Zum Hauptinhalt springen

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung meines Auslandssemesters in Valladolid begann mit einer relativ spontanen Bewerbung kurz vor Ende des Bewerbungszeitraums. Ich hatte mich einige Monate zuvor schon einmal auf der Webseite der Juristischen Fakultät zum Programm Erasmus+ belesen, dabei allerdings keinen direkten Hinweis auf das zentrale Bewerbungsverfahren der Universität Potsdam gefunden und das Thema dann wieder aus den Augen verloren.

Die Seite des International Office der UP bietet umfangreiche Informationen, auf die ich zugegebenermaßen erst spät gestoßen bin. Die Verzahnung zwischen den Seiten der einzelnen Fakultäten und der Seite des International Office könnte besser gestaltet sein. Auf der Seite der Juristischen Fakultät wird zum Thema Erasmus+ eine ausführliche Präsentation des International Office zur Verfügung gestellt, die allerdings zwei Jahre alt ist und daher nicht die richtige Bewerbungsfrist enthält. Danach werden Links zu den Internetseiten sämtlicher Partneruniversitäten der Fakultät aufgelistet und erst ganz am Ende der Seite findet sich ein Link zu „Informationen der Hochschule zum Auslandsstudium mit Erasmus+“, der auf die Seite des International Office der UP weiterleitet.

Der Bewerbungsprozess selbst verlief unkompliziert über das entsprechende Portal. Besonders angenehm empfand ich, dass in dieser Phase noch keine hohen formalen Anforderungen an den Sprachnachweis gestellt wurden. Ein Foto meines Abiturzeugnisses, auf dem mein Sprachniveau im Spanischen vermerkt ist, reichte aus.

Auch die sehr schnelle und früher als erwartet erhaltene Zusage nach wenigen Wochen hat mich erfreut.

Insgesamt kann ich die Information und Betreuung durch das International Office positiv bewerten. Bei den im Verlauf des weiteren Prozesses folgenden Informationsveranstaltungen wurden alle wichtigen Punkte behandelt und alle zusätzlichen Fragen beantwortet.

Das Werben für eine Teilnahme am Erasmus+-Programm an der Juristischen Fakultät finde ich dagegen ausbaufähig. In den sieben Semestern meines Studiums vor meiner Bewerbung habe ich es nur einmal mitbekommen, dass ein Professor auf eine Infoveranstaltung zum Thema Auslandssemester aufmerksam gemacht hat.

Auch der Kontakt mit der Universidad de Valladolid (UVa) verlief unproblematisch. Man wird per E-Mail über alle wichtigen Schritte informiert und Fragen wurden schnell beantwortet. Wichtige Informationen für ausländische Studierende finden sich auf der Webseite der UVa unter https://relint.uva.es/inicio/internacional/espanol/estudiantes/erasmus-plus-ka103/.


Studienfach: Rechtswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universidad de Valladolid 

Gastland: Spanien

Studium an der Gastuniversität

Bei der Organisation des Auslandsaufenthalts in Valladolid gab es lediglich eine Schwierigkeit für diejenigen, die dort ein Semester verbringen wollen und nicht zwei. An der Universidad de Valladolid, oder zumindest an der dortigen Juristischen Fakultät, sind die allermeisten Studienfächer Jahreskurse. Für einen Aufenthalt, der nur ein Semester dauert, können diese nicht ausgewählt werden, weil die jeweilige Endprüfung erst nach zwei Semestern am Ende des Studienjahres im Sommer stattfindet. Dieser Umstand hat die Auswahlmöglichkeiten erheblich eingeschränkt und ich musste dadurch Kurse aus verschiedenen Semestern wählen, oft auch aus dem letzten der vier spanischen Studienjahre, sodass das fachliche Niveau entsprechend anspruchsvoll war. Viele Kurse, die mich inhaltlich interessiert hätten, blieben mir durch diese Studiensystem verwehrt. Es kann sich also durchaus lohnen, für zwei Semester in Valladolid zu studieren, um die volle Auswahl an Kursen zu haben. Die Übersicht mit allen Studiengängen und den entsprechenden Kursen findet sich unter https://www.uva.es/export/sites/uva/2.estudios/2.03.grados/2.02.01.oferta/ oder auf der jeweiligen Webseite der einzelnen Fakultäten, wo auch fachspezifische Informationen, etwa zu Klausurterminen, zu finden sind.

Auch darüber hinaus ist die Organisation der Vorlesungen durchaus anders als in Potsdam. Ich habe sie teilweise eher wie schulischen Frontalunterricht empfunden. Häufig wird wenig Wert auf aktive Beteiligung der Studierenden gelegt und stattdessen sehr zügig eine große Menge an Stoff diktiert oder aus dem Lehrbuch vorgelesen. In den Kursen aus dem ersten Semester gab es zum Teil sogar Hausaufgaben. Es gab aber auch Ausnahmen von dieser Struktur, etwa Vorlesungen mit deutlich mehr Möglichkeit zur Beteiligung und Kurse mit vielen selbstständig erarbeiteten Vorträgen, die mir persönlich deutlich mehr zugesagt haben. 

Sprachlich waren die Vorlesungen in der Regel für mich keine zu hohe Herausforderung, besonders denen aus den niedrigeren Semestern konnte ich gut folgen. Die Professoren waren auch jederzeit für zusätzliche Erklärungen verfügbar und haben von sich aus regelmäßig nachgefragt, ob die ausländischen Studierenden weitere Unterstützung benötigen. Die Universidad de Valladolid verlangt von ausländischen Studierenden lediglich einen Nachweis über das Sprachniveau B1, was mir für ein stark von der Sprache abhängendes Studium wie das juristische allerdings zu niedrig erscheint. Ich habe vorher einen B2-Kurs am Zessko der Universität Potsdam besucht und war damit gut vorbereitet. In der Zeit in Spanien hat sich mein Spanisch natürlich auch nochmal deutlich verbessert. Man lernt zwangsläufig im eigenen Studienfach viel fachspezifisch dazu und wird durch den Kontakt mit den Spaniern auch im alltäglichen Sprechen deutlich spontaner und flüssiger. Einen weiteren Sprachkurs vor Ort habe ich nicht besucht, weil der täglich am Nachmittag stattfindende C1-Kurs immer mit meinen Vorlesungen kollidierte.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Als zusätzliche Unterstützung bietet die UVa im Verlauf der Bewerbung auch die Teilnahme an einem Mentorenprogramm an, das ich sehr empfehlen kann. Meine Mentorin hat sich frühzeitig bei mir gemeldet und mich schon vor Beginn des Semesters an der Fakultät und in der Stadt herumgeführt.

Ich habe durch das Studium auch viele andere Spanier kennengelernt. Die meisten waren sehr offen und interessiert am Austausch mit ausländischen Studierenden, sodass es leicht viel, neue Kontakte zu knüpfen. Besonders enge Freunde habe ich durch einen Kurs (Teoría de los Derechos Humanos) gefunden, in dem wir in Gruppen mehrere Arbeiten schreiben und Vorträge halten mussten.

Andere internationale Studierende lernt man durch gemeinsame Aktivitäten und die Begrüßungsveranstaltung am ersten Tag sehr schnell kennen. Das Erasmus-Netzwerk ESN und andere Gruppen organisieren jede Woche drei Erasmus-Partys in Bars oder Clubs, zu denen der Eintritt immer kostenlos ist. ESN hat auch andere Aktivitäten, z. B. Kochabende und Wanderungen, sowie Reisen nach Santander und Valencia organisiert. Die Organisatoren von ESN sind am Begrüßungstag mit einem Stand präsent und haben an einer der Fakultäten auch ein Büro, in dem man die ESN-Card für die Teilnahme an allen Aktivitäten und für zahlreiche Vergünstigungen (Busfahrten mit ALSA, Flüge mit Ryanair etc.) erwerben kann.

Viele weitere Reisen werden von dem Anbieter Viajes Erasmus Valladolid (https://viajeserasmusvalladolid.com) günstig organisiert, etwa nach Burgos, Santander, San Sebastián, Toledo, Córdoba, Sevilla etc.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe durch die Webseite der Gastuniversität von den Wohnheimen der UVa erfahren. Durch Bewerbung am ersten Tag habe ich unkompliziert einen Platz in der Residencia Universitaria Alfonso VIII für 385 Euro pro Monat inklusive aller Nebenkosten bekommen.

Das Wohnheim würde ich aber eher nicht weiterempfehlen. Mit meinem Zimmer mit eigenem Bad war ich zwar sehr zufrieden. Mit hat allerdings sehr gestört, dass es im gesamten Wohnheim keine Küche gibt. Stattdessen gibt es auf jeder Etage im Waschraum lediglich zwei Mikrowellen, die man für das Aufwärmen von Fertiggerichten verwenden kann. Es gibt auch keinen gemeinsamen Kühlschrank, man muss sich selbst einen kleinen Kühlschrank für das Zimmer besorgen. Von Montag bis Freitag gibt es in der Cafeteria im Wohnheim Frühstück und Mittagessen von 9 bis 16 Uhr. Abends und an den Wochenenden habe ich die fehlende Küche dennoch oft als störend empfunden. Von Kommilitonen habe ich erfahren, dass es üblich ist, dass in Wohnheimen keine Küche zur Verfügung steht. Teilweise wird in anderen Wohnheimen wohl aber auch am Wochenende Essen für die Bewohner gekocht.

Alle anderen internationalen Studierenden, mit denen ich zum Thema Wohnungssuche gesprochen habe, hatten dabei keine Probleme. Der Wohnungsmarkt scheint weniger angespannt zu sein als in deutschen Studentenstädten, auch Anfang des Semesters wurden noch Zimmer für etwa 250 bis 300 Euro angeboten. Ich würde also dazu raten, nicht auf die Sicherheit eines Wohnheimplatzes zu setzen, sondern eigenständig ein Zimmer über Portale wie idealista zu suchen.

Das Leben in Valladolid habe ich sehr genossen. Gleich zu Beginn des Wintersemesters findet Anfang September immer das zehntägige Stadtfest (Feria y Fiestas de la Virgen de San Lorenzo) statt, bei dem es in der ganzen Stadt unzählige Musik- und Kulturangebote mit vielen Essensständen gibt. Auf der Plaza Mayor findet jeden Abend ein Hauptkonzert statt, teilweise auch mit internationalen Künstlern (2025 mit James Blunt). In der ganzen Stadt ist in diesen Tagen unglaublich viel los, an jeder Ecke wird Musik gespielt und getanzt und es macht großen Spaß, durch die Straßen zu ziehen und mitzumachen. Auch nach den Fiestas war den ganzen Winter über viel Leben in der Stadt. Es wird viel ausgegangen und die Bars sind im Dezember selbst draußen abends noch gut gefüllt. Dieses sehr aktive soziale und kulturelle Leben in Spanien ist ein ganz besonderes Erlebnis, das ich nur jedem empfehlen kann.

Studienfach: Rechtswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universidad de Valladolid 

Gastland: Spanien

Rückblick

Insgesamt würde ich mich also sofort wieder für ein Auslandssemester in Valladolid entscheiden.

Anderen Studierenden würde ich empfehlen:

  • sich genau zu informieren, ob die meisten Kurse ihres Studiengangs ein Semester oder ein ganzes Studienjahr dauern,
  • sich ein WG-Zimmer anstatt eines Zimmers im Wohnheim zu suchen,
  • bereits am Begrüßungstag vor Ort zu sein (Jornada de Bienvenida, Einladung kommt per E-Mail)
  • am Mentorenprogramm teilzunehmen,
  • Partys, Aktivitäten und Reisen von ESN und Viajes Erasmus.

Spanien

Spanien

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzen

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier