Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Für jede*n von euch startet das Erasmusabenteuer mit der fristgerechten Bewerbung. Informiert euch hierzu auf der Website des International Office (IO) (https://www.uni-potsdam.de/de/international/outgoing/studium/erasmus). Nachdem ihr für einen Platz ausgewählt wurdet, müsst ihr den Platz annehmen. Haltet euch an die Schritt-für-Schritt-Liste des IO, dann kann eigentlich wenig schiefgehen. Zudem gibt es Veranstaltungen des IO, in Präsenz und online, zu denen ihr rechtzeitig Einladungen bekommt. Auch empfehle ich, sich frühzeitig mit anderen Studierenden mit dem gleichen Ziel zusammenzutun. Ich fand es immer beruhigend, jemanden mit den gleichen Problemen zu haben. Dafür habe ich die Moodle-Seite des Erasmus für mein Semester genutzt. Dieser werdet ihr nach Annahme des Platzes hinzugefügt.
Für die Gastuniversität hielt sich der bürokratische Aufwand im Vorhinein sehr in Grenzen. Zunächst reichte ein Foto meines Passes und meiner Krankenkarte und ich erhielt einen Letter of Acceptance, war also von der UV angenommen. Später erhielt ich die Mail, mich bis Mitte September in Fächer zu einzuschreiben. Für mich war eine Reihe von im Vorfeld nicht bekannten Faktoren für meine Fächerwahl entscheidend, wie die sprachliche Klarheit der Lehrkraft, Aufbereitung der Lehre usw. Daher wollte ich gerne erst die erste Vorlesungswoche abwarten und dann erst endgültig wählen, um mir einen Änderungsantrag zu ersparen. Dies stellte sich am Willkommenstag als Fehler heraus. Die Einschreibung in Fächer ist an der UV Voraussetzung für alle Services der Uni. Von den Onlineplattformen mit wichtigen Mails bis zum Hochschulsport. Also schrieb ich mich schnell noch in die Fächer meines Online Learning Agreements (OLA) ein und war noch in der ersten Woche in Spanien endgültig eingeschrieben.
Studium an der Gastuniversität
Wie erwartet, war ich mit diesem Stundenplan nicht glücklich. Ich hatte rein nach Interesse unter Berücksichtigung der Anrechnungsmöglichkeiten in Potsdam gewählt. Das Resultat war ein Flickteppich aus Morgenkursen (9:00-14:00 Uhr) und Nachmittagskursen (16:00-21:00 Uhr). In Spanien gibt es nämlich diese beiden Blöcke. Innerhalb des Blocks bestehen die meisten Fächer aus einer Zeitstunde zu drei Terminen in der Woche und einem zusätzlichen Termin (actividad complementaria). Letzter kann z.B. aus Konferenzen, aber auch Exkursionen bestehen. Er findet selten statt, dann aber meist im Rahmen einer benoteten Leistung. Während der vier Jahre bis zum Bachelor ist den fest in Spanien studierenden Kommilitonen pro Jahr ein starrer Stundenplan, nachmittags oder abends, vorgegeben. Wahlmöglichkeiten, wie man das von deutschen Seminaren kennt, gibt es nicht. Um mir das Leben zu erleichtern, habe ich größtenteils Kurse aus einer dieser Klassen gewählt. Obwohl ich absolut kein Morgenmensch bin, wählte ich einen morgendlichen Block. Dadurch hatte ich erst die Chance auf ein Sozialleben unter der Woche. Ich stellte also die Möglichkeit Freunde zu treffen, Sport zu treiben und einen geregelten Tagesrhythmus zu haben über meine fachlichen Interessen. Ich persönlich empfehle das auch jedem im Zweifelsfall so zu entscheiden.
Die Fächer selbst sind mit Ausnahme der bereits erwähnten zusätzlichen Aktivität (actividad complementaria) und der praktischen Übung (actividad práctica) Frontalunterricht, der vielleicht am ehesten dem Vorlesungsformat bei uns entspricht. Es ist jedoch völlig normal den Professoren zu unterbrechen und um Wiederholung des Gesagten zu bitten. Das geschieht ganz selbstverständlich in der Du-Form. Schockierend für uns nordeuropäische Erasmusstudenten war zu beobachten, wie 50 bis 60 Studierende versuchen jedes Wort der Lehrperson mitzuschreiben. Es fühlt sich an wie ein Diktat. Der Dozierende hat einen Blick auf die Geschichte und diktiert diesen. Begründet oder mit Quellen untermalt wird eher selten, am ehesten in der praktischen Übung in getrennter Form. Die Flut an Inhalten ist wahnsinnig. In die Tiefe gegangen, wie man das aus Potsdam kennt, wird selten. Man bleibt auf einem Überblicksniveau bis zum Schluss des Bachelors. In machen Fächern wurde praktisch drei Stunden die Woche diktiert.
Tatsächlich ist das meiste oder gleich alles prüfungsrelevant. Das bedeutet, dass man gerne mal acht Jahrhunderte des Mittelalters auswendig lernen darf und im Januar auf das Papier bringen. Es wird vielleicht wenig überraschen, dass ich bei vier Fächern à 6 ECTS schon einen Januar hatte, an dem ich quasi durchlernen durfte. Sehr viele Spanier gaben auch mindestens eine Klausur vorzeitig ab. Generell präferiere ich das deutsche System, da es anhand von konkreten Seminaren eher Methoden schult. Vorteil des spanischen ist allerdings, dass man tatsächlich einen sehr guten Überblick über eine Epoche in Europa oder Spanien gewinnt. Für die Gesamtleistung zählte das Examen am Ende 60-70% der Note. Die Actividad Complementaria zählt 10% und die Actividad Práctica 20-30%. Diese Übungen kamen teilweise wie reiner Zeitdiebstahl ohne Sinn vor. Beispielsweise durfte man für ein Fach acht Dokumentationen zusammenfassen, was 10% der Note bildete.
Die UV verfügt für die unausweichlichen Lernsessions über sehr gute Bibliotheken. Öffentliche Computer habe ich eher weniger gesehen, aber es gibt genug Plätze an mehreren Standorten und der Raum ist im Sommer gekühlt und im Winter beheizt. Beides werdet ihr bei einem Aufenthalt in Valencia mehr als zu schätzen wissen. Das Personal in der Bibliothek, aber generell die in der Verwaltung und Lehre arbeitenden Menschen sind sehr hilfsbereit und nett. Während der Klausurenphase haben einige Universitätsbibliotheken rund um die Uhr geöffnet.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Durch mehrere Aufenthalte in spanischsprachigen Ländern und jahrelanges Lernen verfüge ich über ein sehr gutes und auch praktisch angewendetes Spanisch. Valencianer haben im Spanischen keinen besonderen Akzent und sind problemlos zu verstehen. Neben Castellano existiert auch Valenciano, der lokale Dialekt des Katalanischen in der Region. Generell gibt es gleich viele Fächer in beiden Sprachen. Englische Fächer sind die Ausnahme, in meinem Fach existierten beispielsweise keine. Im Unterricht kann es auch mal sein, dass ein Kommilitone seinen Beitrag auf Valenciano verfasst. Das ist nämlich an der UV sein Recht und der Dozent muss das auch verstehen können. An der Universität und auf öffentlichen Dokumenten ist das Valenciano auch sehr präsent. Allerdings ist es im Alltag der Metropole selten vorzutreffen. Auch im Unterricht bleibt es fast immer auf die Kurse in Valenciano beschränkt. Um es zu hören, muss man auf das Land und in kleinere Städte fahren. Zusammenfassend muss ich betonen, dass man für Valencia mit Spanisch mehr als ausreichend ausgestattet ist.
Im Unterricht ist es auch mit erprobten Sprachfähigkeiten nicht immer einfach zu folgen, aber dann fragt man seine immer hilfsbereiten spanischen Kommilitonen um Mitschriften. Andere Erasmusstudenten, die das Spanische erst vor kürzerer Zeit gelernt haben, kamen insgesamt gut mit im Unterricht. Es ist allgemein einfacher einem universitären Kontext zu folgen als einer Alltagskonversation. Mit einem guten B1, besser B2, kommt ihr erstaunlich schnell rein in die Sprache. Ich persönlich habe jetzt nach dem Aufenthalt zeitnahe vor, mich für ein C1 Zertifikat anzumelden. Dafür fühle ich mich jetzt schriftlichem und mündlichem Ausdruck schon ganz gut vorbereitet.
Sozialleben und Freizeit
Meiner Erfahrung nach ist die spanische Gesellschaft, vieler Vorurteile zum Trotz, eine recht verschlossene gegenüber zugezogenen Menschen. Diese Erfahrung teilen nicht nur andere Erasmusstudenten, die nur ein halbes Jahr da waren, sondern auch Immigranten aus beispielsweise lateinamerikanischen Ländern. Auch nach Jahren und trotz des Spanischen als Muttersprache kommen sie nur schwer in der spanischen Gesellschaft an. Konkret für euch heißt das, dass ihr im Alltag sehr freundlich behandelt werdet. Man wird euch auch helfen, wenn ihr Hilfe braucht. Jedoch in die Kreise lokaler Studierenden zu gelangen ist die absolute Ausnahme, selbst wenn ihr es versucht. Andersrum könnt ihr bei Auslandsaufenthalten von Spanier*innen sehen, wie diese größtenteils unter sich bleiben werden.
Wenn ihr dennoch Alltagsspanisch lernen wollt und eine Faszination für die spanischsprachige Welt habt, dann freut euch Latinos kennenzulernen. Ich hatte Freunde aus Venezuela, Bolivien, Argentinien, Kolumbien, Ecuador und Guatemala. Diese sind aufgrund ihrer Migrationsgeschichte meist genauso auf der Suche nach Kontakten wie ihr. Dasselbe gilt auch die anderen Erasmusstudierenden aus ganz Europa. Das Erasmus Student Network (ESN), das es auch in Potsdam gibt, veranstaltet viele Events, auf denen ihr andere Studis kennenlernen könnt. Gerade am Anfang wird das in einer Flut der immer selben Fragen wie „Hallo, was studierst du?“ resultieren. Viele Kontakte werden ausgetauscht und viele gehen auch gleich wieder verloren. Ich kann trotzdem nur empfehlen, gerade in den ersten Wochen, zu diesen Veranstaltungen zu gehen. Vergesst dabei nicht: Alle sind am Suchen nach neuen Kontakten und Erlebnissen. Traut euch einfach mal zu fragen, wer am nächsten Tag mit zum Strand will, und es ergibt sich schneller etwas als gedacht.
Dennoch will ich klar sagen, dass Überforderung und Einsamkeit fest zu einem Erasmus gehören. Persönlich machte mir gerade die anfängliche Oberflächlichkeit der Kontakte sehr zu schaffen. Menschen und Gruppen, bei denen man auf engere Bindungen hoffte, verschwinden, während andere einem unerwartet vertraut werden. Bleibt offen und nutzt das breite Angebot für Menschen, denen es genauso geht wie euch. Neben dem ESN gibt es eine Reihe von privaten, kommerziellen Veranstaltern.
Valencia Language Exchange: Dort findet man tendenziell etwas ältere junge Menschen. Es werden abendliche Treffen und Ausflüge angeboten. (https://valencialanguageexchange.com/)
Erasmus Life (https://www.erasmus-valencia.com/) und Happy Erasmus (https://www.erasmusvalencia.com/):
Diese Organisationen bieten alles für ein Erasmus. Von kostenlosen Parties, über Ausflüge, bis hin zu Wohnungen. Gerade am Anfang findet man hier viele kontaktsuchende Erasmusstudis. Auch später kann man mit ihnen organisierte Reisen machen, wenn man nicht selbst organisieren will oder kann.
Zudem sind Sport und gemeinsame Hobbies eine großartige Möglichkeit an neue Kontakte zu gelangen. In meinem Beispiel war eine Volleyballcommunity, die viel zu meinem Erasmus beigetragen hat. Von spaßigem Spielen am Strand bis zur Teilnahme an der Uniliga mit meinem Team prägte dieser Sport meinen Alltag. Andere gehen gerne (Bachata) tanzen oder genießen Livemusik. Ich nenne einige Beispiele, deren Angebote ich sehr oft, oder immer wieder gerne nutzte:
Volleyworld meist samstags ab 12:00 am Strand, weitere Angebote (https://chat.whatsapp.com/IxjX2XOjjDa42KWsN5mf5K)
MickeyHouse, z.B. am Mittwoch ab 20:30 Uhr (https://www.mikyhouse.net/)
RadioCity, z.B. am Sonntag ab 21:00 Uhr (https://radiocityvalencia.es/en/)
Valencia ist eine unglaublich lebenswerte Stadt. Für den gewöhnlichen Erasmusstudenten sind folgende Bereiche am wichtigsten: Erstens lässt sich in der Altstadt gut durch Gassen schlendern, etwas essen oder Kultureinrichtungen besuchen. Die Monumente sind wunderschön. Zweitens wurde der Fluss Turia umgeleitet. Auf seinem alten Flussbett ist heute ein Park, der sich durch die ganze Stadt zieht. Er bietet botanische Vielfalt und Sportmöglichkeiten. Schon ein einfaches Picknick hier ist ein schönes Erlebnis. Drittens ist der Strand gerade für uns Potsdamer fabelhaft. Ausschließlich Sand und gute Wasserqualität machen ihn zum beliebten Treffpunkt. Dazu kommen die kostenlosen Möglichkeiten Volleyball zu spielen oder andere Sportarten zu treiben. Viertens ist die Gegend um die Avenida Blasco Ibañez herum das Studentenviertel. Hier ist die Uni, aber auch viele kostengünstige Bars und einige Clubs. Fünftens wirst du dein Lieblingsviertel finden. Cabanyal/Cabañal ist durch kleine bunte Häuschen gekennzeichnet, während Russafa/Ruzafa durch trendige Cafés geprägt ist. Beide sind hochgradig von Gentrifikation gekennzeichnet. Jedoch sind sie auf jeden Fall einen Besuch wert.
Über das Jahr verteilt finden in Valencia regionale Festlichkeiten statt. Diese geben oft einen schönen Einblick in die valencianische und spanische Kultur. Am neunten Oktober begeht man den „Dia de la Comunitat Valenciana“ mit Umzügen und dem größten Feuerwerk, das ihr je gesehen habt. Der sechste Januar, Heilige Drei Könige, ist in Spanien der eigentliche Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten. Am Tag zuvor, den fünften Januar, findet in der Innenstadt ein großer Umzug statt, bei dem Caspar, Melchior und Balthasar in die Stadt einziehen. Zudem haben die einzelnen Bezirke immer wieder ihre eigenen Feierlichkeiten, vor allem im September. Events, Konzerte, Festivals und Feste sind so zahlreich, dass ich nicht alle sehen konnte. Das größte Fest Valencias ist das Fühlingsfest „Les Falles“/„Las Fallas“ im März. In jedem Fall wird in Valencia jeden Tag irgendwo ein Feuerwerk gezündet.
Zum Wetter ist noch erwähnenswert, dass der Sommer sehr heiß werden kann. Das überrascht wahrscheinlich niemanden. Jedoch sind schon weniger Menschen auf die frischen fünf bis 15 Grad Celsius im Dezember und Januar vorbereitet. Durch den Wind, die Luftfeuchtigkeit aufgrund der Küstenlage können diese Temperaturen sich wirklich eisig anfühlen. In den Häusern ist es sogar am schlimmsten, da die meisten spanischen Häuser eine wirklich katastrophale Isolation haben. Sprünge in den Schiebefenstern sind nicht selten anzutreffen. Es ist innen oft kälter als außen. Dieser zu Zustand ist im Wesentlichen auf Dezember und Januar beschränkt. Durch den Klimawandel haben Extremwetterereignisse zugenommen. Die Flutkatastrophe in Spanien 2024 (inundaciones de la DANA) haben in der Comunidad Valenciana 229 Tote gefordert. Diese Tragödie ist weiterhin sehr präsent in den Köpfen der Menschen. Der Katastrophenschutz versagte damals großflächig und warnte viel zu spät. Auch während meines Aufenthalts 2025 gab es extreme Regenfälle im Oktober. Aus Vorsicht wurde die Universität insgesamt 5 Tage zu verschiedenen Zeitpunkten abgesagt. Man sollte daher stets einen Lebensmittelvorrat und genug Trinkwasser für einige Tage zu Hause haben. Durch den Klimawandel gehören diese Ereignisse schon jetzt in einer neuen Häufigkeit zur neuen Realität von Valencia.
Valencias geographische Lage lädt zu Ausflügen ein. Erstens gibt es in der Comunidad Autónoma de Valencia, also der mittleren Verwaltungseinheit, es eine große Menge an Aktivitäten. Kleine mittelalterliche Städtchen und Dörfer laden zum Flanieren und Entdecken ein. Beispiele sind Xàtiva/Játiva mit seiner Burg, auf der angeblich schon Hannibals Sohn das Licht der Welt entdeckte, die Römerstadt Sagunt/Sagunto oder die Fischerdörfer im Naturpark L’Albufera/La Albufera, dem Geburtsort der Paella. Diese Ziele sind per Direktverbindung innerhalb von 30 Minuten bis zu einer Stunde mit dem Zug von der Estació del Nord beziehungsweise per Bus von der Porta de la Mar (L’Albufera) erreichbar. Für Naturliebhaber bieten sich zudem die Berge wie die des Nationalpark Parpalló-Borrell bei Gandia, südlich von Valencia oder der Parc Natural de la Serra Calderona im Norden an. Etwas weiter, aber trotzdem gut als Tagesausflug möglich sind zudem die aus Game of Thrones bekannte Halbinsel Peníscola/Peñíscola an der Grenze zu Katalonien und die beliebte Küstenstadt Alacant/Alicante in Richtung der Comunidad Autónoma de Murcia. Von Alacant aus kann man weitere Orte wie Elx/Elche entdecken.
Zweitens waren meine persönlichen Highlights die folgenden Roadtrips: Aragonien ist von kleinen Dörfern mit Verteidigungsanalgen gekennzeichnet. Zudem findet mal mit Albarracín das vielleicht schönste Dorf Spaniens. In Teruel kann man den Mudéjar-Stil, eine einzigartige Form der Mischung zwischen christlichen und muslimischen Elementen in der Architektur, bewundern. Die Regionalhauptstadt Zaragoza besticht mit einer gewaltigen Kathedrale, schönen Häusern und dem nördlichsten arabischen Gebäude in Europa aus dem Mittelalter, dem Palacio de la Aljafería. Zudem finden dort im Oktober die „Fiestas de la Virgen de Pilar“ statt, die Zaragoza mehrere Tage lang in einen Ausnahmezustand versetzen. Einen weiteren Roadtrip unternahmen wir nach Murcia. Hier ist die Regionalhauptstadt Murcia noch ein kleiner Geheimtipp und für ein paar Stunden auf jeden Fall einen Besuch wert. Wegen seines gut erhaltenen römischen Theaters und der schönen Lage am Mittelmeer ist Cartagena deutlich touristischer. Beide diese Roadtrips unternahmen wir per Mietwagen. Hier muss man aufpassen, dass man am besten direkt beim Anbieter bucht. Es lohnt sich wohl die Vollkasko des Verleihers zu nehmen, da man sonst gerne für Schäden verantwortlich gemacht wird, die man nicht verursacht hat. Eine Versicherung über einen dritten Anbieter hilft da nur begrenzt. Übernachtet haben wir in Hostels. Weitere Ziele für solche Roadtrips könnten Katalonien oder Andalusien sein. Das Auto erlaubt auf jeden Fall spektakuläre Landschaften und viele Dörfer zu sehen, die ich hier gar nicht auflisten kann.
Drittens bin ich vom Hafen von Valencia zweimal auf eine Balearische Insel, genauer gesagt Mallorca und Ibiza, aufgebrochen. Die Preise für die Fähren schwanken massiv, können aber auf 50-80€ für Hin- und Rückfahrt fallen. Auf Mallorca habe ich einen Campingtrip ab Sóller unternommen. Von Palma fährt eine historische Holzeisenbahn oder der preiswertere Bus in das Fischerdorf. Von hier aus bin ich in die Berge gestartet. Campingplätze gibt es auf Lluc das ganze Jahr. Die Landschaften sind spektakulär. Zudem hat die Insel Traumstrände, die historische Altstadt von Palma und bei Bedarf den Ballermann zu bieten. Ibiza ist näher an Valencia und viel kleiner. Hier sind es meiner Meinung nach vor allem die Traumbuchten und die Festung von Eivissa, die absolut sehenswert sind.
Viertens sind die Großstädte Barcelona und Madrid per Zugverbindung schnell erreicht. Der königlichen und der katalanischen Hauptstadt eilen jeweils ein Ruf voraus, sodass ich mir hier Details ersparte.
Wohn- und Lebenssituation
Meine Wohnung habe ich im August aus Deutschland gefunden. Ich hatte keine Nerven für die Suche auf dem freien Markt. Dieser findet im Wesentlichen Idealista (spanisches WG-gesucht) und auf Facebook statt. Hier kann man bei genügend Zeit den besseren Deal machen. Agenturen hingegen nehmen sich eine „Servicegebühr“ in Höhe einer Kaltmiete heraus. Meine Agentur, „Valencia House“, war sehr schlecht und ich rate unbedingt von dieser ab. Sie versuchen jeden Cent aus den Studenten zu quetschen und für den gewöhnlichen Verschleiß der Wohnung verantwortlich zu machen. Anderen erging es besser. Zum Thema wohnen ist noch erwähnenswert, dass das WG-Konzept in Spanien nicht wie in Deutschland existiert. Daher empfehle ich aus eher mit internationalen Studierenden zusammenzuleben. Viele Einheimische sind übers Wochenende in ihren Herkunftsdörfern und (verständlicherweise) nicht an dem Erasmusleben interessiert, dass ihr wahrscheinlich lebt. Aus Kostengründen wohnen die meisten Spanier, die es geographisch können, während des Studiums bei ihren Eltern.
Der öffentliche Nahverkehr in Valencia besteht aus Tram, Bus und Metro. Für alle drei gibt es eine Karte, die aber etwas kompliziert zu bekommen ist. Ich habe daher für meinen Aufenthalt eine aufladbare Zehnerkarte genutzt. Da jede Fahrt in der inneren Zone nur 54 Cent kostete, war der ökonomische Verlust für mich kaum existent. Wer allerdings viel Öffis nutzen muss, sollte sich um das sehr günstige Monatsabo kümmern. Metro und Tram sind stets pünktlich und zuverlässig. Der Bus hingegen kommt ein bisschen, wann er will. Zudem empfinde ich die Metro als stressfreier. Allerdings ist nicht jeder Ort in Valencia gut mit der Metro zu erreichen. Daher habe ich dann die Metro mit einem Leihfahrrad verknüpft. Hier lohnt sich ein Abo beim „lokalen Nextbike“, „Valenbici“. Für 27€ im Jahr kann man für eine halbe Stunde am Stück ein Rad ausleihen, was für quasi jedes Ziel in Valencia genug Zeit ist. Andere haben sich gleich ein Bike gekauft.
Eure deutschen Bankkarten funktionieren problemlos in Spanien. Allerdings wird „Bizum“ im Alltag für Transfers unter Freunden oder kleine Spenden genutzt. Dafür bräuchtet ihr ein spanisches Bankkonto, wie ihr es am Campus Tarongers der UV machen könnt. Ich habe darauf verzichtet und die wenigen Male, wo es unausweichlich war, hat ein einheimischer Freund für mich gezahlt. Auch meine normale Krankenversicherung bestätigte mir im Vorfeld, dass ein kurzer Aufenthalt kein Problem in der EU ist. Es lohnt sich sicher vor Reiseantritt nochmal individuell die Leistungen durchzugehen.
Valencia ist im Vergleich zu Deutschland im Schnitt billiger. Lebensmittel im Supermarkt sind vergleichbar teuer, auch wenn regionale und saisonale Gemüse billiger sein können. Wohnen ist auch billiger und ab 300€ pro Monat könnt ihr schon ein Zimmer finden. Für eine in Berlin oder Potsdam günstige Miete von 500€ könnt ihr oft schon recht komfortabel wohnen. Allerdings steigen in Valencia auch die Mieten ständig. Ausgehen war überraschend günstig, da Bars und Restaurants im Schnitt billiger sind. Zudem gibt es über die schon erwähnten Anbieter wie Erasmus Life und Happy Erasmus jeden Tag die Möglichkeit an kostenlose Clubeintritte zu kommen. Für diese müsst ihr euch nur im Vorfeld Tickets per Mail schicken lassen und vor 1 Uhr nachts im Club sein. Ich habe während meines gesamten Aufenthalts für keinen Club je Eintritt bezahlt, obwohl die größten und bekanntesten der Stadt dabei waren (Umbracle, Akuarela, Committee…). Selbst die Ausflüge können durch geteilte Kosten und günstige Angebote auf ein Minimum reduziert werden.
Studienfach: Geschichte, Politik und Gesellschaft (GPG) B.A.
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026
Gastuniversität: Universitat de Valencia
Gastland: Spanien
Rückblick
Insgesamt bin ich sehr glücklich und dankbar, ein Erasmussemester in Valencia verbracht zu haben. Die Stadt hat unglaublich viel zu bieten und lädt dennoch zur Entschleunigung ein. Wer gerne nahe an der Natur leben möchte, aber trotzdem noch in einer Stadt, ist hier genau richtig. Als „alter Hase“ in meinem zweiten Erasmus, habe ich in Valencia tatsächlich ein Stück näher zu mir selbst finden dürfen. Sprachlich und fachlich verlasse ich Spanien auf einem in der Berufswelt anwendbaren Niveau. Ich glaube, dass die Stadt für jeden etwas zu bieten hat. Vielleicht ist daher mein größter Schwachpunkt, dass sie überlaufen sein kann. In der Altstadt sind es Touristen, in den Trendvierteln sich selbst als „Expats“ bezeichnende Immigranten, die die lokale Kultur verdrängen. Auch wir Erasmus sind ein Teil davon, da es einfach unglaublich viele sind in Valencia. Also lernt Spanisch und gerne noch Valenciano, um etwas mehr ein Teil Valencias zu sein.