Skip to main content

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da es in meinem Studiengang die Möglichkeit gibt, im fünften Semester entweder einen Auslandsaufenthalt oder ein Praktikum zu absolvieren, stand für mich früh fest, dass ich diese Chance unbedingt nutzen möchte. Ich entschied mich daher für das Erasmus+-Programm und bewarb mich über die Universität Potsdam für einen Platz an der Universität Antwerpen. Belgien und Antwerpen hatte ich bereits ein Jahr zuvor besucht und war begeistert von der Stadt und dem Land. Meiner Meinung nach wird Belgien häufig nicht gesehen und unterschätzt. Dabei hat das Land sehr viel zu bieten.

Nach meiner Zusage aus Potsdam musste ich verschiedene Unterlagen im Mobility One Portal der Universität Antwerpen einreichen. Die Frist hierfür lag Mitte Mai und erst wenn alle Unterlagen fristgerecht eingereicht wurden, gilt man als angenommen. Über das Portal wurden zudem auch alle weiteren Bewerbungsschritte koordiniert.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 09/2025 – 01/2026

Gastuniversität: Universität Antwerpen

Gastland: Belgien

Studium an der Gastuniversität

Die Universität Antwerpen verfügt über mehrere Campusstandorte, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Die sozialwissenschaftliche Fakultät ist am Stadscampus angesiedelt, der sich im Herzen der Universiteitsbuurt (Universitätsviertel) befindet. Der Campus ist aus meiner Sicht auch der Schönste: Das Gebäude erinnert an ein englisches College, wie man es aus Filmen kennt. Ich konnte oft selbst kaum glauben, an einem solchen Ort studieren zu dürfen. Der Campus wurde saniert und beherbergt auch die zentrale Bibliothek. Diese ist während des gesamten Semesters gut besucht. Um Überfüllung zu vermeiden, arbeitet die Universität mit einem Buchungssystem namens Take a Seat, über das man mit seinen regulären Universitätsdaten Plätze reservieren kann (auch Gruppenräume). Besonders in der Klausurenphase ist das System empfehlenswert, da die Bibliothek dann ziemlich voll ist. Ohne Reservierung kann es vorkommen, dass man während des Lernens von seinem Platz verscheucht wird.

Das Semester in Belgien ist kürzer als in Deutschland, weshalb die Vorlesungen länger sind. Die Vorlesungen dauern in der Regel drei Stunden. Sie finden meist in Präsenz statt und die Professoren laden ihre Folien anschließend auf dem Portal Blackboard hoch. Nur sehr selten werden Vorlesungen auch aufgezeichnet. Zusätzlich müssen während des Semesters zahlreiche Assignments abgegeben werden, die von kürzeren schriftlichen Arbeiten bis hin zu Präsentationen reichen. Teilweise fließen diese Leistungen in die Endnote ein, aber in manchen Kursen ist das Bestehen der Assignments Voraussetzung, um überhaupt zur Klausur zugelassen zu werden. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass sowohl der Arbeitsaufwand als auch das Anspruchsniveau höher waren als in Potsdam. Das Bewertungssystem in Belgien reicht von 0 bis 20 Punkten, wobei man ab 10 Punkten besteht.

Die Lehrveranstaltungen umfassen in der Regel entweder 3 oder 6 ECTS-Punkte. Da mein Auslandsaufenthalt Teil meines Studiums war, hatte ich bei der Kurswahl vergleichsweise viel Freiheit. Es bestand auch die Möglichkeit für mich, Kurse der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zu belegen. Rückblickend bin sehr froh, mich dagegen entschieden zu haben. Die wirtschaftswissenschaftlichen Kurse waren fachlich sehr anspruchsvoll und klar für Studierende geeignet, die Wirtschaft als Hauptfach studieren. Mit meinen Vorkenntnissen hätte ich nicht mithalten können. Gleiches galt auch für Wirtschaftsstudierende, die Kurse an unserer Fakultät belegten. Daher würde ich (sofern es keine spezifischen Vorgaben gibt) empfehlen, bei der eigenen Studienrichtung zu bleiben. Sonst kann es schnell schief laufen. Ich belegte fünf Kurse mit jeweils 6 ECTS im politikwissenschaftlichen Bereich. Für internationale Austauschstudierende schreibt die Universität eine Mindestbelegung von 21 ECTS vor. Inhaltlich sehr spannend fand ich den Fokus meiner Kurse auf die EU, ihre Institutionen und europäisches Recht. Ich lernte daher sehr viel über die EU und ihre politischen Abläufe, was ich in meinem bisherigen Studium in Potsdam eher weniger der Fall war.

Die Klausurenphase findet den gesamten Januar statt. Das bedeutet, dass man sich auf eher unentspannte Weihnachtsferien einstellen muss. Pro Semester gibt es nur einen Prüfungstermin. Erasmus-Studierende, die nur ein Semester vor Ort sind, müssen diesen einen Klausurtermin im Januar daher unbedingt wahrnehmen. Dies führt dazu, dass viele Klausuren in einem sehr kurzen Zeitraum geschrieben werden müssen. In meinem Fall bedeutet das fünf Klausuren mit einer Länge von drei Stunden innerhalb von anderthalb Wochen. Klausuren können dabei auf Englisch und Niederländisch geschrieben werden. Da jedoch alle Erasmus-Studierende im gleichen Boot sitzen, hat es mir während der Klausurenphase sehr geholfen, mich regelmäßig mit anderen zum Lernen zu treffen. Das gab mir eine feste Struktur im Alltag. Und mit einer guten Organisation sind die Prüfungen gut zu bewältigen. Zumal man sich durch die Assignments während des Semesters bereits einen Überblick über die Kursthemen verschafft hat und nicht bei null beginnt.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Im Studentenwohnheim hatte ich vereinzelt Kontakt zu belgischen Studierenden, und auch in den Vorlesungen ergaben sich gelegentlich Gespräche. Das passierte vor allem, wenn gemeinsam an Assignments gearbeitet werden musste. Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass der Austausch mit Belgiern eher begrenzt blieb. Dies lag vielleicht unter anderem auch daran, dass belgische Studierende am Wochenende immer in ihre Heimatorte zurückfuhren. Dadurch ähnelte das Univiertel am Wochenende teilweise einer Geisterstadt. Dafür waren die internationalen und Erasmus-Studierende untereinander gut vernetzt. In meinem Jahr befanden sich insgesamt 400 Austauschstudierende an der Universität Antwerpen, verteilt auf unterschiedlichste Studiengänge und aus vielen verschiedenen Teilen der Welt. Es handelt sich dabei nicht nur um Leute aus dem Erasmus-Programm, sondern um Studierende aus ganz unterschiedlichen Austauschprogrammen. Viele kamen auch aus Deutschland. Ich würde behaupten, dass die Deutschen nach den Italienern die zweitgrößte Gruppe waren. Dennoch muss ich sagen, dass ich wenig Zeit mit anderen deutschen Studierenden verbracht habe. Die deutsche Community war untereinander nicht besonders stark vernetzt. Zwar kannte man sich, enge Freundschaften entstanden für mich jedoch mit Studierenden aus anderen Ländern. Zudem empfand ich es auch immer als sehr schade, wenn einige Studierende ausschließlich innerhalb ihrer nationalen Gruppen blieben.

Das ESN (Erasmus Student Network) organisierte das ganze Semester über Veranstaltungen – vom International Dinner bis hin zu Partys, etwa zu Halloween oder zum Semesteranfang. Gerade zu Beginn des Semesters waren diese Events besonders gut, um neue Kontakte zu knüpfen. Im Verlauf des Semesters nahm die Anzahl der Veranstaltungen ab, weshalb es sich empfiehlt, gerade am Anfang möglichst oft hinzugehen. Darüber hinaus bietet die Universität selbst viele Möglichkeiten, um die Studierenden zu vernetzen. So gibt es beispielsweise STAN, eine studentische Initiative, sowie zahlreiche universitäre Veranstaltungen zu Semesterbeginn wie Student on Stage, StuDay oder die International Night. Ich hatte den Eindruck, dass die Universität Antwerpen deutlich studierendenfreundlicher organisiert ist als Potsdam. Es gibt wesentlich mehr Angebote, um den Austausch zwischen den Studierenden zu fördern.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Im flämischen Teil von Belgien, wo Antwerpen liegt, wird Niederländisch gesprochen. Zu Beginn des Semesters bietet die Universität einen mehrtägigen Niederländisch-Sprachkurs „Survival on Arrival“ an. Da ich selbst den Kurs nicht besucht habe, kann ich nicht sagen, wie effektiv dieser ist. Er eignet sich jedoch in jedem Fall gut, um bereits vor Semesterbeginn erste Kontakte zu knüpfen.

In Belgien sprechen die meisten Menschen sehr gutes Englisch, weshalb Englisch meine Hauptkommunikationssprache war. An der Universität werden zahlreiche englischsprachige Lehrveranstaltungen angeboten, die dementsprechend von vielen Erasmus-Studierenden besucht werden. Zu Beginn meines Auslandssemesters empfand ich mein Englisch eher als so naja und unsicher. Die Sprachbarriere war zunächst meine größte Sorge. Im Laufe der Zeit verbesserte sich mein Englisch deutlich, da ich im Alltag und im Studium nahezu ausschließlich Englisch sprach. Insbesondere die englischsprachigen Vorlesungen halfen dabei. Gleichzeitig muss ich sagen, dass das Englischniveau unter den internationalen Studierenden sehr hoch ist. Dies liegt unter anderem daran, dass viele aus englischsprachigen Ländern kommen, in ihren Heimatländern bereits auf Englisch studieren oder zuvor Auslandserfahrungen gesammelt haben. Aber lasst euch davon bitte nicht abschrecken! Mit der Zeit gewöhnt man sich an das Englisch, die eigenen Sprachkenntnisse verbessern sich und niemand im Alltag schaut auf eure Fehler!

Wohn-  und Lebenssituation

Nachdem die Bewerbung im Mobility One Portal akzeptiert wurde, erhält man eine E-Mail vom International Student Housing mit Informationen zur Wohnungssuche sowie der Möglichkeit, sich für eines der Studentenwohnheime der Universität zu bewerben. In Belgien leben Studierende üblicherweise in einem sogenannten kot. Dabei handelt es sich um ein einzelnes Zimmer in einem Studentenwohnheim. Die Universität verfügt über Wohnheime. Das sind aber nicht komplett ihre eigenen, sondern die Uni arbeitet mit verschiedenen privaten Vermietern in der Stadt zusammen. Die Wohnheime werden zwar von den jeweiligen Vermietern verwaltet, Organisation und Vergabe der Zimmer erfolgen jedoch über die Universität.

Ich würde es jedem empfehlen, sich auf einen Platz im Universitätswohnheim zu bewerben. Die Mieten sind im Vergleich zum freien Wohnungsmarkt deutlich günstiger, die Organisation über die Universität ist unkompliziert und bei Problemen hat man immer die Universität als Ansprechpartner. Das Problem ist, dass sich jedes Jahr viel mehr Leute auf die Plätze bewerben als eigentlich vorhanden sind. Die Vergabe der Wohnheimplätze erfolgt jedoch nicht nach dem Prinzip „first come, first serve“. Stattdessen stellt die Universität eine Auswahl von Studierenden unterschiedlicher Nationalitäten, Studiengänge und Geschlechter zusammen. Es kommt daher fast kaum vor, dass mehr als zwei Erasmus-Studierende derselben Nationalität im selben Wohnheim wohnen. Ich denke, dass die Universität auf diese Weise vermeiden möchte, dass Grüppchen in den Wohnheimen entstehen und für eine Durchmischung in ihren eigenen Wohnheimen sorgt. Das bedeutet allerdings auch, dass man im Vorhinein überhaupt nicht absehen kann, wie die Chancen für einen Platz stehen.  

Auch ich bewarb mich für einen Platz in einem Universitätsstudentenwohnheim und erhielt jedoch Ende Juni eine Absage. Daraufhin begann ich auf dem freien Wohnungsmarkt zu suchen. Besonders hilfreich ist hierfür die Plattform kotweb. Die Seite ist zwar etwas unübersichtlich, wird jedoch von der Universität und der Stadt Antwerpen unterstützt, um Betrug vorzubeugen. Alle dort inserierten Wohnungen mit einem grünen Häkchen sind überprüft und existieren tatsächlich. Zudem gibt es im Universitätsviertel auch private Studentenwohnheime, die man anschreiben kann. Leider sind diese jedoch um einiges teurer. Ein großes Problem ist zudem, dass viele Vermieter ungern Mietverträge für nur ein Semester abschließen und stattdessen ein ganzes Jahr bevorzugen. Für Erasmus-Studierende, die nur ein Semester in Antwerpen verbringen ist die Wohnungssuche daher häufig schwieriger und teurer.

Zusätzlich verschickt die Universität nach einer Ablehnung eine Liste mit alternativen Wohnungsangeboten, beispielsweise von belgischen Studierenden, die selbst ins Ausland gehen und ihre Zimmer untervermieten. Da die Liste jedoch an alle abgelehnten Bewerber und Bewerberinnen versendet wird, sind die Angebote meist sehr schnell vergeben.

Etwa eine Woche nach meiner Ablehnung schrieb ich erneut eine E-Mail an das International Student Housing. Dabei erkundigte ich mich nach weiteren Tipps und fragte vorsichtig, ob sich eventuell doch noch ein Platz in einem Universitätswohnheim ergeben habe. Tatsächlich erhielt ich nur fünf Minuten später ein Wohnungsangebot in einem der Wohnheime. So wohnte ich schließlich für 370€ in der Unterkunft von Kot Merckx in der Lange Winkelstraat. Das Zimmer selbst war zwar sehr klein und Bad sowie Küche wurden mit 20 weiteren Studierenden geteilt, dafür war es in einer super Lage und es war hygienisch und sauber (einmal die Woche kam eine Putzkolonne). Durch das Wohnen im Studentenwohnheim fand ich sehr schnell Anschluss zu anderen Erasmus-Studierenden und meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner wurden im Laufe des Semesters zu meinen engsten Bezugspersonen. Es war schön, sich jeden Tag in der Küche zu treffen und gemeinsam zu kochen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt aßen wir jeden Tag nur noch zusammen. Dieses Zusammenleben im kot hat mein ganzes Auslandssemester sehr positiv geprägt.

Ein weiterer Vorteil war die Lage: Ich wohnte direkt zwischen der Universität und dem Ossenmarkt. Die Uni war unser direkter Nachbar, sodass ich sogar zwischen den Vorlesungen kurz nach Hause gehen konnte. Beim Ossenmarkt handelt es sich um das Herzstück des Univiertels. Es ist ein Platz mit vielen Bars, Cafés, Pommesläden und einem kleinen Supermarkt. Lebensmittel und grundsätzlich alle Lebensunterhaltungskosten sind in Belgien sehr teuer. Dafür bietet die Uni jedoch ein günstiges Sportprogramm an. Zum Preis von 15€ kann man ein Jahr lang verschiedene Sportarten ausprobieren. Ich habe das oft mit meinen Mitbewohnern genutzt und dabei auch viele andere Erasmus-Studierende getroffen.

Rückblickend hatte ich bei der Wohnungssuche einfach unfassbares Glück und das war das Beste, was mir passieren konnte. Die Wohnsituation hat einen enormen Einfluss auf euer Erasmussemester und ich habe von anderen Studierenden wirklich viele Horrorgeschichten gehört. Mein wichtigster Tipp lautet daher: Wenn ihr zunächst abgelehnt werdet, schreibt dem International Student Housing nach ein paar Tagen noch einmal. Wohnungsangebote der Universität müssen innerhalb von fünf Tagen angenommen werden, sonst verfallen sie, und es kann immer mal jemand abspringen. Und auch generell lohnt es sich, mit dem International Student Housing in Kontakt zu bleiben. Sie sind wirklich sehr bemüht, jeden internationalen Studierenden unterzubringen.

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 09/2025 – 01/2026

Gastuniversität: Universität Antwerpen

Gastland: Belgien

Rückblick

Mein Erasmus-Auslandssemester in Antwerpen hat mir wirklich unglaublich gut gefallen. Die Stadt hat aus meiner Sicht für einen Erasmusaufenthalt die perfekte Größe: Sie ist nicht riesig (wie z.B. Berlin), aber auch nicht zu klein. Man findet sich schnell zurecht und lebt ein richtiges Studentenleben im Univiertel. Wenn man trotzdem Lust hat, rauszukommen, liegt Antwerpen zentral in Europa, um in andere Städte zu reisen. Belgien selbst hat mit Städten wie Gent und Brügge viel zu bieten, die sich perfekt für Tagesauflüge eignen. Aber auch Brüssel, Amsterdam und Paris sind nicht weit. Mein Erasmus war eine tolle Erfahrung und ich vermisse das Leben im Studentenwohnheim, die Nähe zur Uni und vor allem die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Traut euch dieses Auslandssemester zu machen!


Belgien

Belgien

Zurück zur Länderseite

Studying abroad

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Financial Aid

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier