Skip to main content

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung meines Auslandssemesters verlief insgesamt gut strukturiert, erforderte jedoch ein hohes Maß an Eigenorganisation und frühzeitiger Planung. Nachdem ich mich für ein Semester an der Universität Gent entschieden hatte, begann ich zeitnah mit den notwendigen organisatorischen Schritten.

Durch die sehr früh gesetzten Deadlines der Universität Potsdam hatte ich im weiteren Verlauf ausreichend Zeit, um alle notwendigen Unterlagen für die Universität Gent sorgfältig zusammenzutragen. Das erwies sich als großer Vorteil, da die Bewerbung an der UGent mehrere Dokumente und formale Schritte umfasst. Für Rückfragen oder bei organisatorischen Komplikationen stand mir das Potsdamer International Office jederzeit sehr freundlich und unterstützend zur Seite. Auch die Universität Gent bietet gute Unterstützung, insbesondere über ihre sehr ausführlichen Notion-Seiten mit zahlreichen weiterführenden Links. Diese Webseiten sind zwar äußerst hilfreich und informativ, wirken jedoch anfangs etwas überwältigend, da sie sehr viele Informationen zum Studium, zur angespannten Wohnsituation in Gent sowie zu zahlreichen organisatorischen Details bündeln. Es empfiehlt sich daher, die bereitgestellten Informationen in Ruhe durchzugehen und sich parallel eine eigene Übersicht beziehungsweise To-Do-Liste zu erstellen, um alle Dokumente rechtzeitig einzureichen oder zu erhalten, wie bspw. den „Letter for Invitation“, um sich damit beim Studentenwohnheim bewerben zu können.

Die Vorbereitungen, insbesondere die Kurswahl, die Unterkunftssuche sowie eventuelle Anpassungen im Curriculum, gestalteten sich zunächst als zeitaufwändig. Rückblickend hat sich diese gründliche Vorbereitung jedoch ausgezahlt, da sie mir im weiteren Verlauf des Semesters viel organisatorischen Stress erspart haben. Gerade das sehr große Kursangebot stellte mich als Masterstudentin vor eine echte Herausforderung: über drei bis vier verwandte Fachrichtungen hinweg sowie mit der zusätzlichen Option, auch Bachelorveranstaltungen zu belegen, fiel die Auswahl nicht leicht.

Das International Office der UGent habe ich während des gesamten Bewerbungsprozesses als sehr hilfsbereit und ausgesprochen freundlich erlebt. Dabei sollte man beachten, dass sich im Verlauf des Bewerbungsprozesses die zuständigen Ansprechpartner ändern können. Dennoch hatte ich stets das Gefühl zu wissen, an wen ich mich mit meinen Fragen wenden muss und habe immer eine hilfreiche Rückmeldung erhalten.

Besonders hilfreich für meine Vorbereitung war zudem das Lesen der ausführlichen Erfahrungsberichte auf der Webseite des International Office der UP. Dort findet man zahlreiche Hinweise und Tipps, die den gesamten Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess erheblich erleichtern und einen ideal auf die Zeit vor Ort vorbereiten.

Ein wichtiger formaler Punkt ist außerdem, dass die Universität Gent voraussetzt, dass im eigenen Studium noch mindestens 24 ECTS offen sind. Sollte man – wie in meinem Fall – im Masterstudium bereits sehr weit fortgeschritten sein, können diese Leistungspunkte über den Wahlpflichtbereich simuliert werden.

Hinsichtlich der Wohnsituation ist zu beachten, dass das Bewerbungsportal für die universitären Studentenwohnheime bereits am 1. Mai öffnet. Da der Wohnungsmarkt in Gent sehr angespannt ist, sollte man sich sehr frühzeitig bewerben, zumal die Wohnheimplätze deutlich günstiger sind und die oft mühsame Zimmersuche entfällt. Ich persönlich habe mich gegen eine Bewerbung für ein Studentenwohnheim entschieden. Von anderen Studierenden habe ich jedoch erfahren, dass insbesondere diejenigen erfolgreich waren, die sich direkt am 1. Mai und auf möglichst alle verfügbaren Optionen beworben haben. Auch wenn der Prozess zeitweise frustrierend sein kann, wird man letztlich fündig.

Ein zusätzlicher Tipp wäre, WhatsApp-Gruppen mit anderen Studierenden zu erstellen, die ebenfalls an dieselbe Universität oder in dieselbe Stadt gehen. Der gegenseitige Austausch erleichtert viele organisatorische Fragen und schafft bereits vor der Abreise erste Kontakte.


Studienfach: Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Studium an der Gastuniversität

Die gesamte Studienverwaltung an der Universität Gent erfolgt über das OASIS-Portal (ähnlich zu unserem PULS). Dort sind bereits vor Semesterbeginn alle Kurse hinterlegt, die im Learning Agreement angegeben und bilateral bestätigt wurden. Darüber hinaus enthält das Portal einen persönlichen Kalender, in dem nach der Kurszusage die Vorlesungszeiten sowie wenige Wochen nach Semesterstart auch die Prüfungstermine eingetragen sind. Dadurch lässt sich frühzeitig prüfen, ob es zu Überschneidungen kommt, was aufgrund des großen Kursangebots und der Möglichkeit für Exchange Students, Veranstaltungen aus unterschiedlichen Masterprogrammen zu wählen, durchaus wahrscheinlich ist. Auch wenn man, wie in meinem Fall, Kurse aus dem Bereich Business Economics belegt, kann es insbesondere in den ersten beiden Monaten zu Terminüberschneidungen kommen. Das Curriculum kann bis zur zweiten Woche nach Semesterstart angepasst und durch die Universität bestätigt werden. Es empfiehlt sich daher, in den ersten Wochen mehrere Kurse zu besuchen, bevor man eine endgültige Entscheidung trifft. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass Änderungen ebenfalls im Learning Agreement During Mobility dokumentiert und bilateral bestätigt werden müssen. In meinem Fall wurden zwei der ursprünglich geplanten Seminare kurzfristig nicht angeboten und mussten entsprechend angepasst werden. Die Lehrveranstaltungen dauern zumeist drei bis dreieinhalb Stunden, was zunächst eine Umstellung darstellte. Gleichzeitig bot dieses Format jedoch deutlich mehr Raum für Diskussionen, Präsentationen sowie Fragen und Austausch, sodass die Zeit meist sehr schnell verging und die Inhalte nicht nur oberflächlich behandelt wurden.

Anders als in manchen Erfahrungsberichten erlebte ich einen deutlich höheren Interaktionsgrad zwischen Studierenden und Dozierenden als an der Universität Potsdam. Im Kurs „Strategic Human Resource Management“ gab es beispielsweise regelmäßige Diskussionsrunden, in denen die Dozentin gezielt die Erfahrungen und Ideen der Studierenden einbezog. Die Seminare „Technology Entrepreneurship“ und „Strategic Management“ lebten ebenfalls stark vom Dialog zwischen Coaches und Kleingruppen. Besonders bereichernd war dabei der direkte Kontakt zu den Praxispartnern, mit denen wir unsere Geschäftsideen weiterentwickeln konnten. Ergänzend kamen interaktive Formate wie Quizze per QR-Code oder (Online) Case Studies zum Einsatz.

Der Workload war insgesamt deutlich höher als an der Universität Potsdam. In meinem Fall lagen die größten Deadlines für Hausarbeiten kurz vor Weihnachten, während die erste Klausur bereits kurz nach Neujahr stattfand, was insbesondere rund um die Feiertage eine intensive Arbeitsphase bedeutete. Während des Semesters gab es zudem Zwischenpräsentationen und Abgaben, was grundsätzlich vergleichbar mit den Anforderungen an der UP war. Diese Teilleistungen trugen jedoch zur Aufwertung der Gesamtnote bei und ermöglichten es, insgesamt gute bis sehr gute Prüfungsergebnisse zu erzielen. Nichtsdestotrotz hat sich der hohe Lern- und Arbeitsaufwand ausgezahlt. Gleichzeitig empfand ich die Kursinhalte als äußerst praxisnah, gewinnbringend und insbesondere für BWL-Studierende sehr relevant. Die Dozierenden zeigten durchweg große Leidenschaft und Expertise für ihre Themengebiete, hatten große Freude an der Lehre und verfügten über hervorragende Englischkenntnisse.

In einigen Kursen gab es Bücher, die man unbedingt kaufen sollte. Vor dem Kauf empfiehlt es sich, über den VPN-Zugang beider Unis zu prüfen, ob ein kostenfreier Download möglich ist. In meinem Fall war ein Großteil der Literatur über SpringerLink bereits verfügbar und hat mir mind. 50€ erspart.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Durch mehrere Gruppenarbeiten im Rahmen meiner Seminare kam ich schnell und unkompliziert mit internationalen sowie belgischen Studierenden in Kontakt. Die belgischen Studierenden sprechen Englisch auf sehr hohem Niveau und sind das straffere akademische Pensum bereits gewohnt. Auch meine Wohnsituation (studentisches Wohnen beim privaten Wohnungsunternehmen „Upkot“) ermöglichte mir den täglichen Austausch mit belgischen Studierenden. Dadurch konnte ich nicht nur mehr über das Land, die Kultur und den flämischen Dialekt lernen, sondern auch mein Englisch täglich anwenden und weiter verbessern.

Mit anderen internationalen Studierenden in Kontakt zu kommen ist sehr einfach, insbesondere in den ersten Tagen und Wochen des Semesters. Das Erasmus Student Network (ESN) organisiert bis etwa November bzw. Dezember regelmäßig sehr tolle Events, Reisen und Freizeitaktivitäten zu sehr geringen Preisen. Diese Angebote sollte man unbedingt wahrnehmen, um neue Leute aus aller Welt kennenzulernen. Ich kann daher nur empfehlen, gerade zu Semesterbeginn möglichst viele dieser Events zu besuchen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bereits vor meinem Auslandssemester verfügte ich über Englischkenntnisse auf C1-Niveau. Durch die tägliche Anwendung der Sprache habe ich jedoch deutlich an Sicherheit und sprachlicher Flüssigkeit gewonnen. Mein Wortschatz hat sich durch das Auslandssemester insbesondere um zahlreiche Fachbegriffe erweitert.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe mich bewusst gegen ein universitäres Studentenwohnheim entschieden. Entsprechend musste ich mir auf dem angespannten Wohnungsmarkt eigenständig eine Unterkunft suchen, was sich als sehr zeitaufwändig erwies. Daher empfehle ich dringend, alle Ratgeber, Links und Webseiten der Universität Gent sorgfältig zu lesen sowie frühzeitig die Excel-Datei mit Tipps und Tricks zum Wohnen in Gent beim International Office/Housing Office anzufragen.

Ein Großteil der Angebote kam für mich entweder nicht infrage oder war bereits vergeben. Ich durchsuchte zahlreiche Wohnungs- und WG-Portale, erhielt jedoch nur selten Rückmeldungen, da viele Vermieter bevorzugt für ein ganzes Jahr statt für lediglich vier bis fünf Monate vermieten. Aus diesem Grund empfehle ich, direkt mit den Facebook-Gruppen aus der Wohnungsliste des International Office zu starten und klassische Portale nachrangig bis gar nicht zu nutzen. Wichtig ist, stets im Hinterkopf zu behalten, dass es leider auch viele Betrüger gibt, die die angespannte Lage ausnutzen. Nach längerer Suche fand ich schließlich eine Untermiete für ein Zimmer beim Anbieter „Upkot“, mit der ich sehr zufrieden war.

Ich würde außerdem sehr empfehlen, ein Stadtrad bei einem lokalen Anbieter wie „Fietsambassade“ zu mieten. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind vergleichsweise teuer und brauchen doppelt so lange für die gleiche Strecke wie mit dem Rad.

Die Lebenshaltungskosten in Belgien sind insgesamt etwas höher als in Deutschland. Supermärkte wie Proxy/Delhaize oder Albert Heijn sind vergleichsweise teuer, während die Ketten „okay“ und Lidl deutlich günstiger sind. Dort habe ich den Großteil meiner Einkäufe erledigt. In Gent gibt es auch „Too Good To Go“, worüber man sich nochmal günstiger sehr leckere Lebensmittel kaufen kann.

Sollte man während des Aufenthalts erkranken, steht ein universitärer Student Doc zur Verfügung, bei dem unkompliziert Termine gebucht werden können. Zwar musste ich pro Termin zunächst 30€ in bar bezahlen, konnte mir diesen Betrag jedoch schnell und problemlos von meiner deutschen Krankenversicherung erstatten lassen. Zusätzlich hatte ich vorsorglich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die ich letztlich jedoch nicht in Anspruch nehmen musste.

Gent ist eine wunderschöne Studierendenstadt, in der sich sowohl der Straßenverkehr als auch zahlreiche Freizeitangebote stark an den Bedürfnissen der Studierenden orientieren – ein Aspekt, der das Leben und Studieren dort besonders angenehm macht. An den Wochenenden wird es in der Stadt oft etwas ruhiger, da viele belgische Studierende freitags zu ihren Familien nach Hause fahren.

Dank der zentralen geografischen Lage Gents lassen sich zudem viele andere Städte und Länder bequem erreichen, insbesondere mit der Bahn. So ist man beispielsweise in weniger als einer Stunde im malerischen Brügge oder an der Küste. Ich empfehle sehr, die ersten zwei Monate vor Herbst- und Winterbeginn für Ausflüge zu nutzen, da es im Spätherbst häufig zu Regentagen kommt. Mir persönlich haben die Städte im herbstlichen Licht besonders gut gefallen.

Studienfach: Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Rückblick

Alles in allem kann ich ein Auslandssemester in Gent allen wärmstens empfehlen, die Lust auf eine lebendige historische Stadt mit vielfältigen Ausgeh- und Freizeitangeboten für Studierende und junge Menschen haben und zugleich die akademische Herausforderung suchen. Vom höheren Workload sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen, da die Kursinhalte sowie deren Praxisnähe äußerst bereichernd und interessant sind und Kurse angeboten werden, die es an der UP nicht gibt. Auch wenn die Stadt auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken mag, hat Gent in allerlei Hinsicht wahnsinnig viel für Studierende zu bieten! Daher kann ich einen Aufenthalt im wunderschönen Gent nur empfehlen!


Belgien

Belgien

Zurück zur Länderseite

Studying abroad

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Financial Aid

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier