Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Meine Universität (Universität Potsdam) ermöglicht für Studierende im Bachelor und im Master die Teilnahme am Erasmus+ Programm. Auf der Seite der Sozialwissenschaftlichen Fakultät ist aufgelistet, welche Länder und Universitäten, für welche Studiengänge im Rahmen dieses Programmes, zu besuchen möglich ist, beziehungsweise wieviele Plätze dafür jeweils angeboten werden[1]. Für mich persönlich war das Interesse an einem Auslandsaufenthalt in Spanien am höchsten, da ich bereits Unterricht in der Sprache hatte und der weiteren Teilnahme an Sprachkursen damit einen tieferen Sinn geben konnte. Für das Fach Soziologie im Master im Land Spanien sieht die Universität Potsdam 4 Plätze an der Universidad Autónoma de Madrid vor, unter der Bedingung dass das Sprachniveau B2 besteht.
Die Bewerbung sollte kein Hindernis werden. Ich hatte im vorherigen Sommersemester zwar erst das B1 Niveau erreicht und befand mich im B2.1 Kurs, hätte aber das B2 Zertifikat erst im Sommer und damit ein halbes Jahr nach der Bewerbungsfrist erreichen können. Glücklicherweise war dessen Vorzeigen weder bei der Bewerbung für das Erasmus+ Programm, noch bei der Bewerbung der Gastuniversität notwendig, sodass ich letztendlich genommen wurde.
Die Kommunikation mit der Universität erfolgte ohne Probleme über E-Mail. Die Kurswahl war dabei noch das komplizierteste, da Soziologie nicht an der mir zugewiesenen Fakultät Filosofía y Letras existiert[2]. Es folgte also eine Mail mit einer Liste von ca. 800 Kursen, von denen ich mir 5 (mit jeweils 6 ECTS Punkten) aussuchen konnte. Deren Zeiten und Räume musste ich ebenfalls mühevoll zusammensuchen, damit ich keine sich überschneidenden Kurse auswählte. Die Universidad Autónoma de Madrid nimmt zudem nicht am Online Learning-Agreement teil, weswegen das lerneng-Agreement manuell erstellt werden musste. Für meine gewählten Kurse bekam ich aber die entsprechenden Unterschriften, sodass es zu keinen Problemen bei der Genehmigung kam.
Das Online-System der Gastuni war zwar etwas unübersichtlich, die Registrierung in Outlook und weitere Online-Dienste der Uni wurde aber wenigstens gründlich erklärt, sodass Anmeldung in Kurse und verfassen von Mails für Organisatorisches leicht zu bewältigen war.
[1]www.uni-potsdam.de/de/wiso/internationales/studierendenmobilitaet/outgoing-studium-im-ausland/erasmus
Studium an der Gastuniversität
Die UAM ist in mehrere Fakultäten eingeteilt, in denen jeweils unterschiedliche Studiengänge angeboten werden. Ähnlich wie in Deutschland gibt es den Bachelor und Mater, wobei sich diese von Deutschland dennoch unterscheiden. Ein Bachelor-Studiengang geht über vier Jahre und ist damit umfassender, als in Deutschland.
Das Bewertungssystem ist aufgebaut nach einer Skala von 1-10, wobei 5 Punkte die mindestens zu erreichende Punktzahl ist, um die jeweilige Leistung zu bestehen. Die endgültige Bewertung eines Kurses erfolgt aus dem Durchschnitt der verschiedenen Leistungen, die in der Gesamtbewertung allerdings unterschiedlich gewichtet werden. Für das Bestehen des Kurses müssen 5 Punkte in der Gesamtwertung erreicht werden, es kann also auch der Kurs bestanden werden, wenn nicht in allen Teilkomponenten die zum bestehen notwendigen 5 Punkte erreicht werden.
Für mich war vorgesehen, dass ich Kurse aus dem Bachelorgrad besuchen sollte. Die von mir ausgesuchte Kurse unterscheiden sich also in Fach und Jahr.
Der Kurs Antropología Política war teil des Anthropologie-Studiengangs und war für Studierende des dritten Jahres (entspricht dem 5. Semester) vorgesehen. Er fand zweimal pro Woche statt: Dienstags (in der zweiten Hälfte des Semesters Mittwochs) für 60 Minuten, und Freitags für 120 Minuten. Es herrschte Präsenzpflicht, bzw. drohte Punktabzug bei nicht erreichen der Mindestanwesenheit. Die Bewertung erfolgte zum einen aus der Partizipation im Unterricht, das Gruppenarbeiten und -Vorträge sowie individuelle Leistungsüberprüfungen beinhaltete, und zum anderen eine Klausur im Januar, sowie einer individuellen, empirischen, 10-Seitigen Arbeit die, ähnlich wie eine Hausarbeit, eine vertiefte Auseinandersetzung mit einem, zum Seminarinhalt passenden Thema war. Mit dieser konnte die Note der Klausur verbessert werden.
An den gleichen Tagen fand auch der Kurs Teoría del Conocimiento I statt, der für das zweite Jahr des Philosophie Studiengangs vorgesehen war. In diesem gab es jeden Mittwoch eine zweistündige Vorlesung des Dozenten. Für jeden Freitag gab es eine Pflichtlektüre, die immer von jeweils ein:er Kursteilnehmer:in als benotete Prüfungsnebenleistung vorgestellt werden musste. Dafür gab es 2 Gruppen die aufeinanderfolgend jeweils Freitag stattfanden. Während des Semesters schrieben wir 2 Tests, im Januar gab es eine Klausur, die 50% der Gesamtnote zählte. Eine Präsenspflicht gab es dafür nicht, mit Ausnahme des individuellen Termins des Vortrags und einer extraplanmäßigen Sitzung im Dezember.
Für den Studiengang der Internationalen Beziehungen (Relaciones Internacionales) besuchte ich zwei Kurse. Der Kurs Geschichte des 20. Jahrhunderts (Hisoria del siglo XX) war ebenfalls für das zweite Lehrjahr vorgesehen und überschnitt mit dem Geschichtsstudiengang. Bei diesem wurde auf Präsens geachtet und es war, neben der erwarteten Beteiligung am Unterricht, ebenfalls eine Prüfungsnebenleistung in Form eines Vortrages über ein Thema, Voraussetzung. Dieser wurde nicht benotet, musste jedoch zum Zeitpunkt der Klausur im Januar als Verschriftlichung mit weiterer Ausführung, eingereicht werden. Neben der Klausur am ende des Semesters gab es bereits zur Hälfte des Semesters eine Art Zwischenklausur, die ermöglichte, dass bei der Klausur am Ende nicht der gesamte Lehrinhalt zur Prüfung stand, vorausgesetzt vorherige war bestanden worden. Wie in den bereits Beschriebenen Kursen gab es zwei Gruppen, die getrennt Montags und Dienstags für eine Stunde, und Donnerstags gemeinsam für 2 Stunden Unterricht hatten.
Der zweite Kurs der Internationalen Beziehungen, Política Latínoamericana Bestand aus den Vorlesungen des Dozenten, mit Beiträgen von Gastprofessoren anderer Universitäten, die Experten zu einem bestimmten Thema waren. Die Vorlesungen fanden jeden Montag (eine Stunde) und Donnerstag (2 Stunden) statt. Die Prüfung bestand aus einer Hausarbeit zu einem selbstgewählten Thema über die Politik Lateinamerikas. Diese musste im Januar Abgegeben werden.
Der letzte Kurs, La Igualdad de Génreo en la Sociedad Contemporánea, war nicht notwendiger teil eines Studiengangs, sondern als interdisziplinärer Kurs (Transversales) als Wahlfach organisiert. Er fand Dienstags und Donnerstags für jeweils 2 Stunden statt und beinhaltete Vorlesungen über das Verhältnis von Geschlechtern aus unterschiedlichen Teilbereichen wie Medizin, Wirtschaftswissenschaft, Psychologie und Geschichte. Die Präsenz wurde im Unterricht berücksichtigt, der Hauptteil der Benotung bestand aber aus einem Gruppenprojekt, das einen kreativen Beitrag über Geschlechtergleichheit abgeben sollte. Darüberhinaus gab es eine Multiple-Choice-Klausur und eine Individuelle Leistung die einzureichen war.
Insgesamt entsprach die Atmosphäre eher dem Character einer Schule, statt einer Universität wie sie in Deutschland üblich ist. Das ist stark auf die „Klassenstruktur“ zurückzuführen. Die Kommilitonen eines Studiengangs fangen zur selben Zeit an zu studieren und besuchen die gleichen Kurse in der selben Rheinfolge, und somit auch zur selben Zeit. Durch die gemeinsam gesetzten Pausen und die Kommunikation in einer WhatsApp-Gruppe entsteht ein Zusammenhalt innerhalb dieser Gruppe, dass kaum Austausch mit anderen Jahrgängen des Studiengangs, oder anderen Studiengängen stattfindet, salbst wenn alle Studierenden einer Fakultät in der selben Cafeteria zu Mittag Essen, bzw. sich mit den selben Mikrowellen ihr selbstmitgebrachtes Essen aufwärmen. Die Ausnahme ist, wenn sich eine Person für ein Wahlpflichtfach eines anderen Studienganges entscheidet, und damit der Homogenität einer neuen Gruppe ausgesetzt ist, in die sie sich zu integrieren hat. Dies ist insbesondere für die Organisation des Unterrichtes notwendig, da auch von den Dozierenden erwartet wird, dass untereinander kommuniziert wird. So kommt es oft dazu, dass ausfallende Termine, oder spontane Gruppenarbeiten an eine verantwortliche Person weitergeleitet wird, daraufhin ihre Kommilitonen, in der gemeinsamen Massenger-Gruppe, über die Neuigkeiten in Kenntnis setzt. Die gemeinsame Kommunikation ist also nicht nur für Informationen, sondern auch für die Selbstorganisation, integraler Bestandteil des Unterrichtes.
Ebenfalls zum eher schulischen Character trägt die überschaubare Größe eines jeweiligen Kurses, bzw, Studienjahrgangs, als auch die Art des Unterrichtens der Dozierenden, sowie des Umgangs der Studierenden und der Dozierenden mit bei, der für deutsche Verhältnisse sehr persönlich ist. In einigen Kursen war es zudem nicht erwünscht, während des Unterrichtes elektronische Endgeräte zu verwenden, bzw. sogar ausdrücklich präferiert, Mitschriften handschriftlich auf Papier anzufertigen. Im Kern glich die Lehre an der UAM allerdings doch der UP. Die zentralen Kursinhalte wurden über Moodle veröffentlicht, in dem der Syllabus und einzelnen Themen angegeben waren und alle Kursteilnehmer registriert waren und die hauptsächliche Kommunikation zwischen Dozierenden und Studierenden verlief über die Uni-Mail.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Das Kennenlernen anderer Studierenden gestaltete sich als sehr einfach. Dies ist zum einen der Wohnsituation zu verdanken, die in meinem Fall das Zusammenleben mit 8 Weiteren bedeutete, von denen die hälfte ebenfalls zeitgleich mit mir das Auslandssemester begann, (die anderen Mitbewohner:innen nahmen am einem Programm teil, mit dem sie als Lehrpersonen an Schulen arbeiteten, dennoch waren sie in meinem Alter). Insbesondere die deutschen Erasmus-Studierenden organisierten sich selbst direkt untereinander, sodass ich, auch dank meiner 3 deutschen Mitbewohner, direkt Kontakt zu einer Reihe von Studierenden, die zum Teil auch auf die UAM gingen, bekommen konnte. Das eigentliche Kennenlernen internationaler Studierender ging allerdings von der Universität aus, die dank eines Willkommenstages, unmittelbar Anfang September, ein Austausch von internationalen Studierenden einen programmatischen Rahmen gab. An diesem Tag knüpfte ich bereits erste Bekanntschaften meiner Gastuniversität, zu denen ich bis heute einen engen Austausch pflege.
Die Dichte von Erasmus-studierenden in den von mir gewählten Kursen war jedoch nicht sonderlich hoch. Die Mehrzahl der Kurse fand schließlich auf Spanisch statt. Das bot auf der anderen Seite die Gelegenheit, oder, besser gesagt, erforderte die Notwendigkeit, in den Austausch mit einheimischen Studierenden zu kommen. Ich möchte an der Stelle nochmal auf Kapitel 2 Verweisen, in dem ich den Character der der Kursorganisation erläutert habe. Aus diesem lässt sich nämlich erklären, wie unterschiedlich sich der Kontakt zu Einheimischen, je nach entsprechendem Kurs, gestalten sollte. Im Prinzip handelte es sich um vier verschiedene Gruppen, die untereinander kaum personelle Überschneidung aufwiesen, aber in sich selbst ein hohes maß an Integration aufwiesen, (der „Igualdad de Genero“-Kurs stellt insofern eine Abweichung da, als dass er ein interdisziplinäerer Kurs außerhalb der Lehrplans eines Studiengangs ist). Entsprechend gestaltete sich der Kontakt zu Einheimischen unterschiedlich schwierig. Der Kurs mit den Anteilig meisten und engsten Kontakten, zu denen ich, in gleichem Maße wie die zuvor erwähnten, internationalen Studierenden, nach wie vor im engen Austausch stehe, war der wissenstheoretische Philosophiekurs. Dies steht im Kontrast zu den gleichaltrigen Kommilitonen im Geschichtskurs über das 20. Jahrhundert, bei dem der Kontakt zu den einheimischen nie über ein reines Arbeitsverhältnis hinausging (In beiden Kursen betrag der Altersunterschied zwischen mir und meinen Kommilitonen ca. 6 Jahre). Der Kontakt zu den Kommilitonen des Anthropologie-Kurses und des IB-Kurses, zu denen ich einen geringeren Altersunterschied habe, war ebenfalls sehr gut. In den Pausen und Freistunden konnte ich mit ihnen Zeit verbringen und fühlte mich stets willkommen. Zu Einzelnen habe ich dann auch ein engeres und vertrauensvolles Verhältnis entwickelt, das bis heute anhält. Auch in Igualdad habe ich, trotz oder vielleicht auch wegen der Vereinzelung des Kurses, guten Kontakt, auch zu Internationalen studierenden aufbauen können.
Insgesamt waren alle, die ich kennen lernen durfte, sehr kontaktfreudig, offen, kommunikativ und hilfsbereit. Um letzteres konnte ich besonders in den spanischsprachigen Kursen sehr dankbar sein, da ich diese, ohne die Hilfe anderer, vermutlich nicht hätte bestehen können.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Unmittelbar vor dem Auslandsaufenthalt befand ich mich noch im Spanisch-Kurs B2.2, sodass ich bei Bestehen des Kurses die erwarteten Sprachkenntnisse hätte Vorweisen können. In der Realität zeigte sich das Sprachverständnis als sehr anspruchsvoll, da insbesondere Kurse wie Philosophie ein sehr spezifischen Vokabular voraussetzen. Mit der Zeit konnte ich mein Hörverständnis allerdings besser auf den täglichen Unterricht konditionieren. Als am schwierigsten stellte sich Igualdad de Genero heraus, da mit wechselnden Themen auch wechselnde Dozierende unterrichteten. Auch die Gastprofessoren aus lateinamerikanischen Ländern wie Chile in Politica Lationamericana stellten sprachlich eine Herausforderung dar. Die Prüfungen durfte ich dann auch auf Englisch ablegen, was enorm hilfreich war. Insgesamt konnte ich aber mein Leseverstehen und Hörverstehen verbessern, es gab viele Texte auf Spanisch zu lesen. Mündlich habe ich leider nicht die erhofften Fortschritte gemacht, vermutlich weil ich mich dann doch viel auf englisch und deutsch unterhalten habe und sich die Möglichkeit und Notwendigkeit auf spanisch zu sprechen im Zaum hielt. Einen Spanisch-Kurs zu besuchen sah ich allerdings nicht als Notwendigkeit an, und ich besuchte zudem ein paar Kurse, die auf Englisch gehalten wurden, was ebenfalls eine Erleichterung war.
Wohn- und Lebenssituation
Auch wenn im Vorfeld empfohlen wurde, sich früh um eine Wohnsituation zu kümmern, gestaltete diese sich als sehr zäh und aufwendig. Nach mehreren Absagen, und ausbleibenden Antworten über die App Idealista entschied ich mich das Budget zu erhöhen. Zeitgleich war ich noch mit zwei Hausarbeiten beschäftigt, sodass ich eine Zusage erst Wenige Tage vor Semesterstart für eine Wohnung tätigte. Diese befand sich in Malasaña, im Zentrum Madrids, war, wie bereits Geschildert, mit 8 weiteren Personen und, wie sich nach einigen nachten zeigte, kaum isoliert. Ich hatte in meinem Zimmer einen Balkon zur Straße hin, die zwar nicht den Lärm der Hauptstraße „Gran Via“ aber zumindest Geräusche der Angrenzenden Bar, sehr gut transportieren konnte. Der Boden war gefliest und die Heizung war nicht eingebaut, sondern funktionierte über ein Gerät an der Wand, das mithilfe von Strom heiße Luft produzierte. Diese eher ineffiziente Art des Heizens erhöhte entsprechend die monatlichen Nebenkosten, die zusätzlich anfielen. Der Preisanstieg war besonders in den kälteren Wintermonaten zu merken.
Der Weg zur Universität war recht passabel. Die nächste Metro-Station war Noviciado, von der Linie 2, die über den Bahnkonten Sol fährt, an der diese auch Linie 1 und 3 kreuzt, bzw. Umstieg ermöglicht. Dort befindet sich ebenfalls der Zugang zum ÖPNV-System Cercanías des Bahnunternehmen RENFE. Mit diesem gelangt man am schnellsten zum Campus der Universität, die unmittelbar an der Bahnstation Universidad Cantoblanco liegt. Ebenfalls sehr nah an der Unterkunft liegt die Station Plaza de España, an der sich die Metro Linie 10 und 3 treffen. Der schnellere Weg zur Universität verlief nämlich über diese Station, da die Linie 10 in Nuevos Ministerios, nach 4 Haltepunkten, den Umstieg in die Cercanías ermöglicht. Zwischen Nuevos Ministerios und Cantoblanco waren dann lediglich die Stationen Chamartín und Fuencarral. Der Weg zur Universität dauerte dann nur 30-40 Minuten.
Die Umgebung war mit vielen Supermärkten Ausgestattet, die benutzerfreundliche Öffnungszeiten hatten (einige von 8.30 Uhr bis 23:00 Uhr, manche auch 24h geöffnet). Die Lebenshaltungskosten waren nicht herausragend viel höher als in Deutschland, dass es sich auch sparsam leben ließe. Generell war die Gegend gekennzeichnet durch ein hohes Aufkommen an Gastronomieangeboten. Es befanden sich sehr viele Restaurants, Cafés und Bars unmittelbarer Nähe. Direkt am Plaza de España gelangt man zum Parque del Oeste und dem Aussichtspunkt am Tempo de Debot, in die andere Richtung, in gleicher Entfernung steht der Palacio Real, und die Almuten Kathedrale, zwischen denen auch ein Aussichtspunkt über den westlichen Teil der Stadt steht.
Insgesamt ist im Zentrum Madrids alles recht einfach zu erreichen. Das Metronetz ist, auch im weltweiten Vergleich, sehr gut ausgebaut, sodass der Parque Retiro und der Parque Casa de Campo nicht weit entfernt liegen. Auch die Fernbahnhöfe Chamartín und Puerta de Atocha liegen in unmittelbarer Erreichbarkeit, sodass die An- und Abreise nach und von Madrid zu keinen Problemen führten.
Ein besonders günstiges Angebot des Transporte Publico war das Monatsabo, das die Benutzung von Metro und Cercanías, für lediglich 10 Euro, für alle unter 26 Jährigen ermöglichte. Dieses war auch gültig für Busverbindungen in abgelegenere Orte, sodass Besuche nach Toledo, ins Peñalara Gebirge oder zur Talsperre San Juan ohne weitere Tickets möglich waren. Anzumerken ist, dass die Anschaffung der Tarjeta del Transporte Público durchaus unübersichtlich ist und nicht von Universitätsseiten ausgestellt wird. An der Stelle möchte ich das Büro des City-Life Madrid positiv erwähnen, da dieses bei der Terminfindung für diese Bahnkarte für aus dem Ausland eintreffende, sehr hilfreich ist.
Studienfach: Soziologie
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026
Gastuniversität: Universidad Autónoma de Madrid
Gastland:Spanien
Rückblick
Insgesamt blicke ich sehr positiv auf mein Auslandssemester zurück. Ich konnte Madrid und Umgebung sehr gut kennen lernen. Die Universität hat mir viele Inhalte näher bringen können, die auch über Soziologie und Politikwissenschaft hinausgehen, aber dennoch hervorragend anzuknüpfen sind. Auch der Austausch mit spanischen und internationalen Kommilitonen empfand ich als sehr bereichernd und wertvoll.
Ich kann Madrid als Stadt daher sehr empfehlen. Man muss sich allerdings über gewisse dinge im klaren sein. Madrid ist eine sehr weit in der höhe liegende Stadt. Es ist im Zentrum Spaniens, also wit Weg vom Meer, das ein gemäßigteres Klima schafft, wie es in Barcelona beispielsweise der Fall ist. Es gibt zwar mit dem Río Manzanares einen Fluss, der durch Madrid fließt. Insgesamt ist es aber eine sehr trockene Region, sodass der Fluss selbst auch wenig Wasser trägt. Die Folge ist, dass es im Sommer sehr heiß wird, im Winter recht kalt und die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht auch sehr hoch ist. Die Parks werden zwar gewässert, aber die Natur ist, insbesondere im Sommer nicht wirklich grün. Wenn im November mehr Niederschlag fällt, ändert sich das etwas, aber im großen und ganzen ist Madrid eine sehr trockene und wenig bewachsene/fruchtbare Gegend. Dazu ist die Bevölkerungsdichte enorm hoch, besonders das Zentrum ist eng bebaut, die Fußgängerwege sind sehr schmal und es gibt weiterhin sehr viele Autos, obwohl die Straßen schon versucht wurden, teilweise unter die Erde zu verlagern. Wer viele Gewässer, Natur und Luftfeuchtigkeit erwartet, wäre mit anderen Städten besser beraten. Kulturell, geschichtlich, architektonisch, politisch kann Madrid aber mit anderen Europäischen Hauptstädten wie Berlin und Paris mithalten. Die Gran Vía, die Cibeles, das Museo del Prado bleibt nicht hinter seinen Pendants in anderen Städten zurück. Bevor ich mein Auslandssemester angetreten bin, war ich bereits schon in Madrid gewesen. Ich konnte also abschätzen, was mich erwarten könnte. Ich bin ohne Unterbrechung in Madrid geblieben, also nicht über Weihnachten und Silvester nachhause gekommen, und kann behaupten, keinen einzigen Tag, den ich in Madrid verbraucht habe, bereut zu haben.