Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Von Seiten der Universität Potsdam war das Erasmus+-Programm hervorragend organisiert. Es gab zahlreiche Informationsveranstaltungen, in denen alle interessierten Studierenden umfassend gebrieft wurden und sämtliche wichtigen Hinweise erhielten. Bei Fragen war das International Office stets schnell, zuverlässig und zielgerichtet in seinen Antworten. Auch der begleitende Moodle-Kurs stellte eine große Hilfe dar und bot eine gute Orientierung während der Vorbereitungsphase.
Etwas anders gestaltete sich die Kommunikation mit der Marmara Universität – zumindest vor der Ankunft in Istanbul. Hier sollte man damit rechnen, E-Mails häufiger erneut versenden zu müssen und nicht immer sofort eine Antwort zu erhalten. Hartnäckiges, aber freundliches Nachfragen zahlt sich jedoch aus, und letztlich verlief auch das Bewerbungsprozedere reibungslos. Die zuständigen Ansprechpartner:innen der Marmara Universität sind ausgesprochen hilfsbereit und herzlich – man braucht lediglich etwas Geduld. Nach der Ankunft in Istanbul funktioniert die Betreuung durch das Erasmus Office der Universität dann sehr zuverlässig und engagiert.
Für die Bewerbung an der Marmara Universität werden neben dem unterschriebenen Online Learning Agreement (OLA) ein aktuelles Transcript of Records, ein ausgefülltes Application Form (zu finden auf der Website der Gastuniversität), ein Passfoto sowie eine Kopie des Reisepasses benötigt.
Studium an der Gastuniversität
Wer ein Auslandssemester an der Marmara Universität absolviert, sollte sich darauf einstellen, dass der Studienalltag etwas weniger strukturiert abläuft als an deutschen Universitäten – so zumindest meine persönliche Erfahrung sowie die Rückmeldungen anderer Studierender. Nur selten erhielt ich einen ausführlichen Syllabus oder konkrete Texte zur Vorbereitung, und auch Unterrichtszeiten konnten sich gelegentlich kurzfristig ändern. Für mich persönlich stellte das kein Problem dar, dennoch ist es hilfreich, sich mental auf diese Flexibilität einzustellen.
Möglicherweise hing es mit meiner Kurswahl zusammen, aber insgesamt hatte ich vergleichsweise viel zu tun – vor allem in Form von Abgaben, Präsentationen, Essays und Hausarbeiten. Der Workload war absolut machbar, aber im Vergleich zu anderen Erasmus-Studierenden durchaus etwas höher. Zusätzlich gibt es Midterms (40 % der Gesamtnote) sowie Final Exams (60 %), die von allen Studierenden geschrieben werden. Da die Prüfungen zeitgleich stattfinden, entsteht eine motivierende Lernatmosphäre – häufig trifft man sich gemeinsam in Cafés zum Lernen.
Die Leistungsbewertung empfand ich als fair, und ich war mit meinen Ergebnissen sehr zufrieden. Besonders angenehm war das Studienklima: Viele meiner Kurse bestanden nur aus 4–10 Studierenden, wodurch eine persönliche und entspannte Lernatmosphäre entstand. Auch die Dozierenden waren durchweg freundlich, unterstützend und verständnisvoll – sicherlich spielt hier auch der „Erasmus-Bonus“ eine gewisse Rolle.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Der Kontakt zu einheimischen Studierenden ergab sich bei mir vor allem durch zufällige Begegnungen zu Beginn des Semesters, aus denen sich nach und nach feste Freundschaften entwickelten. Auch mein Mitbewohner, der selbst Türke ist und seit vielen Jahren in Istanbul lebt, trug wesentlich dazu bei, dass ich schnell Anschluss fand und die Stadt aus einer lokalen Perspektive kennenlernen konnte.
Der Austausch mit internationalen Studierenden lief vor allem über Veranstaltungen des Erasmus Student Network (ESN). Das ESN-Team der Marmara Universität organisiert über das gesamte Semester hinweg zahlreiche Events. Ich selbst habe vor allem zu Beginn an einigen Veranstaltungen teilgenommen, aber man kann sich jederzeit anschließen, wenn etwas Interessantes angeboten wird. Dazu gehören unter anderem Reisen nach Ankara, nach Kappadokien oder sogar Skiausflüge – meist sehr budgetfreundlich.
Besonders hilfreich ist das Buddy-Programm: Jede*r Erasmus-Studierende bekommt eine Ansprechperson zugeteilt. Mein Buddy war gerade zu Beginn des Semesters eine große Unterstützung, zum Beispiel bei der Kurswahl oder beim Finden von Unterrichtsräumen.
Wohn- und Lebenssituation
Meine Unterkunft habe ich etwa zwei Monate vor der Anreise über Airbnb gefunden. Für mich war das die entspannteste Lösung, da ich nicht erst vor Ort auf Wohnungssuche gehen wollte. Vor meiner Ankunft führte ich zwei Videotelefonate mit meiner Vermieterin, die direkt über mir wohnte. Ich zahlte 430 € für ein Zimmer in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon, die ich mir mit ihrem Bruder teilte. Angesichts der Lage – mitten in Kadıköy (Rasimpasa) – und der Ausstattung war das ein sehr fairer Preis.
Die meisten anderen Erasmus-Studierenden fanden ihre Unterkunft erst nach der Ankunft über Erasmus-WhatsApp-Gruppen. Wer über Airbnb mietet, sollte unbedingt vorab klären, ob eine Anmeldung der Adresse möglich ist. Für die Beantragung des Residence Permits müssen Wohnortnachweise sowie Strom- oder Gasrechnungen eingereicht werden. In meinem Fall war das kein Problem, da meine Vermieterin privat vermietete und mir alle benötigten Dokumente zur Verfügung stellte.
Der öffentliche Nahverkehr in Istanbul ist hervorragend ausgebaut. Natürlich merkt man im Alltag, dass hier rund 20 Millionen Menschen leben – besonders in den Stoßzeiten. Dennoch funktioniert der ÖPNV erstaunlich effizient. Von Kadıköy aus fahren Busse in sehr kurzen Abständen zur Universität. Auf die europäische Seite gelangt man entweder mit der Fähre oder mit der Marmaray, einer Schnellbahnverbindung unter dem Bosporus. Zusätzlich gibt es den Metrobus, der rund um die Uhr auf eigenen Fahrspuren verkehrt und große Teile der Stadt schnell miteinander verbindet. Ergänzt wird das System durch Dolmuş (Sammeltaxis) und reguläre Taxis.
Die Istanbulkart erhalten Erasmus-Studierende nach der Immatrikulation an Verkaufsstellen. Man kann ein Monatsabonnement mit 200 Fahrten aufladen, das je nach Verkaufsstelle etwa 300–500 TL kostet.
Praktisch ist außerdem eine Karte von Revolut oder der DKB. Mit diesen Karten kann man unkompliziert Geld abheben und nahezu überall bargeldlos bezahlen. Tatsächlich wird in Istanbul deutlich häufiger mit Karte gezahlt als in Deutschland – selbst kleine Kioske akzeptieren Kartenzahlung.
Über die deutsche Krankenversicherung ist man nur eingeschränkt abgesichert. Es empfiehlt sich daher dringend, vorab eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abzuschließen.
Früher galt Istanbul als sehr günstige Stadt, doch das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Durch hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten sind insbesondere Lebensmittel, Mieten und Restaurantpreise deutlich gestiegen. Zwar ist das Leben für viele Erasmus-Studierende mit europäischem Einkommen weiterhin bezahlbar, doch man sollte nicht mehr mit „Schnäppchenpreisen“ rechnen. Ein realistisches monatliches Budget ist daher wichtig, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Studienfach: Verwaltungswissenschaften
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Marmara Universität Istanbul
Gastland: Türkei
Rückblick
Ich bin sehr dankbar, mein Auslandssemester in Istanbul verbracht haben zu dürfen. Allen, die überlegen, dort ein Semester zu studieren, kann ich diese Erfahrung nur wärmstens empfehlen. Die Stadt ist atemberaubend schön, voller Geschichte und Kontraste, und es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Die Menschen sind offen, herzlich und hilfsbereit. Und das Essen ist schlichtweg fantastisch – auch wenn bei mir irgendwann ein gewisser Sättigungseffekt eingesetzt hat.
Vor allem aber habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt und persönlich viel aus dieser Zeit mitgenommen. Ein Auslandssemester ist immer auch eine Reise zu sich selbst.