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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich habe mein Erasmus-Semester an der Bahcesehir University in Istanbul verbracht. Die Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes hat gut geklappt, wir haben im Vorhinein eine Info-Broschüre von der Uni und einen Buddy zugewiesen bekommen und das Erasmus-Office hat uns bei Fragen gut geholfen. Wichtig ist ein gültiger Reisepass.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Ich habe an der Bahcesehir University fünf Kurse belegt, von denen ich mir drei plane anzurechnen. Darunter fielen drei psychologische Kurse (Family Systems, Selected Topics in Developmental Psychology, Industrial and Organizational Psychology) sowie zwei außerpsychologische Kurse (Principles of Marketing, Political Ideologies). Ich hatte im Vorhinein eine etwas andere Kurswahl getroffen, aber leider waren einige Kurse dann doch nicht verfügbar. Das wurde uns aber früh genug kommuniziert. Die erste Woche mit regulären Vorlesungen nennt sich “Drop-Off-Week”, in der die Kurse auch noch einmal frei geändert werden können. Die Anforderungen und Leistungsbewertung hingen meinem Eindruck nach sehr vom Kurs ab. Die außerpsychologischen Kurse empfand ich als grundsätzlich anspruchsvoller, während meine psychologischen Kurse wirklich sehr entspannt waren. Meine Professorinnen waren freundlich und haben uns bei Schwierigkeiten unterstützt, zum Beispiel als ich über Weihnachten für ein paar Tage nach Hause geflogen bin und eine Unterrichtsstunde verpasst habe. Eine Unterrichtseinheit ging 2 Stunden und 50 Minuten, das war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber es werden in der Regel ein bis zwei Pausen zwischendrin gemacht. Im Wintersemester gibt es Mid-Term Klausuren Ende November und Final-Klausuren Ende Januar. Meine Kurse fanden vor allem auf dem South Campus und im Law Building statt. Auf dem Campus an sich und drumherum gibt es viele Cafés und Restaurants, einige davon funktionieren vom Konzept und den Preisen her wie die Mensa an der Uni Potsdam.

Ich würde euch unbedingt empfehlen, die “Club Week” am Anfang des Semesters zu besuchen. Es gibt unzählige Clubs an der BAU, die sich in dieser Woche an Ständen am South Campus vorstellen. Die Clubs kosten bis auf einige Ausnahmen nicht mehr als 1-3 Euro pro Semester. Ihr müsst nur aufpassen, da einige Clubs zwar an der Club Week teilnehmen, aber eigentlich nicht mehr wirklich aktiv sind und kaum Events anbieten. Es sind auch nicht alle auf Englisch. Am besten ist es hier, eure Buddys oder andere einheimische Studierende zu fragen. Ich habe am Gastronomy Club, Lotus Club und Art Club teilgenommen. Für den Gastronomy Club gab es verschiedene Back- und Koch-Workshops (z.B. an Weihnachten einen Tassenkuchen backen), beim Lotus-Club haben wir z.B. Anhänger für Taschen gebastelt und beim Art Club konnte man gemeinsam Museen besuchen oder Keramik bemalen.

Ein weiterer Club an der BAU ist auch der ESN-Club, der sich am Anfang des Semesters um die Erasmus-Studierenden kümmert und auch danach Events und Reisen organisiert. Unsere Buddys haben uns am Anfang bei allen bürokratischen Aufgaben (Antrag des Residence Permit, Begleitung zum Immigration Office, Kurswahl, Studentenausweis, Metrokarte etc.) wirklich sehr viel geholfen. Ich habe mitbekommen, dass Erasmus-Studierende an anderen Unis in der Hinsicht komplett auf sich alleine gestellt waren. Aber auch darüber hinaus hat der ESN-Club wie gesagt oft Barabende, Ausflüge (z.B. zum Weihnachtsmarkt), Partys, Reisen (z.B. Kappadokien) und andere Aktivitäten organisiert. Weiterer Ansprechpartner war für uns das Erasmus Office, das schnell per Email geantwortet hat und zu dem wir auch jederzeit vor Ort gehen konnten.

Während unseres Aufenthalts war die Bibliothek im South Campus meines Wissens nach geschlossen und ein neues Gebäude wurde nebenan gebaut, aber im Law Building gab es auch eine Bibliothek, die wir nutzen konnten. Vielleicht wird das neue Gebäude im kommenden Semester schon fertiggestellt sein. In der Nähe der Uni gibt es auch viele Cafés, die sich zum Lernen eignen.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Die einheimischen Studierenden waren sehr offen und hilfsbereit und ich habe mich mit ein paar von ihnen auch mal außerhalb der Uni getroffen, dennoch habe ich vor allem andere Erasmus-Studierende als Freunde gefunden.

Sprachkompetenzen vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Eines meiner Hauptziele während des Erasmus war, mein Türkisch zu verbessern. Ich habe vor ein paar Jahren bereits einen Türkisch-Kurs in Deutschland gemacht, und dann noch einen während des Erasmus in der Türkei in der Sprachschule Dilmer in der Nähe der Station Kabataş. Der Kurs ging über zwei Monate und fand dreimal die Woche für drei Stunden statt. Am Ende hatte ich das Sprachniveau B1. Es gab auch einen Sprachkurs der Uni, für den sich Erasmus-Studierende anmelden konnten. Ich habe es kurz ausprobiert, aber die Sprachschule hat mir besser gefallen. Ich kann wirklich jedem empfehlen, egal ob man schon ein bisschen Türkisch kann oder nicht, einen Sprachkurs davor oder währenddessen zu machen. Die Sprache zu beherrschen, auch wenn es nicht perfekt ist, bringt einen nochmal näher zu den Einheimischen und erlaubt einem, tiefer in die Kultur einzutauchen. Die Menschen in der Türkei sind sehr herzlich und offen und freuen sich, wenn man zumindest probiert, ihre Sprache zu sprechen. Es hat mich am Anfang auch etwas Überwindung gekostet, zum Beispiel auf Türkisch zu bestellen, aber es lohnt sich! Durch aktives Sprechen in realen Situationen habe ich mein Türkisch nochmal viel mehr verbessert.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe meine Unterkunft über Familie und Freunde gefunden, wodurch meine Miete glücklicherweise auch nicht so hoch war. Es gibt aber meines Wissens nach viele Erasmus-Wohnungen, die man über Airbnb oder Facebook-Gruppen finden kann. Es werden auch viele Wohnungsanzeigen in Erasmus-Gruppen auf WhatsApp gestellt. Für den Antrag des Residence Permit braucht man einen notarisierten Mietvertrag, spricht dafür am besten im Vorhinein mit eurem/eurer Vermieter/in, dass ihr gemeinsam zum Notar gehen könnt, wenn es soweit ist (bei normalen Airbnbs machen die das manchmal nicht). Die meisten Vermieter/innen von Erasmus-Wohnungen sind aber schon darauf eingestellt. In meinem Fall habe ich einen “Taahhütname” erhalten, nach der der/die Vermieter/in mit dir in der Wohnung wohnt.

Bei mir war es zum Glück nicht so, aber dieser notarisierte Mietvertrag kann je nach Wohnsituation recht teuer werden.

Ich habe ziemlich zentral in Besiktaş gewohnt, in dem Bezirk, in dem auch meine Uni war. Ich bin jeden Morgen ca. 25 Minuten zur Uni gelaufen. Eine Sache, auf die ihr euch einstellen solltet: Der Verkehr in Istanbul ist wirklich schlimm. Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist gut ausgebaut, aber ich würde euch empfehlen, immer auf den Bus zu verzichten, wenn es möglich ist (alternativ Metro, Straßenbahn oder Fähre). Die Fahrzeiten mit dem Bus sind immer länger, als es bei Google Maps steht, und die Busse kommen auch nicht immer verlässlich. Beachtet das unbedingt bei der Wohnungssuche, wenn ihr die Fahrzeiten zur Uni im Vorhinein bei Google Maps nachschaut. Ich habe manchmal für eine Busfahrt, die laut Google Maps 10 Minuten dauern sollte, bei schlimmem Stau eine Stunde im Bus verbracht. Istanbul ist sehr hügelig, aber Laufen lohnt sich in der Hinsicht. Man kann sich als Student/in eine blaue (vergünstigte) Istanbul Cart holen, die ihr bei einigen Supermärkten oder ausgewiesenen Ständen im Abomodell oder mit einem bestimmten Geldbetrag aufladen könnt. Ich würde als Alternative zu Google Maps die App MoveIt empfehlen.

Bezüglich Geld abheben kenne ich mich leider nicht so gut aus, ich weiß nur, dass die Banken verschiedene Wechselgebühren haben. Ich habe jedes Mal bei Halk Bank Geld abgehoben, da waren die Gebühren auf jeden Fall nicht so hoch. Man kann in Istanbul aber auch viel mit Karte bezahlen.

Ihr braucht für den Antrag eures Residence Permit sowohl eine türkische Nummer als auch eine türkische Krankenversicherung. Ich habe mir gleich bei meiner Ankunft am Flughafen eine türkische E-Sim mit Nummer bei Turkcell geholt, damit ich direkt Internet habe. Man kann aber auch bis zur Orientierungswoche warten, in der die Buddys mit allen zu Türk Telekom gehen. Ich habe in Deutschland bereits eine Auslandskrankenversicherung beim ADAC abgeschlossen und daher für das Residence Permit einfach eine sehr günstige türkische Versicherung bei einem beliebigen Anbieter gewählt. Das erklären die Buddys euch aber auch nochmal in der Einführungswoche. Falls ihr oder jemand in eurer Familie einen türkischen Pass oder eine sogenannte Mavi Kart besitzt, könnt ihr euch übrigens eine Menge Bürokratie sparen. Ich habe versäumt, mich für eine Mavi Kart zu bewerben, aber es hätte sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Lebenshaltungskosten in der Türkei sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Inflation war auch vor Ort auf jeden Fall spürbar; vor allem Essen gehen, Clubs/Bars und auch bestimmte Lebensmittel im Supermarkt waren genauso teuer oder noch teurer als in Deutschland. Es gibt viele vegetarische/vegane Gerichte und Restaurants, aber Ersatzprodukte wie Tofu oder Milchalternativen gab es kaum oder sehr teuer. Neben der Inflation ist zusammenhängend damit auch die politische Lage in der Türkei ein wichtiger Aspekt, den man beachten sollte  – ich würde euch empfehlen, euch im Vorhinein damit auseinanderzusetzen, da es vor allem in Istanbul zuletzt oft große Demonstrationen gab.

Als Freizeitaktivitäten war ich oft mit meinen Freunden im Café und habe Karten, Tavla (Backgammon) oder OK gespielt. In Besiktaş sitzen abends noch viele Menschen draußen und trinken Çay oder Kaffee, das hat mir sehr gut gefallen. Leider konnte ich in Istanbul keinen Sport machen, weil die Fitnessstudios recht teuer sind und joggen bei den vielen Hügeln eher schwierig war. Ich bin trotzdem ab und zu mit der Fähre nach Üsküdar rübergefahren und bin dort abends an der Promenade joggen gegangen, das kann ich sehr empfehlen! Man kann in der Türkei auch viel herumreisen, wir haben zum Beispiel eine selbstorganisierte Reise nach Kappadokien gemacht, die sehr sehr schön war. Obwohl wir Anfang November dort waren, waren es über 20 Grad und Sonnenschein. Das Wetter in Istanbul ist zwar viel wechselhafter und auch etwas regenreicher als in Deutschland, aber dafür war es viel länger warm (bis Ende November) und wurde, als ich jetzt Mitte Februar wieder nach Deutschland zurückgeflogen bin, auch schon wieder gut.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Rückblick

Zusammenfassend bin ich sehr froh, dass ich mein Erasmus-Semester in Istanbul verbracht habe. Es ist eine wunderschöne Stadt mit sehr viel Geschichte und viel zu erleben. Ich vermisse jetzt schon die Aussicht auf das Meer und die Fährfahrt über den Bosporus, oder die vielen Cafés und Katzen, die wirklich überall sind. Ich kann euch ein Erasmus Semester in Istanbul wirklich sehr empfehlen!


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