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Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Ich habe von Freunden und aus E-Mails vom Erasmus-Programm erfahren und mich auf den Seiten der Uni Potsdam weiter dazu informiert, wie der Bewerbungsprozess abläuft, welche Länder und Universitäten in Frage kommen, an wen man sich wenden muss bei Fragen und welche Dokumente dafür benötigt werden. Die Telecom Paris hat ebenfalls mehrere Seiten zu diesem Thema, allerdings mit teilweise widersprüchlichen Informationen. Ein sehr wichtiges Detail: es gibt an der Telecom Paris verschiedene Austauschprogramme. Ich habe am “simple exchange” teilgenommen, nicht am Double Degree Programm.

 

Den Kontakt habe ich damals per E-Mail aufgenommen, die dortige Incoming Students-Koordinatorin konnte mir bei Fragen zum Studium und der Bewerbung helfen und meinte, dass eine frühe Kontaktaufnahme hilfreich sei, da sie so schon lange vor der eigentlichen Mobility Period wichtige Informationen verschicken könne. Die Bewerbung selbst lief in zwei Phasen ab: zuerst bei der Uni Potsdam, wo ein Statement of Purpose, ein aktuelles Transcript of Records, ein Lebenslauf und mein Bachelorzeugnis gefordert waren.

An der Telecom Paris waren noch dazu ein Foto, ein Zertifikat über meine Sprachkenntnisse und zwei Empfehlungsschreiben von meinen Professoren gefordert. Dazu nimmt die Telecom Paris selbst den Kontakt auf, man selbst gibt nur die Kontaktdaten an. Hier möchte ich allen, die ein Auslandssemester planen raten, sich möglichst früh darum zu kümmern. Die Telecom Paris hat ihr eigenes Bewerbungsportal, welches erst deutlich später im Prozess freigeschaltet wird.


Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Télécom Paris

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das System an der Telecom (und vermutlich den anderen Grandes Écoles) ist im Vergleich zum System an der Universität Potsdam deutlich strukturierter und es gibt strengere Vorgaben, welche Fächer man wann wählen kann. Als Exchange-Student musste ich schon bei der Bewerbung meine gewünschten Fächer angeben, aus 14 Tracks (filières), wovon 2-3 gewählt werden müssen. Jeder Track fällt in einen von drei Zeitslots , pro Slot 6h pro Woche, welche wieder in zwei Blöcke von je 3h geteilt werden. Dazu ist das Semester selbst unterteilt in zwei Perioden. Ein Kurs im Slot S1P2-A2-A2 fällt ins Wintersemester (S1), in der zweiten Periode (Ende November - Februar), im Slot A2 in der Woche. Pro Kurs gibt es je 2.5 ECTS, einige Kurse nehmen aber auch beide Slots in der Woche ein und geben 5 ECTS. Wenn man zwei filières wählt, kommt man schnell auf die von der Telecom geforderten 20 ECTS. Eine wichtige Einschränkung gibt es: um einen Kurs auf Französisch zu belegen, muss man ausreichende Sprachkenntnisse vorweisen können, mindestens B1 wird empfohlen. Da mein Französisch dafür nicht ausreichte, war ich auf die Kurse auf Englisch beschränkt, also vor allem Kurse in den Data Science oder Mathematik Tracks. Wer an der Telecom Kurse zur Bildverarbeitung, Eingebetteten Systemen oder Telekommunikation belegen möchte, muss Französisch sprechen können. Letztendlich konnte ich so nur 27 von den von der UP geforderten 30 ECTS belegen und musste auf ein paar der spannendsten Themen verzichten. Vor der Bewerbung sollte man sich auf den Seiten der Telecom genau informieren, welche Kurs für einen selbst in Frage kommen.

Mein Studienalltag an der Telecom bestand an den meisten Tagen aus einem oder zwei Blöcken von je 3h Vorlesung oder Übung, unterbrochen von einer Mittagspause und abends saß ich oft lange an den Übungen. Die Telecom fordert viel von ihren Studierenden, als Exchange-Student und aufgrund meines etwas leereren Kalenders war es nicht so stressig wie für die meisten anderen Studierenden dort aber auch ich habe den Druck gemerkt, besonders in den beiden Prüfungsphasen, wo man in einer  Woche fast alle Prüfungen auf einmal absolviert. Ein gutes Gegengewicht zu diesem Druck bieten die vielen Klubs an der Telecom Paris. Während meiner Zeit in Paris gab es fast jede Woche eine Party an meiner oder an einer der anderen Universitäten auf dem Campus und jeder Klub hatte seine eigenen Events. Darunter auch das Bureau des Internationaux, welche sich speziell auf internationale Studierende fokussieren und zum Beispiel Weihnachtsessen in den Ferien und verschiedene Exkursionen organisieren.

Bei Fragen zum Studium, der Kurswahl und vielen anderen Themen waren sowohl das BDI, als auch die Verwaltung der Telecom Paris unglaublich hilfsbereit. Die meisten Dinge ließen sich durch eine E-Mail oder einen Besuch im Büro der zuständigen Person rasch klären.

Die technische Ausstattung der Telecom ist vergleichbar mit der der Universität Potsdam: es gibt ein Moodle für Kursunterlagen und Übungen, allerdings werden Vorlesungen nicht aufgezeichnet. Übungen für die ein Computer benötigt wird werden in Seminarräumen mit Computern an jedem Tisch abgehalten. Trotzdem würde ich zu einem Laptop raten, da diese nicht immer zugänglich waren und das Gebäude am Wochenende und Nachts geschlossen bleibt, mit Ausnahme der Bibliothek. Einige Klausuren werden ebenfalls in diesen Seminarräumen am Computer abgehalten. Hierfür würde ich empfehlen, eine eigene Tastatur mit einem vertrauten Layout mitzubringen.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Ich hatte während meines Aufenthalts eher wenig mit den einheimischen Studierenden zu tun und mehr mit den anderen Internationals. Das lag zum einen daran, dass ich mit letzteren mehr Kontakt hatte (Seminare für Internationals über die Telecom, gemeinsame Sprachkurse, etc.) aber auch an meinen eigenen Sprachkenntnissen in Französisch. Zu Anfang des Semesters gab es Events für neue Studierende an der Telecom, worüber ich einige Kontakte mit einheimischen Studierenden knüpfen konnte. Hätte ich noch einmal die Chance, würde ich noch mehr solcher Events besuchen, denn im Rest des Semesters gab es deutlich weniger.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Zu meiner Ankunft hatte ich ein Niveau von A1. Um die Kurse auf Französisch zu belegen hätte ich mindestens B1 benötigt und war so auf Kurse auf Englisch beschränkt. Dadurch habe ich im Alltag größtenteils Englisch gesprochen und auch im Französischkurs an der Telecom stand weniger die Sprache und mehr die französische Kultur im Fokus. Aus diesen Gründen konnte ich mein Französisch leider nicht so sehr wie erhofft verbessern. Trotzdem konnte ich mehr über die französische Kultur und Sprache lernen, insbesondere über die verschiedenen Register und ihre Anwendung im Alltag.

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte mich im Vorfeld sowohl auf der Seite der Telecom, als auch auf Seiten von privaten Anbietern über die Wohnsituation in der Nähe des Campus informiert. Die Telecom selbst unterhält Partnerschaften mit den Wohnheimen auf dem Campus und Plattformen zur Wohnungssuche. Informationen dazu waren auf der Seite der Telecom zu finden, aber zum Zeitpunkt meiner Suche nicht auf dem aktuellsten Stand. Letztendlich entschied ich mich für ein privates Wohnheim auf dem Campus, gegenüber der Telecom Paris. Ich hatte ebenfalls versucht, mich bei einem der Staatlichen Wohnheime zu bewerben, als Exchange-Student hat man dort allerdings geringere Chancen, angenommen zu werden, als bei privaten Vermietern. Letztendlich hatte ich ungefähr 1.5 Monate vor meiner Ankunft einen unterschriebenen Mietvertrag, konnte aber erst am 2. Tag des Semesters einziehen.

Um in Frankreich eine Wohnung anzumieten benötigt man bei den meisten Vermietern eine Bürgschaft (Garant) aus Frankreich. Diese kann aber auch von Unternehmen wie Garantme gestellt werden, gegen eine Gebühr. Zusätzlich hierzu musste ich eine Hausratsversicherung abschließen. Zur Zahlung der Miete verlangen viele Vermieter außerdem ein Relevé d’Identité Bancaire., vergleichbar mit einem SEPA-Mandat und einer Bestätigung der Bankverbindung. Ich konnte meinen Vermieter überzeugen, stattdessen ein SEPA-Mandat und eine Bestätigung meiner Bankverbindung zu akzeptieren, wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte sich lieber im Vorfeld um ein französisches Bankkonto kümmern. Abgesehen hiervon kam ich ohne französisches Bankkonto aber gut zurecht. Auf dem Campus kann man außerdem oft mit Lydia bezahlen.

Der Campus der Telecom Paris liegt etwas außerhalb von Paris und man benötigt etwa 1h um mit Bus und Bahn ins Zentrum zu gelangen. Etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt liegt Lozere, von wo aus man mit dem RER B nach Paris fahren kann. Alternativ fahren mehrere Busse zum Bahnhof Massy-Palaiseau, von wo aus man mehr Optionen hat. Am Wochenende fahren weniger Busse, aber insgesamt ist Paris vom Campus aus gut zu erreichen. Ich war dort oft, entweder während einer Exkursion, allein oder mit Freunden, allerdings selten unter der Woche aufgrund der langen Fahrtzeiten und des intensiven Studiums.

In Frankreich gilt zwar eigentlich die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC), in der Apotheke oder beim Arzt musste ich aber selbst zahlen. Mit der französischen Carte Vitale hätte ich vermutlich weniger Probleme gehabt. Zum Zeitpunkt dieses Berichts versuche ich noch, mir die Beträge von meiner Krankenversicherung erstatten zu lassen (Sammelvertrag des DAAD).

Meine monatlichen Kosten waren deutlich höher als meine Ausgaben in Potsdam, vor allem wegen der höheren Miete und etwas teurerem Essen. Für einheimische Studierende gab es das CAF, welches einen Teil der Mietzahlungen übernehmen konnte. Internationals hatten unterschiedlich viel Erfolg, sich dafür zu bewerben, es ist einen Versuch wert. Für mich hat es sich außerdem gelohnt, im CROUS Restaurant statt der Cafeteria der Telecom zu essen, allerdings dauerte es zu Beginn des Semesters einige Wochen, bis ich dort selbst zahlen konnte.

Studienfach: IT-Systems Engineering

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Télécom Paris

Gastland: Frankreich

Rückblick

Insgesamt bin ich froh, am Erasmus-Programm teilgenommen und in Paris studiert zu haben. Ich habe dort neue Freunde gewonnen, mein Französisch ein wenig verbessert und auch fachlich einiges gelernt. Nicht immer lief alles toll, die Mischung aus einem fremden Unisystem und anspruchsvollen Kursen wirkte zeitweise sehr viel Druck aus und es war nicht immer leicht, mich im Alltag zurechtzufinden. Dennoch würde ich jedem raten, einmal im Ausland und vielleicht sogar an der Telecom Paris studiert zu haben.

Ich würde allerdings einige Dinge anders machen und an dieser Stelle ein paar Tipps für Interessierte geben. Zuerst das offensichtliche: ohne Französisch kommt man nicht sehr weit, mit A1 auch nicht und einmal da ist es trotzdem Arbeit, sich zu verbessern. Wer die die Möglichkeit hat, dem würde ich raten, lieber ein Semester zu warten um die Sprache noch besser zu lernen. Das erleichtert den Alltag und die Kurswahl immens.

Frühe Vorbereitung ist alles. Mein OLA verzögerte sich aufgrund von Urlaub und verpassten E-Mails, am besten beginnt man weit im Voraus damit und erkundigt sich, ob an der eigenen Universität noch andere Prozesse benötigt werden, um sich Fächer aus dem Ausland anrechnen zu lassen. Eine frühe Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule kann ebenfalls helfen.

Der Semesterstart ist mit viel Bürokratie verbunden und sehr chaotisch. Am Besten reist man früher an um sich um Dinge wie Semesterticket, Handyvertrag und Einzug zu kümmern. 

Auf dem Campus zu leben hat Vorteile wie einen kurzen Weg zur Uni & Mensa und Teil der Gemeinschaft dort zu sein. Die Telecom Paris liegt aber auch außerhalb von Paris und zwischen späten Vorlesungen und vielen Übungen fiel es mir manchmal schwer, dem Kreis aus Wohnheim, Uni und Mensa zu entkommen. Würde ich nochmal dort studieren würde ich nach einer Wohnung in Massy oder sogar in Paris suchen, um einfacher zu den vielen Museen & Parks oder nach Versailles zu kommen.


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