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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich hatte schon länger den Wunsch ein Auslandssemester zu absolvieren. Bei der Suche nach einem passenden Ziel fiel meine Wahl schnell auf Bergen. Ich hatte im Vorfeld viel Positives über die Stadt gehört, insbesondere über die Natur, die gute Organisation der Universität sowie die garantierte Unterbringung im Studierendenwohnheim. Rückblickend kann ich sagen, dass diese Entscheidung absolut richtig war.

Die Bewerbungsphase verlief insgesamt sehr reibungslos. Die Universität Potsdam unterstützte den Prozess durch Informationsveranstaltungen und aufbereitete Materialien zum Erasmus-Programm. Auch wenn der Ablauf anfangs etwas komplex wirken kann, war dieser durch die Unterstützung des International Office gut nachvollziehbar. Man wurde von beiden Universitäten sogar aktiv kontaktiert, falls noch Unterlagen fehlten, sodass man nichts Wichtiges vergessen konnte.

Auch die Website der Gasthochschule war sehr hilfreich. Das Kursangebot ist dort übersichtlich dargestellt und alle relevanten Informationen sind auf Englisch verfügbar. Die eigentliche Kurswahl und Anmeldung erfolgte über das Online-Portal Studentweb. Es gibt „open“ Kurse, in die man in der Regel aufgenommen wird und „restricted“ Kurse, bei denen die Zulassung schwieriger ist und einheimische Studierende bevorzugt werden. Ich würde daher empfehlen, möglichst „open“ Kurse zu wählen oder sich zusätzlich für Alternativen anzumelden. Sobald alle Rückmeldungen vorliegen, kann man sich rechtzeitig von den nicht benötigten Kursen abmelden.


Studienfach: Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation M. Sc.

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem an der Universität Bergen ist unserem sehr ähnlich und dadurch leicht verständlich. Plattformen wie Studentweb und MittUiB lassen sich gut mit PULS und Moodle vergleichen. Die meisten Kurse umfassen 10 oder 15 ECTS. Für die Anerkennung an der Universität Potsdam ist es möglich, einen 10-ECTS-Kurs auch als 9- oder 6-ECTS-Kurs anrechnen zu lassen, umgekehrt ist dies jedoch nicht möglich. Wichtig ist außerdem, dass nur benotete Kurse anerkannt werden können, da einige Kurse in Bergen lediglich mit „bestanden/ nicht bestanden“ abschließen, was man in der Kursbeschreibung nachprüfen kann.

Die Kurse für Erasmus-Studenten werden alle auf Englisch angeboten. Ich hatte einen Anthropologie-Kurs „New Technologies and Humans“, einen Politik-Kurs „Democratic Transformations in Europe“ und den Norwegisch A1-Sprachkurs, was für mich als Masterstudentin in Wirtschaftsinformatik eine spannende Abwechslung war. Insgesamt gibt es sehr unterschiedliche Prüfungsformen, wie Hausarbeiten, mündliche Prüfungen, Klausuren oder sogenannte Take-Home-Exams. Diese Informationen sind bereits bei der Kurswahl einsehbar. Die Klausuren werden immer am eigenen Laptop über ein bestimmtes Programm geschrieben, was vorab erklärt wird. Die Bearbeitungszeiten sind teilweise sehr großzügig. Benotet wird von A-F, wobei nur die Note F ein „nicht bestanden“ ist. Eine Umrechnungstabelle zur Anerkennung der Studienleistungen findet sich hier. Das Niveau der Kurse empfand ich als angenehm und gut machbar. Eine Anwesenheitspflicht bestand bei meinen Kursen nur im Sprachkurs. Sehr positiv ist außerdem, dass die Dozierenden für die Notenvergabe nur drei bis vier Wochen Zeit haben und die Ergebnisse anschließend im Studentweb veröffentlicht werden.

Die organisatorische Betreuung durch die Universität war insgesamt sehr gut. Das International Office, die Erasmus-Koordination sowie die Dozierenden waren hilfsbereit und antworteten schnell auf Anfragen. Das Studienklima empfand ich als sehr angenehm. Besonders positiv ist, dass man mit dem Studierendenausweis rund um die Uhr Zugang zu Universitätsgebäuden, Bibliotheken und Lernräumen hat. Die Fakultäten sind über das Stadtzentrum verteilt, jede mit eigener Bibliothek und Cafeteria.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zu einheimischen Studierenden hatte ich eher wenig Kontakt, was für mich jedoch keine Priorität war. Der Austausch mit internationalen Studierenden ergab sich dagegen sehr leicht, insbesondere durch das Wohnen in einer großen Wohngemeinschaft. Ich lebte in einer 16er-WG mit Studierenden aus insgesamt zehn verschiedenen Nationen und kann das auf jeden Fall sehr empfehlen.

Weitere Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, boten die Einführungswoche, ESN-Veranstaltungen und -Reisen, gemeinsame Kurse sowie das Buddy-Programm über ESN. Mein Buddy war sehr nett und die Treffen zu zweit boten eine gute Gelegenheit für persönlichen Austausch über die norwegische Kultur. Auch über Sportkurse im Fitnessstudio in Fantoft oder durch Engagement in studentischen Organisationen kann man gut neue Leute kennenlernen. Letzteres habe ich selbst nicht genutzt, da oft eine monatliche Gebühr anfällt und ich mich zu nichts verpflichten wollte, halte es aber grundsätzlich für eine gute Möglichkeit, Norwegerinnen und Norweger kennenzulernen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Während des Auslandsaufenthalts habe ich eine deutliche Verbesserung meiner Englischkenntnisse bemerkt. Man findet schnell in die Sprache hinein und kann sich besser verständigen, als man es vielleicht im Vorfeld erwartet. Zusätzlich habe ich durch den Norwegisch-A1-Kurs eine neue Sprache gelernt, was ich sehr empfehlen kann. Neben sprachlichen Grundlagen lernt man auch viel über die Kultur und durch die vielen Gruppenarbeiten kommt man leicht mit anderen Studierenden ins Gespräch.

Wohn-  und Lebenssituation

Die Wohnsituation war sehr gut organisiert, da es eine Housing Guarantee gibt und man sich nicht selbst um eine Unterkunft kümmern muss. Die meisten Erasmus-Studierenden wohnen in Fantoft. Ich reiste Anfang August an, als bereits ein Teil meiner WG eingezogen war, was den Einstieg erleichterte. Bei der Ankunft erhält man im Servicecenter die Schlüssel und Unterstützung bei Fragen. Die Mietzahlung erfolgt zu Beginn jeden Monats online.

In der 16er-WG teilt man sich ein Zimmer zu zweit (nach Geschlechtern getrennt), ausgestattet mit Hochbett, zwei Schreibtischen und zwei Schränken, sowie ein kleines Bad mit Dusche. Küche und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Trotz der vielen Mitbewohner hatte man im Zimmer ausreichend Privatsphäre, während Gemeinschaftsräume jederzeit für Austausch zur Verfügung standen. Ich dachte, es wäre viel herausfordernder mit einer fremden Person in einem Zimmer zu schlafen und mit so vielen Menschen zusammen zu wohnen, kann aber für meinen Teil sagen, dass ich mich sehr schnell wohl gefühlt habe und es total viele Vorteile hatte. Man lernt vom ersten Tag an viele neue Menschen kennen und hat immer jemanden mit dem man reden, zusammen essen oder was unternehmen kann.

Wichtig ist, dass man seine eigene Bettwäsche, Handtücher sowie grundlegende Dinge selbst mitbringen oder vor Ort kaufen muss. Sehr hilfreich ist das „Reuse Festival“ zum Semesterbeginn, bei dem man kostenlos gebrauchte Haushaltsgegenstände, wie Wäscheständer, Schreibtischlampen oder Mülleimer erhält.

Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut. Mit der Skyss-App kann man ein Monatsticket buchen (ca. 40 Euro). Die Straßenbahn verbindet den Flughafen, Fantoft und das Stadtzentrum. Bargeld wird kaum genutzt, eine Kreditkarte ist daher notwendig.

Die Lebenshaltungskosten in Norwegen sind hoch, insbesondere für Lebensmittel. Discounter wie Kiwi oder Rema sind vergleichsweise günstig und wöchentliche Angebote lohnen sich sehr. Reisen innerhalb Norwegens können je nach Gruppengröße relativ günstig sein. Für Sport- und Outdoorbekleidung empfiehlt sich ein Besuch in Sport-Outlets. Für Drogerieartikel gibt es den Laden „Normal“, für Kosmetik gibt es H&M.

In Bezug auf die Krankenversicherung ist in der Regel bereits über die gesetzliche Krankenversicherung abgesichert. Diese deckt allerdings meist nur die notwendigsten Leistungen ab. Ich habe mich zusätzlich für eine Auslandskrankenversicherung bei der HanseMerkur entschieden, da diese im Notfall auch einen Rücktransport nach Deutschland abgedeckt hätte.

Studienfach: Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation M. Sc.

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Rückblick

Insgesamt kann ich ein Auslandssemester in Bergen sehr empfehlen. Man sollte sich bewusst sein, dass Norwegen teuer ist, bekommt dafür aber eine einzigartige Natur, viele Freizeitmöglichkeiten und eine sehr gute Organisation geboten.

Tipps und Empfehlungen

  • Wetterfeste Wanderschuhe sind absolut essenziell. Die Wanderwege sind sehr schlammig und moorig, auch im Sommer, wenn es nicht geregnet hat. Ich habe mir gute Wanderschuhe in einem Sport-Outlet gekauft und kann das sehr empfehlen.
  • Man braucht weniger Kleidung, als man denkt. Es gibt Waschräume, die über die App AppWash genutzt werden (ca. 2 € pro Waschgang, Trocknen ist kostenlos).
  • Praktisch ist außerdem, dass man über eine Organisation namens BUA kostenlos Outdoor-Ausrüstung, wie Wanderschuhe (z. B. für Besuch), Skier oder andere Sport- und Wanderausstattung für 1-2 Wochen ausleihen kann.
  • Ein tolles Ziel über die Monate war die sieben Berge rund um Bergen zu besteigen.
  • Sehr lohnenswerte Ausflüge sind außerdem Trolltunga, Preikestolen und Stavanger.
  • Eine Hüttenwanderung (eine oder mehrere Nächte in einer DNT-Hütte in der Natur) ist ein echtes Highlight. Ich kann die Støvegolvet Turisthytte sehr empfehlen, diese ist nicht weit weg und die Wanderung ist vergleichsweise einfach.
  • Mit dem Zug kann man für ein Wochenende nach Oslo.
  • Das nächste Skigebiet ist Voss. Wir waren in Geilo, was etwas weiter weg ist, aber höhere Chancen auf Schnee hat. Da kann man Ski fahren oder Langlauf machen.

Hilfreiche Apps

  • Yr als Wetter-App ist am zuverlässigsten. Das Wetter ist nicht so schlimm wie man denkt, es gab viele sonnige Tage und wenn es regnet, dann oft nicht den ganzen Tag.
  • Komoot eignet sich gut zum Wandern.
  • Aurora zur Prüfung der Wahrscheinlichkeit von Polarlichtern. Von Fantoft aus gibt es 5 Minuten entfernt den Park Storetveitmarken, in dem man Polarlichter gut sehen kann. Meist erkennt man sie vor allem durch die Langzeitbelichtung des Handys (10 sek.). Wir hatten aber auch Abende, an denen man sie mit dem bloßen Auge sehr gut sehen konnte. Es ist Glückssache, aber über die Zeit hat man gute Chancen, zumindest durchs Handy Polarlichter zu sehen.
  • Entur für Zug- und Busfahrten außerhalb von Bergen.
  • eTilbudsavis zeigt wöchentliche Angebote der Supermärkte.
  • Too Good To Go ist empfehlenswert, wenn man nicht so wählerisch beim Essen ist.

Norwegen

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