Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Ich war mit der Vorbereitung insgesamt sehr zufrieden. Meine Heimuniversität hat einen Großteil der organisatorischen Aufgaben übernommen, sodass man im Grunde nur die Bewerbung abschicken musste und alles Weitere geklärt wurde. Dazu gehörten auch alle Fristen sowie die notwendigen Kontaktaufnahmen mit der Gasthochschule. Das hat vieles enorm vereinfacht, sodass ich mir kaum eine bessere Organisation hätte wünschen können.
Man wird wirklich von Anfang bis Ende an die Hand genommen und muss selbst nur wenig Eigeninitiative zeigen. Auch der Bewerbungsprozess war übersichtlich, transparent und fair gestaltet.
Studium an der Gastuniversität
Da ich mit meinem Bachelorstudium schon fast fertig war, habe ich während des Erasmusaufenthalts vor allem Masterkurse belegt – hauptsächlich aus dem Bereich, der mich für mein weiteres Studium am meisten interessiert. Dabei hatte ich sogar die Möglichkeit, Kurse aus anderen Studienrichtungen zu wählen, was mir Einblicke in verschiedene Masterprogramme ermöglicht hat. Das hat mir persönlich und akademisch sehr gefallen und mich definitiv weitergebracht.
Die Universität Wien ist insgesamt sehr gut organisiert und strukturiert. Die Kursanmeldung, die Organisation der Lehrveranstaltungen, die Durchführung von Projekten sowie die Leistungsbewertung waren sehr transparent, fair und gut nachvollziehbar. Das fand ich wirklich angenehm. Sowohl die Professor:innen als auch meine Mitstudierenden waren sehr motiviert, und ich konnte aus fast jeder Veranstaltung viel mitnehmen.
Die Uni bietet außerdem sehr gut ausgestattete höchstmoderne Lern- und Vorlesungsräume, was zusätzlich deutlich motiviert hat. Die Hauptbibliothek der Universität Wien war während meines Aufenthalts leider wegen Bauarbeiten geschlossen und wird erst 2027 wieder öffnen. Sie ist aber sehr beeindruckend und erinnert ein bisschen an Hogwarts.
Teilweise war der Uni-Stoff im Rahmen des Erasmusprogramms recht viel, vor allem in der Anfangsphase mit vielen Kennenlern-Events oder später während der Prüfungsphasen. Dadurch war es stellenweise anstrengender als an meiner Heimuniversität. Insgesamt würde ich aber sagen, dass das Studium inhaltlich anspruchsvoller war, mir dafür aber auch neue Perspektiven eröffnet und mich mehr weitergebracht hat als ein reguläres Semester zu Hause.
In einer so großen Stadt wie Wien und an einer so großen Universität ist die Studierendenbetreuung zwar grundsätzlich vorhanden, aber nicht immer ganz leicht zu erreichen. Meine Erasmus-Koordinator:innen haben mir dabei jedoch sehr geholfen. Generell bietet eine große Stadt viele Möglichkeiten und Programme, erfordert aber auch mehr Eigeninitiative.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Im Erasmusprogramm hat man insgesamt mehr Kontakt zu internationalen Studierenden als zu Einheimischen. In Wien fiel es mir aber vergleichsweise leicht, auch mit Locals in Kontakt zu kommen – wahrscheinlich auch, weil wir dieselbe Sprache sprechen und man gemeinsam an vielen Orten in der Stadt unterwegs ist.
Der Hauptgrund für den Kontakt zu Einheimischen waren jedoch oft andere internationale Studierende, die über ihre Freundesgruppen oder Mitbewohner:innen wiederum Kontakt zu Wiener:innen hatten. In diesem Zusammenhang kann ich WG-Gesucht sehr empfehlen.
Ich hatte eine feste Freundesgruppe aus internationalen Studierenden, mit denen wir sehr viel zusammen unternommen haben (eigentlich fast jeden Tag). Zusätzlich hat man bei Events wie Spieleabenden oder Veranstaltungen vom ESN immer wieder neue und alte Bekannte getroffen. Unter den internationalen Studierenden haben wir meistens Englisch gesprochen, mit den Wiener:innen konnte man sich aber problemlos auf Hochdeutsch unterhalten.
Wohn- und Lebenssituation
Im Vergleich zu vielen anderen habe ich mich relativ spät um eine Unterkunft gekümmert, nämlich erst Anfang bis Mitte September. Trotzdem habe ich nach etwa einer Woche über WG-Gesucht ein Zimmer gefunden, das allerdings recht teuer war. Generell findet man in Wien für eine Großstadt aber auch günstigere WGs (ca. 400–500 €), sollte sich dann jedoch frühzeitig und intensiver mit der Wohnungssuche beschäftigen.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien sind mit Abstand die besten, die ich bisher in einer Großstadt erlebt habe. Wenn man in der Nähe einer U-Bahn wohnt, ist man fast überall in 20–25 Minuten – das ist für die Größe der Stadt wirklich beeindruckend.
Ein kleiner organisatorischer Punkt: Ich bin in Deutschland bei der Sparkasse und bin davon ausgegangen, dass das Abheben von Bargeld bei der Sparkasse in Wien problemlos funktioniert. Das war leider nicht der Fall, und ich musste oft relativ hohe Gebühren (ca. 10–15 €) zahlen. Das ist zwar nicht dramatisch, da man in Wien fast überall mit Karte zahlen kann, aber wenn ich nochmal ins Erasmus gehen würde, würde ich darauf achten.
Die europäische Krankenversicherung, die in der regulären Krankenversicherung enthalten ist, hat bei mir sehr gut funktioniert. Ich war mehrmals beim Arzt und musste keine zusätzlichen größeren Rechnungen bezahlen – alles wurde übernommen.
Studienfach: Kognitionswissenschaften (in Wien Bsc. Psychologie)
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Universität Wien
Gastland: Österreich
Rückblick
Insgesamt kann ich Wien und das Erasmusprogramm uneingeschränkt empfehlen. Natürlich gibt es immer kleinere Schwierigkeiten oder neue Dinge, auf die man sich einstellen muss. Wien ist aber eine extrem gut organisierte, sehr schöne Stadt und besonders für alle, die Großstädte, ein Abenteuer und eine hochwertige universitäre Ausbildung schätzen, eine sehr gute Wahl.
Pro-Tipp: Wien lieber im Sommersemester als im Wintersemester – wobei der Winter mit den Weihnachtsmärkten trotzdem seinen ganz eigenen Charme hat.