gemütlich auf den Beanbags zu sitzen und durch die vielen Lektüren zu blättern, die wundervolle Inspirationslieferanten waren oder auch einfach einen Moment ruhe zu genießen. Die Bibliothek hatte meist bis 16 Uhr offen, also nicht super lange, aber es gab nebenan einen Lernraum, der immer offen hatte, und die meisten lernen einfach in Cafés, in der Stadtbibliothek oder in der Mensa.

Internationale Freundschaften und kultureller Austausch

Die Einheimischen hatten immer gute Tipps über die Region und waren erfreut, sich mit uns austauschen zu können. Ich habe unglaublich viel auch über die Irische, Indische, Spanische sowie Schweizer Kultur gelernt durch meine Peers. Wir haben wirklich unglaublich oft die Möglichkeit gehabt, kulturellen Austausch stattfinden zu lassen. Lokale Tänze, Bräuche, Speisen, Lieder, die politische Lage und lokale Sprache wurden alle ausgetauscht und es hat mich unglaublich bereichert und war ein Segen.

Ich würde empfehlen, nicht nur mit Studierenden aus dem eigenen Heimatland Zeit zu verbringen, sondern sich aktiv einzubringen und auch mal in andere Gruppen hineinzuschnuppern und offen und neugierig zu bleiben sowie viele Fragen zu stellen.

Sprachliche Entwicklung

Ich studiere zuhause Englisch-Lehramt, daher waren meine Englischkenntnisse ziemlich gut, aber das durchgängige Englisch-Sprechen mit Freunden hat extrem geholfen, sich noch wohler im Sprachgebrauch zu fühlen und noch flüssiger Gespräche zu führen. Außerdem habe ich den Tiroler Dialekt kennenlernen dürfen. Zu Beginn habe ich kaum etwas verstanden und jetzt bin ich stolz sagen zu dürfen, dass ich ziemlich viel verstehe.

Leben in Innsbruck

Unterkunft

Ich habe bei der OeAD und bei vielen weiteren Orten Bewerbungen abgeschickt, aber nur für Wohnheime, nichts Privates. Die OeAD muss mich vergessen haben, denn im April sollte es eine Rückmeldung geben, aber es kam nichts. Ich habe ihnen dann nochmal geschrieben und sie haben mir die letzte mögliche Zimmeroption angeboten. Ich bin sehr froh, nochmal nachgehakt zu haben.

Ich würde empfehlen, proaktiv zu sein und so früh wie möglich mit der Suche zu beginnen, denn der Wohnraum ist begrenzt. Die Preise sind ähnlich wie in Potsdam und wenn man unglaublich Glück hat, sogar viel billiger in privaten WGs.

Öffentliche Verkehrsmittel

Hier gibt's auch Leihfahrräder (sie heißen Stadtrad, App: NextBike) und mit der Uni-E-Mail sind jeden Tag 30 Minuten kostenlos. Ansonsten empfehle ich das Tirol-Ticket, um nicht nur in Innsbruck mobil zu sein, sondern auch in allen umliegenden Regionen, sogar bis Südtirol (Italien), um auch beim Skifahren z. B. nicht immer Bus-/Zugkosten zahlen zu müssen. Verkehrsmittel sind hier zuverlässig und gut angebunden.

Bankgeschäfte

Geld abheben würde ich nur in Supermärkten empfehlen. Bargeld ist hier oft genug ein Muss und in Supermärkten kostet das Abheben nichts.

Krankenversicherung

Ich habe keine extra Krankenversicherung abgeschlossen, da man für Grundfälle mit der europäischen Krankenversicherungskarte versichert ist. Für Extremsport wie Skifahren und sogar Wandern bietet es sich aber an, z. B. beim Alpenverein eine Mitgliedschaft abzuschließen, sonst wird ein Helikoptereinsatz bei Notfällen schnell sehr teuer.

Lebenshaltungskosten

Einkaufen ist hier etwas teurer. Ich empfehle nur zu Hofer zu gehen (das ist das gleiche wie Aldi) und die Preise sind viel akzeptabler.

Freizeitangebote

Für Freizeitangebote, vor allem bei Interesse an Wintersport, empfehle ich das frühe Kaufen des Freizeittickets, um den Frühkäufer-Rabatt mitzunehmen. Alle Sachen, die man brauchen könnte, gibt's Second-Hand: von Töpfen zu Skiern zu Klamotten. Hier muss echt nichts neu eingekauft werden, da Erasmus-Studierende alles am Ende ihres Aufenthalts weiterverkaufen.

Tipps für zukünftige Erasmus-Studierende

Mein Tipp ist, so viel mitzunehmen, wie die eigene Energie es zulässt. Vielen Instagram-Accounts folgen, die lokale Events weiterverbreiten, z. B. Snowboard-Movie-Screenings und Konzerte, Filmfestivals, Kiezfeste und Neueröffnungen. Immer up to date bleiben hilft unglaublich. Die Stadt sorgt für eine vielzahl an Veranstaltungen und wer sich informiert, kann unglaublich viel der lokalen Kultur erfahren.

Wachse über dich selbst hinaus und fordere dich heraus, denn das geht gut in Innsbruck. Lerne deine persönlichen Grenzen und Vorlieben besser kennen und sei viel an der frischen Luft. Die Berge warten auf dich!

Studienfach: Primarstufe Lehramt Englisch Kunst

Aufenthaltsdauer: 10/2025 - 01/2026

Gastuniversität:Universität Innsbruck

Gastland: Österreich

Rückblick

Ich bin dankbar für dieses halbe Jahr und freue mich auf all die Freundschaften, die auf dem Weg entstanden sind, und alles, was ich auch auf professioneller Ebene lernen und erleben durfte. Es ist eine Bereicherung, solange man offen bleibt.


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