Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Nach Antritt des Studiums stand für mich ziemlich schnell auch schon fest das Angebot eines Auslandssemesters zu nutzen, um die Erfahrung zu machen in einem anderen Land zu Studieren und zu Leben. Dazu besuchte ich mehrere online und offline Informationsveranstaltungen der Uni-Potsdam, die innerhalb der International Week angeboten wurden. Die darin angebotenen Programmpunkte haben mir nicht nur geholfen einen Überblick über den organisatorischen Aufwand zu erhalten, sondern auch auszuschließen welches Land wirklich zu meinen Vorstellungen passt. Dazu empfehle ich vor allem auch die Zoom-Veranstaltungen mit Studierenden, die sich gerade in einem Gastland befinden. Letztendlich hat mich die Kombination aus eigenen Wunschvorstellungen und Ausschlusskriterien nach Griechenland geführt, aber auch der Wunsch in ein von Migration geprägten Land zu gehen, sowie das Modulangebot der Panteion in Athen. Deshalb empfehle ich, wenn man schon eine Richtung hat, in die man sich innerhalb seines Studiums spezialisieren möchte, unbedingt auch das Modulangebot der jeweiligen Gastuniversitäten zu prüfen. An der Panteion kann man zum Beispiel verschiedene Module zur Kriminologie belegen, die ich so in Deutschland noch nicht gesehen hatte, was mein Interesse hier zu studieren noch einmal gestärkt hat.
Nach der erfolgreichen Bewerbung auf das Erasmus-Semester und der Nominierung durch das International Office dauerte es eine Weile, bis ich erste Informationen von der Gastuniversität erhielt. Diese waren dann aber sehr ausführlich und hilfreich und der ganze Ablauf wirkte auf mich zunächst strukturierter als erwartet. Wer diese erste E-Mail nicht abwarten kann, kann sich hier auf der Webseite der Panteion schon ein paar erste Informationen zusammensuchen.
Im empfehle allerdings sich noch nicht auf das Kursangebot zu verlassen. Da dies final an der Panteion erst sehr kurzfristig feststeht und zwischendurch es immer wieder noch zu vielen Veränderungen kommen kann.
Studium an der Gastuniversität
Etwa zwei bis drei Wochen vor dem Semesterstart werden die Daten für die "Welcome Days" bekannt gegeben. Letztendlich gab es einen Tag an dem alle neuen Erasmus-Studierende an der Universität willkommen geheißen wurden, es gab eine Präsentation die einen Überblick über wichtige Semestertermine und Informationen über die Kurswahl gab. Außerdem gab es die Möglichkeit andere Studierende und das ESN-Team kennenzulernen. Die restlichen Tage waren dafür gedacht sich im Erasmus-Büro anzumelden. Zu diesem Zeitpunkt war ich von der Organisation positiv überrascht. Nach vorherigen Erzählungen und Erfahrungen habe ich mir die Organisation an der Universität in Griechenland viel schlechter und unstrukturierter vorgestellt. Die Erasmus-Koordinatorin war unheimlich freundlich und hilfsbereit, bei Unklarheiten konnte man sich jederzeit per E-Mail melden oder im Büro vorbeischauen und auch das ESN-Team bemühte sich die neuen Studierenden an der Universität zu integrieren. Was sich allerdings anschließen als viel aufwendiger und schwieriger herausstellte, war die Kurswahl. Kurz nach Semesterbeginn haben wir einen Plan erhalten, der angab welche von den angeboten Kursen des aktuellen Semesters den Studierenden im Erasmus-Semesters zur Belegung zur Verfügung stehen. Nach dem damaligen Stand im WS 2025/26 konnte man als Bachelor-Studierende unter den angebotenen Erasmus-Kursen frei wählen, musste aber mindestens einen Kurs aus dem eingeschriebenen Fachbereich belegen. Leider werden an der Panteion in Athen nur sehr wenige Kurse, insbesondere im Fachbereich Soziologie, auf Englisch angeboten, sodass man auf seine ECTS kommt, indem man griechisch-sprachige Kurse als "Reading-Kurse" belegt. Dazu müssen die Dozent:innen der gewählten Module selbstständig kontaktiert und englische Ersatzleistungen vereinbart werden. Dies hat sich als die größte Herausforderungen herausgestellt, um im Semester anzukommen. Denn leider kam es vermehrt vor, dass Studierende nie eine Rückmeldungen von den Dozierenden erhielten, auch nicht nach Bestätigung vom Erasmus-Büro, dass man an dem Kurs teilnehmen kann. Das führte dazu, dass ich kurzfristig mich nochmal um neue Kurse bemühen musste, um auf meine ECTS zu kommen. Daher empfehle ich sich nicht zu früh auf bestimmte Kurse festzulegen und am besten die ersten zwei Semesterwochen zu nutzen in verschiedene Kurse reinzuschnuppern. Allerdings gab es auch Professor:innen, die keine neuen Studierenden mehr in ihren Kurs aufnahmen, wenn diese beim ersten Treffen nicht dabei waren, da es eine begrenzte Teilnahmeanzahl gab.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Kontakte zu anderen internationalen Studierenden haben sich bei mir durch die Erasmus-Veranstaltungen, der Universität, durch den Uni-Sport oder Facebook ergeben. Darüber hinaus habe ich mir eine Organisation gesucht, in der ich am Wochenende regelmäßig geholfen habe. Dadurch habe ich auch Kontakte und Freundschaften zu Einheimischen aufbauen können. Ich empfehle auch sich mal aus der Erasmus-Bubble zu lösen, und mit offenen Augen das Land zu bekunden. Auch dabei können tolle Begegnungen mit Einheimischen, besonders in einem so gastfreundschaftlichen Land wie Griechenland, entstehen.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Ich habe den Auslandsaufenthalt hauptsächlich genutzt, um meine Englischkenntnisse zu stärken. Darüber hinaus konnte ich auch immer wieder kleine Sätze und Worte auf Griechisch aufschnappen, die dann Anwendung beim Besuch auf dem Laiki (griechischer Bauernmarkt) fanden. Den angebotenen Griechisch Sprachkurs habe ich nicht belegt. Dieser findest auch nicht an der Panteion statt, sondern gesammelt für alle Studierende in Athen an einer Universität etwas außerhalb im Westen der Stadt.
Wohn- und Lebenssituation
Nachdem ich zunächst verschiedene Plattformen ausprobiert habe, hatte sich anschließend Facebook als die erfolgversprechendste Plattform herausgestellt, um in Athen ein Zimmer zu finden. Ich denke grundsätzlich ist die Wohnungssuche vor Ort am sichersten. Wer dazu nicht die Möglichkeit hat, dem empfehle ich zumindest einen Video-Call zu vereinbaren und keine Kaution im Voraus zu bezahlen. Im Gegensatz zu anderen Stories die ich erzählt bekommen habe, hat meine erste Unterkunft zwar zum Glück existiert, hat sich aber in einem viel schlechteren Zustand befunden als mir durch die zugesandten Bilder vermittelt wurde. Außerdem war ich zuvor nie in Athen und habe auch das Verkehrsaufkommen und den damit verbunden Verkehrslärm in bestimmten Gegenden der Stadt unterschätzt, sodass ich mich nach zwei Wochen wieder auf Wohnungssuche begeben habe. Auch diese hat wieder über Facebook stattgefunden. Diesmal hatte ich die Chance bei den Wohnungsangeboten vorbeizugehen, die Menschen persönlich kennenzulernen und mir auch die Wohngegend in Ruhe anzusehen.
Athen hat ein mittlerweile ganz gut ausgebautes Verkehrsnetz. Wer zuverlässig und einigermaßen pünktlich an seinem Ziel ankommen möchte, sollte lieber Metro als Bus fahren. Daher empfehle ich auch in der Nähe einer Metro-Station zu wohnen. Ein Semesterticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel, wie in Deutschland, gibt es in Griechenland nicht. Allerdings bekommt man mit seinem Studierendenausweis auf das Monatsticket, sowie auch auf Fähren, Zugreisen und Busse 50% Rabatt.
Neben dem Freizeit- und Sportangebot der Panteion, das ich sehr empfehlen kann, gibt es auch andere Organisationen, wie das YSR, die in Athen gratis Sportveranstaltungen anbieten, um Menschen miteinander zu verknüpfen.
Sowohl die Mietpreise als auch die Lebensmittelkosten kosten waren weitaus höher als ich erwartet hatte. Die Lebensmittelpreise in den Supermärkten sind teils sogar etwas höher als in Deutschland. Weshalb ich daher und weil es eine total schöne und kulturelle Erfahrung ist, empfehle auf den Laiki zu gehen, um frisches Obst, Gemüse, Gewürze, Tees und vieles mehr zu kaufen.
Studienfach: Soziologie
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Panteion University of Social and Political Science
Gastland: Griechenland
Rückblick
Rückblickend war dieser Auslandsaufenthalt eine sehr wertvolle Erfahrungen, von der ich nicht nur akademisch, sondern auch persönlich profitiert habe und jedem ans Herz legen möchte. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig und hilfreich die ganzen Infoveranstaltungen wahrzunehmen, um dadurch seine Vorbereitung besser strukturieren zu können. Auf der anderen Seite würde ich auch sagen, dass die eine oder andere Befürchtung oder Sorge unbegründet war. Denn letztendlich findet sich alles mit der Zeit. Insbesondere beim Start in das Semester an der Gastuniversität sollte man etwas mehr Geduld mitbringen und mit dem Flow des Gastlandes mitzugehen kann dabei schon die erste kulturelle Erfahrung sein. Meine positivste Erfahrung war auf jeden Fall in den Genuss zu kommen in einer so warmherzigen Gesellschaft leben zu dürfen.
Weniger angenehme Erfahrungen lassen sich vermeiden, indem man sich nicht mit anderen Erasmus-Studierenden vergleicht. Die Kriterien, unter denen das Auslandssemester stattfinden, unterscheiden sich hinsichtlich ECTS und finanzieller Unterstützung von Universität zu Universität auch innerhalb Deutschlands sehr stark. Auch wenn ich es nach wie vor bevorzuge auf dem Landweg zu reisen, hat sich die Entscheidung unter GreenTravel-Bedingungen zu reisen, leider als finanzielle Belastung herausgestellt. Dies lohnt sich wohl eher bei kürzeren Distanzen. Auch hier fallen die Unterstützungsangebote je nach Hochschule sehr unterschiedlich aus. Schön daran ist, dass man nicht innerhalb eines Fluges den Aufenthaltsortwechselt, sondern gerade nach dem Auslandssemester eine kleine Reisephase hat, um sich wieder auf das Leben und die Kultur in der Heimat einzustellen.