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SFI.UP – Neues Institut bündelt Forschung im Steuer- und Finanzrecht und positioniert sich zu globalen Herausforderungen

Die Expertise und Forschung zum Steuer- und Finanzrecht an der Universität Potsdam hat ein neues Zuhause: Im Januar 2026 wurde das neue Steuer- und Finanzrechtliche Institut (SFI.UP) offiziell gegründet. Die Einrichtung wird die bestehenden Forschungsaktivitäten enger vernetzen und zugleich stärker in die Öffentlichkeit tragen: vom Kommunalabgaben-, Haushalts- und Finanzverfassungsrecht über das Einkommen-, Bilanz- und Unternehmenssteuerrecht bis hin zum europäischen und internationalen Steuerrecht sowie zu aktuellen Instrumenten wie Carbon Border Adjustment Mechanisms.

Die Gründung des Instituts erfolgte vor dem Hintergrund tiefgreifender globaler Umbrüche. Klimawandel, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen neue Chancen, bergen jedoch erhebliche Risiken. Zugleich gerät die regelbasierte internationale Ordnung zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auch auf das Steuer- und Finanzrecht aus. Während sich die Steuerrechtswissenschaft über Jahrzehnte intensiv mit dem Abbau von Diskriminierungen im grenzüberschreitenden Kontext befasst hat, werden Steuern heute zunehmend als gezieltes Instrument politischer und wirtschaftlicher Macht eingesetzt – bis hin zur Wiederbelebung von Zöllen als Mittel der Einflussnahme.

Das SFI.UP verfolgt einerseits eine sorgfältige Durchdringung der rechtlichen Strukturen und Feinheiten. Andererseits stellt sich das Institut bewusst neuen Fragestellungen, die sich aus der digitalen Transformation, dem wirtschaftlichen Wandel und den veränderten globalen Rahmenbedingungen ergeben. Das SFIUP arbeitet interdisziplinär sowie europäisch und international ausgerichtet und begreift Recht ausdrücklich als gestaltbar. Mit seiner Arbeit will das neue Institut einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Analyse, Weiterentwicklung und öffentlichen Diskussion eines Rechtsgebiets leisten, das für das Gemeinwesen von zentraler Bedeutung ist.

Die Gründungsveranstaltung am 22. Januar auf dem Campus Griebnitzsee wurde von Prof. Dr. Roland Ismer, einem der Direktoren des Instituts, eröffnet. Grußworte aus Politik und Wissenschaft sprachen der Minister für Justiz und Digitalisierung des Landes Brandenburg, Dr. Benjamin Grimm, der Präsident der Universität, Prof. Oliver Günther, Ph.D., sowie der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Andreas Zimmermann LL.M. Prof. Dr. Carsten Meinert, ein weiterer Direktor des Instituts, unterstrich den besonderen Stellenwert des Steuerrechts in der Juristischen Fakultät, der nicht zuletzt in den beiden steuerrechtlichen Masterstudiengänge zum Ausdruck kommt.

Danach widmeten sich hochkarätige Referenten der Frage: „Was soll Steuerrechtswissenschaft leisten?“ Die Beiträge eröffneten umfassende und facettenreiche Perspektiven auf das Selbstverständnis und die künftigen Aufgaben des Fachs und setzten wichtige Impulse für die weitere Arbeit des neu gegründeten Instituts. Die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshofs (EuGH), Prof. Dr. Dres. h.c. Juliane Kokott S.J.D., betonte: „Es gehört zur Aufgabe der Steuerrechtswissenschaft, wichtige Diskurse anzustoßen und zur Vorhersehbarkeit des Rechts und damit zur Rechtssicherheit beizutragen.“ So könne die Rechtswissenschaft insbesondere die Auslegung der Grundfreiheiten durch den EuGH zugunsten einer effektiven Missbrauchsbekämpfung kritisch begleiten und eine Fortentwicklung anregen. Dr. Rolf Bösinger, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, lobte die starke Vernetzung der Steuerrechtswissenschaften mit der Finanzverwaltung sowie der Steuerpolitik. Er verwies in diesem Zusammenhang auf bereits laufende erfolgreiche Projekte des Ministeriums wie das Netzwerk empirische Steuerforschung (NeSt). Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Schön, Direktor des Max-Planck-Instituts für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München, unterstrich die Freiheit der Wissenschaften und betonte zugleich ihre Verpflichtung zur Transparenz und Ergebnisoffenheit. Gerade in der Ergebnisoffenheit liege das zentrale Unterscheidungsmerkmal von Wissenschaft einerseits und Meinungsäußerungen andererseits. Ass. Prof. Dr. Alice Pirlot vom Geneva Graduate Institute schließlich nahm eine internationale Perspektive ein. Sie forderte insbesondere einen stärkeren Dialog der internationalen Steuerrechtswissenschaft mit der Völkerrechtswissenschaft.

Im Anschluss an die Vorträge folgte eine Diskussionsrunde zu den Vorträgen, an der neben den Referenten auch der Präsident des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Thomas Stapperfend, teilnahm. Prof. Dr. Thorsten Ingo Schmidt, ebenfalls Direktor des SFI.UP, ließ im Schlusswort die Veranstaltung Revue passieren und zeigte weitere Perspektiven für das Institut auf. Der anschließende Empfang bot den Besuchern der Gründungsveranstaltung, zu den neben Persönlichkeiten aus Justiz, Verwaltung, Wirtschaft und Anwaltschaft auch zahlreiche Professoren, Mitarbeiter und Studierende gehörten, einen Rahmen für fachlichen und persönlichen Austausch.

Weitere Informationen: https://www.uni-potsdam.de/de/sfiup/