Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Nachdem ich bereits 2023 ein Auslandssemester in Norwegen verbracht hatte, entschied ich mich dazu im Wintersemester 2025/26 in meinem 9. Semester ein weiteres Auslandssemester zu machen. Nach Bewerbung im Januar 2025, bekam ich Ende Februar von meinem Austauschkoordinator eine Zusage für ein Semester an der Universidad de Valladolid. Nach der Nominierung an der Gastuniversität musste ich einige Bewerbungsunterlagen einreichen. Als Sprachnachweis wurde mein Abiturzeugnis akzeptiert, dass ich auf Englisch übersetzen lassen musste.
Studium an der Gastuniversität
Die Kurse, die ich an der Universidad de Valladolid belegte, waren alle auf Spanisch. Einige Erasmus-Studenten belegten aber auch nur englische Kurse. Im Wintersemester, das Anfang September startete, wurden aber an der juristischen Fakultät keine Kurse auf Englisch angeboten. Ich wählte Kurse aus den Studiengängen Rechtswissenschaften, Kriminologie und Internationale Beziehungen. Die Kurse aus dem Studiengang Internationale Beziehungen gehörten zur Wirtschaftsfakultät. In meiner Kurswahl war ich sehr frei, da ich mir keine Kurse für mein Studium in Deutschland anrechnen ließ. Bei der Kurswahl muss man allerdings beachten, nur Kurse zu wählen, die nur ein Semester dauern. Viele Kurse wurden nämlich als Jahreskurse angeboten und konnten daher bei einer Aufenthaltsdauer von nur einem Semester nicht belegt werden. Dies führte dazu, dass ich mein Learning Agreement vor dem Aufenthalt mehrfach ändern musste. Auch vor Ort änderte ich meine Kurswahl nochmal, nachdem ich die für mich interessant erscheinenden Kurse in der ersten Uniwoche probeweise besuchte. Die Änderung der Kurse war noch bis Anfang Oktober flexibel möglich. Den Kursen auf Spanisch zu folgen fand ich zunächst schwierig. Bei der Nacharbeit geholfen haben mir die Powerpoint-Präsentationen der Dozenten, die wenn vorhanden, im Campus Virtual, der digitalen Plattform der Universität, veröffentlicht wurden. Außerdem hatte ich mich für das Mentor-Programm der Universität angemeldet, was ich nur empfehlen kann. Die mir von der Universität vermittelte Mentorin beantwortete mir über das ganze Semester hinweg einige Fragen und stellte mir in einem Fach, in dem es wenige Kursmaterialen gab ihre Mitschriften aus dem letzten Semester zur Verfügung. In den Kursen gab es das ganze Semester hinweg Prüfungen, die „Prácticas“ genannt werden. Diese machten nur einen kleinen Teil der Endnote aus, ihr Bestehen war aber zum Teil notwendige Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung. Sie bestanden aus Vorträgen, Tests und schriftlichen Abgaben. Die Abschlussprüfungen fanden in meinen Kursen Ende Januar statt. Wichtig zu wissen ist, dass die Anwesenheit in den Kursen zwar meist nicht verpflichtend ist, aber zum Teil zu einem geringen Anteil in die Bewertung einfließt. Dafür wurden stichprobenartig Anwesenheitslisten herumgegeben. In den Kursen empfand ich die spanischen Studenten als recht offen, gerade in den Kursen aus dem Studiengang Internationale Beziehungen und ich wurde bei Gruppenarbeiten gut einbezogen. Die meisten sprachen allerdings nur wenig Englisch. Andere internationale Studierende gab es in meinen Kursen nicht viele, teilweise war ich auch die einzige Erasmus-Studentin im Kurs.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Zu einheimischen Studenten konnte man vor allem in den Kursen Kontakt knüpfen. Allerdings hatte ich deutlich mehr Kontakt zu anderen internationalen Studierenden, da es für mich einfacher war die Möglichkeit zu haben, hauptsächlich auf Englisch zu kommunizieren. Meine Mentorin von der Universität, mit der ich auch zusammen wohnte, ist praktischerweise Halbspanierin und Halbdeutsche. Zunächst probierten wir zwar kurz auf Spanisch zu kommunizieren, es war aber für mich doch deutlich einfacher dies auf Deutsch zu tun. Sie lud mich aber öfter zu Aktivitäten mit ihren Studienfreunden ein, die wenig Englisch konnten, wodurch ich mein Spanisch trotzdem ein wenig üben konnte. Meine Mentorin zeigte mir außerdem schöne Cafés in der Gegend, in denen man spanische Spezialitäten wie die Tortilla de Patatas oder Churros essen konnte.
Die anderen internationalen Studierenden konnte man gut bei den gerade zu Anfang häufigen von ESN, einem Verein, der sich um die Internationalen Studierenden kümmert, angebotenen Treffen kennenlernen. Es wurden z. B. Tapas-Tours, Spieleabende sowie zahlreiche Partys veranstaltet. Außerdem gab es an der Universität am Anfang des Semesters einen Welcome Day, wo ich bereits einige Leute kennenlernte, die zu meinen engsten Freunden in Valladolid wurden. Denn im Anschluss an den Welcome Day startete die „Feria y Fiesta de la Virgen de San Lorenzo“, eine Woche bei der es in Valladolid sehr viele Konzerte und Veranstaltungen mit Musik und Party in der Stadt gibt. Mit den Leuten, die ich beim Welcome Day kennengelernt habe, habe ich diese Events besucht, was uns alle sehr zusammengeschweißt hat. Außerdem ist es hilfreich den Whatsapp-Gruppen für internationale Studierende beizutreten. Über den Instagram-Account von ESN Valladolid fand ich den Link zur ESN-Whatsapp-Gruppe. Darüber hinaus gibt es auch einige weitere Whatsapp-Gruppen denen man beitreten kann, wodurch es zu Anfang schwer sein kann den Überblick zu behalten und ein Gefühl der Überforderung entstehen kann. Trotzdem würde ich dazu raten, jedenfalls der Gruppe von Viajes Erasmus beizutreten. Viajes Erasmus Valladold veranstaltet neben ESN ebenfalls einige Events. Für Partybegeisterte lohnt sich außerdem die Erasmus-Party Gruppe. Die Links zu diesen Gruppen werden zu Anfang häufig in die anderen Whatsapp-Gruppen gesendet, so dass jeder früher oder später auf diese stößt. In diesen Gruppen wurden außerdem in den ersten Wochen auch von den Erasmus-Studenten untereinander Treffpunkte vereinbart. So konnte man direkt zu Anfang viele internationale Studierende kennenlernen.
Es lohnt sich außerdem im Verlauf des Semesters an ein paar der von ESN oder Viajes Erasmus veranstalteten Reisen und Tagesausflügen teilzunehmen, um die anderen internationalen Studierenden noch besser kennenzulernen.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Mein Sprachniveau vor Beginn des Semesters war ein wenig eingerostet. Ich hatte zwar in der Schule Spanisch gelernt und auch meine mündliche Abiturprüfung im Fach Spanisch absolviert. Dies war aber zu Beginn des Semesters vier Jahre her und seitdem hatte ich mein Spanisch nicht mehr viel angewendet. Da ich im Semester vor dem Aufenthalt meine Schwerpunktprüfung im Jurastudium ablegte und kurz vorher auch noch ein Vollzeitpraktikum hatte, war es für mich auch schwer möglich viel Zeit in die Wiederholung zu stecken. Daher kam ich recht unvorbereitet in Spanien an. Nach und nach bin ich aber wieder in die Sprache reingekommen, was unweigerlich passiert, wenn man an den Kursen teilnimmt und sich auch im Alltag öfters auf Spanisch verständigen muss. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben vor Ort einen Spanischkurs an der Universität zu machen, dieser kostet aber Geld und erfordert sehr viel Anwesenheit. Da der Kurs auch nur 3 ECTS-Punkte einbrachte und ich daneben auch meine anderen Kurse für die Erreichung der notwendigen Anzahl an ECTS-Punkte schaffen musste, entschied ich mich dagegen. Trotzdem hat sich mein Spanisch durch die Zeit in Valladolid sehr verbessert. Zum Ende hin ist es mir deutlich leichter gefallen, Gespräche auf Spanisch zu führen. Auch in den Kursen habe ich eine Verbesserung zum Ende hin bemerkt.
Wohn- und Lebenssituation
Da ich vor Beginn meines Semesters in Valladolid sehr viel anderes zu tun hatte, habe ich mir erst vor Ort eine Wohnung gesucht. Für die erste Woche habe ich ein Hostel gebucht. Vor Ort hatte ich dann eigentlich den Plan über Portale wie Idealista nach Wohnungen zu schauen. Diese Plattform wurde mir von Studierenden, die bereits in Spanien Erasmus gemacht hatten, empfohlen. In die ESN-Whatsapp-Gruppe wurden außerdem ebenfalls Wohnungsangebote reingeschickt. Letztlich bot mir aber meine Mentorin von der Universität, mit der ich vor Ort per Mail Kontakt aufnahm, an, zu ihr in die Wohnung zu ziehen, da in ihrer WG noch ein Zimmer frei war. Sie organisierte mir schnell einen Termin mit dem Vermieter zur Wohnungsbesichtigung. Einen Tag nach dieser konnte ich bereits den Mietvertrag unterschreiben und einziehen, sodass ich meinen Aufenthalt im Hostel nicht verlängern musste. In der WG wohnte neben meiner Mentorin noch eine Spanierin, mit der ich mich gut auf Englisch verständigen konnte. Die Miete war zum Glück auch nicht besonders hoch und betrug monatlich 280 Euro.
Fortbewegt habe ich mich in Valladolid hauptsächlich zu Fuß. Ich habe ca. 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt gewohnt und konnte die Jurafakultät in knapp 20 Minuten und die Wirtschaftsfakultät in 10 Minuten zu Fuß erreichen. Auch die meisten meiner Freunde haben im Umkreis von 10 Minuten von mir gewohnt, was sehr praktisch für spontane Verabredungen war.
Für Lebensmittel und Drogerieprodukte war ich am liebsten im Supermarkt Mercadona, der sowohl eine gute Auswahl als auch vergleichsweise gute Preise hatte. Aber auch Lupa eignet sich gut als Stammsupermarkt.
Freizeitangebote gibt es in Valladolid auch einige: Die Universität hat ein großes Angebot an Sportkursen. Ich besuchte beispielsweise einen Salsa und Bachata-Kurs. Außerdem bieten ESN und Viajes Erasmus eine Vielzahl an Aktivitäten und Reisen an, an denen ich die Teilnahme sehr weiterempfehlen kann. Beispielsweise nahm ich an den Tagesausflügen nach San Sebastián und Santander teil und fuhr außerdem für ein Wochenende nach Sevilla und Córdoba. Ein besonderes Highlight war auch die Reise nach Marokko, die von Viajes Erasmus angeboten wurde.
Aber auch die Zeit in Valladolid hatte neben dem Reisen einiges zu bieten. Von Mittwoch bis Freitag wurden regelmäßig Erasmus-Partys organisiert, deren Besuch sich stets gelohnt hat. Außerdem gibt es in Valladolid sehr viele schöne Cafés. Empfehlen kann ich insbesondere die Frühstücksangebote, die oft bis ca. 13 Uhr in den Cafés angeboten werden.
Ein weiterer Vorteil von Valladolid ist die Nähe zu Madrid. Je nach Zugverbindung dauert die Fahrt entweder eine oder drei Stunden. Außerdem fahren auch Busse in drei Stunden nach Madrid.
Studienfach: Rechtswissenschaft
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Universidad de Valladolid
Gastland: Spanien
Rückblick
Für die Zeit, die ich in Spanien verbracht habe, bin ich sehr dankbar. In einem Semester so eine Vielzahl an Erfahrungen machen zu dürfen und so viele tolle Leute aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen, war super bereichernd für mich.
Die ersten Wochen war ich allerdings sehr überfordert mit dem Leben in Valladolid. Während ich Anschluss in der neuen Stadt finden wollte, mussten gleichzeitig viele Dinge noch organisiert werden. Das Knüpfen von ersten Freundschaften mit der Wohnungssuche, der Organisation der Kurswahl und dem Einfinden in die Sprache zu balancieren, führte bei mir zu einem Gefühl der Überwältigung. Allerdings legte sich dies mit der Zeit immer mehr. Denn viele der anderen internationalen Studierenden, die ich kennenlernte, beschäftigten ähnliche Probleme und so habe ich mich deutlich weniger alleine gefühlt. Für mich war überraschend, dass es mir deutlich schwerer fiel als gedacht, sich zu Anfang zurechtzufinden, da ich bereits zuvor ein Auslandssemester gemacht hatte. Aber die recht lockere Einstellung bezüglich organisatorischer Angelegenheiten in Spanien war für mich zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die damit einhergehende höhere Flexibilität habe ich mit der Zeit aber auch zu schätzen gelernt.
Alles in allem hatte ich dann aber eine super schöne Zeit in Valladolid und habe Freundschaften gefunden, die hoffentlich auch in Zukunft bestehen bleiben. Am wichtigsten finde ich es, nicht nach kurzer Zeit den Mut zu verlieren, sondern in den ersten Wochen möglichst offen zu sein und sich selber nicht zu viel Druck zu machen.