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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung auf meinen Erasmus+ Aufenthalt verlief für mich sehr unkompliziert und gut organisiert. Besonders hilfreich waren die Informationsveranstaltungen der Universität Potsdam sowie der Universität Tartu. Dort wurden alle wichtigen Schritte rund um Bewerbung, Fristen und das Erasmus+ Programm verständlich erklärt und auch die Präsentationen im Nachhinein zur Verfügung gestellt, sodass ich mich gut vorbereitet gefühlt habe.

Auch die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule verlief problemlos. Nach der Zusage erhielt ich alle wichtigen Informationen und Unterlagen rechtzeitig per E-Mail, sodass ich genau wusste, was zu erledigen ist. Die Bewerbung und das Einreichen der Dokumente über das Online-Portal der UP waren übersichtlich und einfach. Insgesamt war der gesamte Bewerbungs- und Vorbereitungsprozess für mich reibungslos und stressfrei.


Studienfach: Wirtschaftsinformatik

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Tartu

Gastland: Estland

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Universität Tartu war für mich insgesamt eine sehr positive Erfahrung. Besonders gut gefallen hat mir das Studiensystem und die Organisation über das OIS (SIS) (https://ois2.ut.ee/#/dashboard/new). Das Portal war sehr intuitiv aufgebaut, sodass man sich schnell zurechtgefunden hat. Selbst ohne Login konnte man die Kurse der vergangenen Jahre einsehen und sich dadurch schon im Voraus einen guten Überblick verschaffen und sein Semester planen. Auch die Kursregistrierung zu Beginn des Semesters verlief unkompliziert. Für manche Veranstaltungen musste man zwar schnell sein, um einen Platz in einer guten Übungsgruppe zu bekommen, aber alle Registrierungsschritte – sowohl für Kurse als auch für Gruppen – liefen zentral über dieses eine System. Die Kursbeschreibungen waren sehr übersichtlich dargestellt, inklusive Inhalte, Anforderungen, Vorkenntnisse und Prüfungsleistungen.

Ich habe insgesamt fünf spannende Kurse belegt – vier im Bereich Informatik und einen im wirtschaftlichen Bereich. Viele dieser Veranstaltungen hätte es in dieser Form an der Universität Potsdam nicht gegeben, was für mich ein großer Mehrwert war. Zwei Kurse konnte ich mir für mein Studium anrechnen lassen, die anderen haben mich fachlich und persönlich weitergebracht.

Die Leistungsbewertung war größtenteils fair und gut machbar. Viele Kurse waren projekt- und gruppenorientiert aufgebaut, was mir besonders gefallen hat, da man theoretische Inhalte direkt praktisch anwenden konnte. Sehr arbeitsintensiv war jedoch mein Kurs „Robotics I“. Obwohl es sich um ein 6-ECTS-Modul handelte (was normalerweise etwa 150–180 Arbeitsstunden entspricht), lag der tatsächliche Arbeitsaufwand gefühlt eher bei rund 200 Stunden. Neben wöchentlichen Assignments gab es umfangreiche Programmieraufgaben und ein größeres Projekt. Man hat dabei sehr viel gelernt, allerdings war es teilweise auch herausfordernd, die Motivation konstant hochzuhalten.

Besonders beeindruckt hat mich die technische Ausstattung der Universität. Ich war hauptsächlich im Delta-Gebäude, einem sehr modernen und hervorragend ausgestatteten Campusgebäude. Neben Hörsälen und Seminarräumen gab es große Lernflächen, die zum gemeinsamen Arbeiten eingeladen haben (mit Küche und Chill Area), sowie eine sehr moderne Bibliothek mit PCs und Monitoren. Die Computerräume waren ebenfalls hervorragend ausgestattet. Durch einen meiner Kurse hatte ich sogar 24/7 Zugang zu einem Computerraum, was das Arbeiten an Projekten deutlich erleichtert hat. Insgesamt war es nie überfüllt, und man hat sowohl in der Bibliothek als auch in den Lernbereichen immer einen Platz gefunden. Das hat die Lernatmosphäre sehr angenehm gemacht.

Auch das Studienklima habe ich als sehr offen und unterstützend wahrgenommen. Die Dozierenden sowie das Verwaltungspersonal waren hilfsbereit und gut erreichbar. Die Kontaktmöglichkeiten – meist per E-Mail oder direkt über die jeweilige Kursseite – waren übersichtlich zusammengestellt, sodass man schnell die richtigen Ansprechpartner finden konnte.

Grundsätzlich gab es immer mehrere Wege, die Dozierenden zu kontaktieren, beispielsweise per E-Mail, über Moodle oder teilweise auch über weitere Plattformen. Besonders angenehm war für mich, dass ebenfalls mit Moodle gearbeitet wurde. Dadurch musste ich mich nicht an ein komplett neues Lernsystem gewöhnen, sondern konnte mich direkt auf die Inhalte konzentrieren. Der Austausch mit anderen Studierenden war ebenfalls unkompliziert und freundlich, wodurch insgesamt eine sehr angenehme Lernatmosphäre entstanden ist.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu anderen internationalen Studierenden entstand sehr schnell und unkompliziert. Gerade zu Beginn des Semesters gab es viele Veranstaltungen von Erasmus Student Network (ESN), wie Partys, Quizabende oder Spieleabende, die es leicht gemacht haben, neue Leute kennenzulernen.

Ich habe im Wohnheim Raatuse 22 gewohnt und dort durch meine Mitbewohner direkt Anschluss gefunden. Da wir alle für denselben Zeitraum als Erasmus-Studierende dort waren, hatte man sofort gemeinsame Themen und ähnliche Erfahrungen. Insgesamt fiel es mir leicht, sowohl mit internationalen Studierenden als auch mit Einheimischen auf Englisch ins Gespräch zu kommen. Auffällig war, dass es relativ viele deutsche Studierende gab (gefühlt etwa 50 %), was aber wohl keine Seltenheit ist. Trotzdem haben sich viele internationale Kontakte und auch einige echte Freundschaften entwickelt.

Vor meinem Aufenthalt hätte ich mich selbst nicht unbedingt als besonders extrovertiert beschrieben. Doch dadurch, dass alle neu waren und die Stimmung insgesamt sehr offen und ungezwungen war, fiel es mir deutlich leichter, auf andere zuzugehen.

Auch der Kontakt zu einheimischen Studierenden war vorhanden. Obwohl Esten oft als eher zurückhaltend gelten und daher weniger von sich aus Kontakt aufnehmen, kam man sich durch Gruppenarbeiten, gemeinsame Kurse und alltägliche Begegnungen nach und nach näher. Besonders die projektorientierten Lehrveranstaltungen haben dabei geholfen. Insgesamt habe ich die internationale und zugleich angenehme Atmosphäre als große Bereicherung empfunden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ein wichtiges Argument für meinen Auslandsaufenthalt war der Wunsch, meine Englischkenntnisse zu verbessern. Gerade zu Beginn war ich schnell in einem „englischen Flow“, da ich im Alltag nahezu ausschließlich Englisch gesprochen habe. Dadurch hat sich mein Wortschatz ganz automatisch erweitert, und ich habe viele neue Fachbegriffe und alltägliche Ausdrücke dazugelernt.

Das Hör- und Leseverständnis stellte für mich von Anfang an kein Problem dar. Vorlesungen, Tutorien und wissenschaftliche Texte auf Englisch konnte ich gut verstehen. Besonders im Bereich des Hörverständnisses habe ich im Laufe des Semesters noch einmal deutliche Fortschritte gemacht.

Beim Sprechen habe ich mich ebenfalls verbessert, allerdings weniger stark als ich gehofft hatte. Gegen Ende des Aufenthalts hatte ich vermehrt Kontakt zu deutschen Studierenden, wodurch ich wieder häufiger Deutsch gesprochen habe. Dadurch fiel es mir teilweise schwerer, konstant im Englischen zu bleiben.

Es gab zudem die Möglichkeit, Estnisch-Sprachkurse zu besuchen. Aufgrund meines recht vollen Stundenplans habe ich dieses Angebot jedoch nicht wahrgenommen. Von anderen Studierenden habe ich allerdings nur Positives darüber gehört. Rückblickend ist es sicherlich sinnvoll, auch die Landessprache zumindest in Grundzügen zu lernen, um ein noch besseres Gefühl für die Sprache zu entwickeln.

Wohn-  und Lebenssituation

Ich habe während meines Aufenthalts im Studentenwohnheim Raatuse 22 gewohnt, gemeinsam mit vielen anderen Erasmus- und internationalen Studierenden. Die Anmeldung erfolgte online Anfang Juli. Wer ein Einzelzimmer haben möchte, sollte sich meiner Einschätzung nach möglichst zeitnah anmelden, da diese Plätze begehrt sind.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich ein Einzelzimmer möchte, da mir Privatsphäre wichtig war. Geteilte Zimmer sind deutlich günstiger, und ich habe sowohl sehr positive als auch weniger gute Erfahrungen von Kommilitoninnen und Kommilitonen mitbekommen. Es kann natürlich sein, dass man mit seiner Mitbewohnerin oder seinem Mitbewohner sehr gut harmoniert – wie ich es in meinen WGs erlebt habe – allerdings gibt es dafür keine Garantie. Mir persönlich war dieses Risiko zu groß.

Die Wohnungen im Raatuse-Wohnheim bestehen aus bis zu drei Doppelzimmern, sodass man mit insgesamt bis zu sechs Personen zusammenlebt. Dadurch ist Kommunikation in der Küche und im gemeinsamen Wohnbereich besonders wichtig. Die Zimmer sind funktional eingerichtet – nicht besonders modern oder „schön“, aber absolut ausreichend. In den ersten Wochen habe ich mir mit ein paar Dekoartikeln wie einer Lampe, einer Pflanze und Fotos von zuhause eine persönlichere Atmosphäre geschaffen, womit ich sehr zufrieden war.

Die Grundausstattung in der Küche war teilweise vorhanden (Mikrowelle, Wasserkocher, einige Gegenstände von Vormietern), allerdings war Geschirr nur sehr begrenzt vorhanden und es gab keinen Ofen, sodass man einige Dinge selbst anschaffen musste.

Der Mietpreis war für estnische Verhältnisse relativ hoch, insgesamt war ich für die fünf Monate jedoch sehr zufrieden. Für mich überwogen die sozialen Vorteile deutlich – im selben Wohnheim wie viele andere Erasmus-Studierende zu wohnen, erleichtert den Kontakt enorm und bietet viele spontane Begegnungen.

Die Lage des Wohnheims ist sehr gut. Supermärkte und eine Apotheke befinden sich direkt in der Nähe. Tartu insgesamt ist eine sehr kompakte Stadt, vieles ist fußläufig erreichbar und im Sommer auch ideal mit dem Fahrrad. Sehr empfehlenswert ist das „Tartu Smart Bike“-Monatsticket, insbesondere für unter 26-Jährige oder offiziell in Tartu gemeldete Personen, da es hier Vergünstigungen gibt. Auch größere Einkaufszentren sind gut zu Fuß erreichbar.

Trainiert habe ich im Sportzentrum der Universität, was mit etwa 50 € für ein Semester sehr fair war, und eine solide Ausstattung bietet. Besonders angenehm war, dass die meisten Universitätsgebäude in etwa 15 Minuten zu Fuß erreichbar waren. Eine Monatskarte für den Bus habe ich daher nicht benötigt. Einzeltickets kosten nur etwa 60 Cent pro Fahrt, und das Busnetz ist gut ausgebaut – vor allem praktisch, wenn man zu weiter entfernten Campusgebäuden musste.

Im Bereich Freizeit lohnt es sich sehr, den WhatsApp-Gruppen des ESN-Netzwerks beizutreten und den Social-Media-Kanälen zu folgen, da dort regelmäßig Events und Ausflüge angekündigt werden. Es gibt viele organisierte Veranstaltungen und Trips. Besonders empfehlen kann ich die Lapplandfahrt: eine siebentätige Reise mit zahlreichen Aktivitäten wie Husky Schlittenfahren, Polarlichter sehen, Rentierbegegnungen, Schneeschuhwanderungen, Schlittschuhlaufen und natürlich sehr viel Schnee. Diese Reise wird sowohl im Wintersemester als auch im Sommersemester angeboten und war definitiv eines meiner Highlights.

Auch die Bahnverbindungen sind gut, sodass sich Wochenendausflüge, beispielsweise zu Wanderzielen oder in die Natur, unkompliziert planen lassen.

Studienfach: Wirtschaftsinformatik

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Tartu

Gastland: Estland

Rückblick

Rückblickend kann ich einen Auslandsaufenthalt wirklich jedem empfehlen – zumindest einmal im Studium diese Erfahrung zu machen. Für mich war es ein kompletter „180-Grad-Wechsel“: Von einem Tag auf den anderen in einem neuen Land, mit einer anderen Sprache, einem neuen Umfeld und völlig neuen Routinen. Eine vergleichbare Situation hatte ich zuvor noch nie erlebt.

Besonders stark war für mich die persönliche Entwicklung. Ich musste viele organisatorische und alltägliche Herausforderungen eigenständig lösen, was mein Selbstvertrauen deutlich gestärkt hat. Auch das erste Mal allein zu wohnen und komplett auf eigenen Beinen zu stehen, war eine prägende und sehr positive Erfahrung.

Mein Tipp für nachfolgende Studierende wäre, die Zeit bewusst zu genießen und offen für spontane Möglichkeiten zu sein. Nicht alles im Voraus durchzuplanen, sondern auch einmal „Sidequests“ mitzunehmen, wenn sich spontan etwas ergibt, hat meinen Aufenthalt besonders bereichert. Gerade am Anfang war mein Motto, mehr im Moment zu leben, statt alles durchzuorganisieren. Nach etwa eineinhalb Monaten hat sich dann ganz automatisch ein Alltag eingependelt.

Natürlich gibt es auch herausfordernde Phasen – sei es durch ein hohes Arbeitspensum im Studium oder Momente, in denen man Familie und Freunde vermisst. Insgesamt überwiegen jedoch ganz klar die positiven Erfahrungen, die neuen Perspektiven und die Erinnerungen, die bleiben.


Estland

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