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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich studiere Psychologie im Bachelor an der Uni Potsdam und bin mit Erasmus+ für ein Semester nach Istanbul an die Bahçeşehir Universität gegangen. Ich hatte schon vorher lange Interesse daran, mal für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen, war aber immer längstens für einen Monat unterwegs. Ein Erasmus Auslandssemester war für mich deshalb die perfekte Gelegenheit diesen Wunsch umzusetzen. 

Ich kannte Erasmus vor meinem Aufenthalt schon durchs Hörensagen, und die Infoveranstaltungen von der Uni waren sehr hilfreich dabei, eine konkrete Vorstellung davon zu bekommen, wie der Aufenthalt abläuft und geplant werden muss. Ich hatte nicht von vornherein eine klare Vorstellung davon, wo ich hinmöchte, deshalb habe ich mir erstmal einen Eindruck davon verschafft, welche Partnerunis es für Psychologie gibt. Einige Optionen sind dann schnell weggefallen, weil von vielen Gastunis Sprachkenntnisse in der Landessprache vorausgesetzt werden. In meine engere Auswahl kamen letztendlich Innsbruck, Istanbul und Umeå.

Nachdem ich den Platz in Istanbul bekommen hatte, gab es einige organisatorische Dinge, die vor dem Aufenthalt erledigt werden mussten. Ich musste mir das Vorlesungsverzeichnis der Uni anschauen, um Kurse herauszusuchen, die ich belegen wollte und damit das Online Learning Agreement erstellen. Ich habe mir auch einige Kurse rausgesucht, die nicht in psychologischen Bereich lagen, zum Beispiel aus Politikwissenschaften, Soziologie und Informatik. Das Erstellen des OLA war für mich gar nicht so einfach, weil die Auswahl an Kursen sehr groß war, und es vieles gab was mich interessiert hat. Im Endeffekt habe ich mich bei einigen Kursen erst in den ersten Vorlesungen entschieden, ob ich sie belegen möchte oder nicht, größtenteils basierend auf den Dozierenden und dem Stundenplan. 


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Wohnungssuche

Womit ich auch schon kurz nach der Vergabe des Platzes angefangen hatte, war die Wohnungssuche. Ich hatte von anderen gehört, dass manche sich für die ersten Wochen ein AirBnB oder Hotel nehmen und vor Ort nach einer langfristigen Wohnung suchen, ich wollte aber lieber schon von vornherein ein Zimmer haben. Ich habe dafür verschiedene Webseiten benutzt wie WG-Gesucht, Erasmus play, Uniplaces, Spotahome und Facebook. Mir fiel die Suche allerdings gerade am Anfang ziemlich schwer, weil ich von anderen und auch von der Uni gehört hatte, dass es manchmal zu Scam-Versuchen kommt, und Wohnungen inseriert werden die garnicht existieren. Außerdem ist Istanbul riesig groß und ich hatte im Vorhinein keine Vorstellung von Distanzen in der Stadt und wusste nicht, wie der öffentliche Nahverkehr funktioniert. Letztendlich hat mir eine Studentin, die ein paar Semester vor mit in Istanbul war, den Kontakt von ihrem Vermieter gegeben, über den ich dann ein Zimmer in einer Erasmus-WG in Beşiktaş bekommen habe. Erst im Nachhinein habe ich dann gemerkt, wie viel Glück ich mit der Lage der Wohnung hatte, weil ich nur 15 Minuten zu Fuß zur Uni gebraucht habe und es in dem Viertel sehr viele Bars und Restaurants gab. Ich würde jeder empfehlen, bei der Wohnungssuche auf die Lage der Uni zu achten, weil Fahrtwege in Istanbul schnell sehr lang sein können. Vor allem beim Bus kann eine Fahrt auch mal dreimal so lange dauern wie angekündigt, abhängig vom Verkehr. Ich würde deshalb immer empfehlen lieber die Metro, Tram oder die Fähre zu nehmen. Um möglichst keinem Scam zum Opfer zu fallen, kann man beispielsweise die Vermieter*innen bitten einen Videocall zu machen, in dem sie die Wohnung zeigen. Das habe ich bei allen Wohnungsbesichtigungen gemacht und das hat mir etwas Sicherheit gegeben. 

Ankunft in Istanbul 

Ich bin nach Istanbul geflogen und auf der asiatischen Seite am Sabiha Gökcen Airport gelandet. Es gibt einige Möglichkeiten von dort günstig in die Stadt zu kommen: entweder mit der Metro, die allerdings nur bis nach Kadiköy auf der asiatischen Seite fährt, oder mit dem Havabus. Der Havabus ist ein Shuttlebus der circa jede halbe Stunde vom Flughafen abfährt und unter anderem nach Taksim auf die europäische Seite fährt. Eine Fahrt mit dem Havabus kostet umgerechnet circa 7-8€. 

Ich hatte mich dazu entschieden schon zwei Wochen vor dem Beginn meiner Uni nach Istanbul zu fliegen, worüber ich im Nachhinein sehr froh war. Ich hatte dadurch Zeit mich schon etwas einzuleben und zurechtzufinden, bevor die Uni losging. Ich habe die Zeit auch genutzt, um einen einwöchigen Intensiv-Sprachkurs in Türkisch zu machen, bei der Royal Turkish Sprachschule am Taksim Platz. Das hat mir sehr dabei geholfen, ein erstes Gefühl für die Sprache zu bekommen. Ich wusste danach, wie das Alphabet klingt, also wie Wörter ausgesprochen werden, und kannte die wichtigsten Phrasen für den Alltag. Außerdem hatte ich durch meine frühe Ankunft noch Zeit, um einen kurzen Trip zu machen und mit Izmir anzugucken. Izmir ist die zweitgrößte Stadt der Türkei und liegt am Mittelmeer. Um Izmir herum gibt es einige Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die antike Stadt Ephesus, die Izmir auf jeden Fall einen Besuch wert machen. 

Die Bahçeşehir Universität

Ich habe das Semester an der Bahçeşehir Universität verbracht, eine von über 50 Universitäten in Istanbul. Die Uni hat verschiedene Campi in der ganzen Stadt, ich hatte aber alle meine Vorlesungen am Hauptcampus, der auch South Campus genannt wird. Der Campus liegt direkt am Bosporus und besteht aus mehreren Gebäuden mit einem Garten, mehreren Cafés und einer Dachterrasse, von der man eine mega Aussicht über den Bosporus und die Stadt hat. Bei meinem ersten Besuch des Campus wurde mir dann bewusst, dass die BAU eine Privatuni ist, was ich vor meinem Aufenthalt garnicht wusste.   

Das Erasmus Team der Uni hat sich gerade am Anfang sehr viel Mühe gegeben, uns Gelegenheiten und Events zu bieten, um die anderen Erasmus-Studierenden kennenzulernen. In der Kennenlern-Woche gab es Campus Touren, Spieleabende, Karaoke, eine Willkommensparty und Ausflüge zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Außerdem gab es Buddies, die uns bei den organisatorischen Hürden am Anfang geholfen haben. Es gab außerdem viele Freizeit-Klubs, die alle möglichen Interessen adressieren. Es gab Schach-, Fotografie-, Sport-, Tanz-, Koch-, und Kunst- Angebote und noch vieles mehr. Gegen eine kleine Gebühr von ein paar Euro konnte man am Anfang des Semesters den Klubs beitreten, die dann über das Semester verteilt alle paar Wochen Veranstaltungen organisiert haben. Der Koch-Klub hatte beispielsweise Koch- und Back-Workshops und Verkostungen veranstaltet. 

An der Uni werden alle Kurse in Englisch angeboten. Das Englisch-Niveau der Dozierenden war allerdings sehr unterschiedlich. Der Großteil meiner Dozent*innen konnte gut Englisch, bei vereinzelten war es allerdings schwer sie akustisch zu verstehen. Insgesamt war ich persönlich mit der Lehre aber größtenteils sehr zufrieden. Ich hatte einige Kurse, zu denen ich sehr gerne gegangen bin, weil sie spannend und gut aufbereitet waren. Sowohl die Midterms als auch die Finals waren gut zu meistern. Während der Klausurenphasen ist mir allerdings aufgefallen, dass die Uni zu wenig Arbeitsplätze bietet. Es gibt zwar zwei Bibliotheken, beide haben allerdings nur wenige Plätze zum Arbeiten. Ich hatte eine öffentliche Bibliothek in meiner Nähe, aber auch die hatte nicht viele Plätze. Ich war dadurch häufig mit Freund*innen in Cafés arbeiten, was auf die Dauer allerdings relativ teuer war.

Das Residence Permit 

Da die Türkei nicht Teil der EU ist, kann man dort mit einem deutschen Pass lediglich 90 Tage ohne weiteres bleiben. Wir mussten daher in den Ersten Wochen zusammen mit unseren Buddies das Residence Permit (eine Aufenthaltsgenehmigung) beantragen. Zwar haben uns die Buddies dabei sehr geholfen, trotzdem war das viel Aufwand. Für die Aufenthaltsgenehmigung werden einige Dokument benötigt wie beispielsweise ein Dokument vom türkischen Steuerbüro, ein Nachweis einer türkischen Krankenversicherung und eine notariell beglaubigte Kopie des Mietvertrags. Diese Dokumente zu bekommen war mit viel zeitlichem Aufwand und auch einigen Kosten verbunden. Ich hatte bereits eine Krankenversicherung für die Türkei in Deutschland abgeschlossen, die von den Behörden allerdings nicht anerkannt wurde, weshalb ich mir vorort nochmal eine neue besorgen musste. Auch die notarielle Beglaubigung des Mietvertrags war nicht günstig. Ich konnte mir die Kosten zum Glück mit meinen Mitbewohnern teilen und hatte auch Glück, dass mein Vermieter diesen Prozess bereits kannte und daher wusste, was zu tun ist. Soweit ich weiß, sollte der Prozess des Residence Permits gerade als wir ankamen etwas erneuert und vereinfacht werden, sodass beispielsweise keine notarielle Beglaubigung des Mietvertrages mehr nötig ist. Wir hatten leider etwas Pech, dass diese Neuerung als wir ankamen noch nicht überall umgesetzt wurde. Mittlerweile hat sich diese Änderung wahrscheinlich mehr durchgesetzt, wodurch kommenden Studierenden hoffentlich ein Teil dieses Aufwands erspart bleibt. 

Leben in Istanbul

Istanbul ist sehr lebendig und bietet viel Unterhaltung. Ich habe mir schnell einige der Lokalen „Bräche“ angeeignet, vor Allem das çay trinken und Tavla spielen. Tavla ist ein strategisches Brettspiel, auf das man in Istanbul schnell aufmerksam wird, weil es an jeder Ecke Cafés gibt, in denen alte Herren sitzen und scheinbar den ganzen Tag damit verbringen, dieses Spiel zu spielen. Generell gibt es extrem viele Cafés, die oft bis spät in die Nacht gut besucht sind und sehr schöne Orte sind, um sich mit Freunden zu treffen. 

Besonders angetan haben es mir auch die Katzen. In Istanbul gibt es viele Straßenkatzen, die es sich überall bequem machen. Die Anwohner kümmern sich häufig gut um sie, indem sie Katzenfutter und Wasser auf die Straßen stellen und teilweise kleine Häuschen bauen, in denen die Katzen schlafen können. 

Ein zentraler Aspekt in Istanbul ist natürlich auch das Essen. Neben den vielen türkischen Gerichten kriegt man hier alles, was das Herz begehrt, für größtenteils günstige Preise. Wir Studierenden sind schnell auf die „Lokantas“ aufmerksam geworden, die quasi wie öffentliche Mensen sind. Sie bieten verschiedenste Speisen, aus denen man sich sein Gericht zusammenstellen kann, und das für ungefähr 3 bis 4€. Kulinarisch hat Istanbul unglaublich viel zu bieten, und allen die herkommen würde ich empfehlen, so viel wie möglich zu probieren. 

Auch für Unternehmungen hat Istanbul sehr viele Angebote. Es gibt viele Sehenswürdigkeiten, wie Moscheen, den Galata Turm oder alte Paläste die früher für den Sultan gebaut wurden. Moscheen sind kostenlos, aber für die restlichen Sehenswürdigkeiten muss man als reguläre Touristin häufig viel Eintritt bezahlen. Als Studentin an einer türkischen Uni kann man sich allerdings die Muze-Kart holen. Für die muss man einmalig circa 100 Lira, umgerechnet ungefähr 2€, bezahlen. Mit der Karte kommt man dann in fast alle der Museen umsonst oder für nur ein paar Euro. Die Karte kann man auch außerhalb von Istanbul verwenden, sie lohnt sich also sehr. Abgesehen von den Sehenswürdigkeiten ist es auch sehr spannend sich einfach Istanbul anzugucken. Die verschiedenen Stadtteile haben teilweise einen sehr unterschiedlichen Vibe und es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Einer meiner persönlichen Favoriten waren die Prinzeninseln. Das ist eine Inselgruppe vor der Küste Istanbuls, die man mit der Fähre erreichen kann. Man kann zu Fuß oder mit ausgeliehenen Fahrrädern die Inseln erkunden, und Baden gehen wenn es warm genug ist. Auf den Inseln sind keine Autos erlaubt, wodurch es dort schön ruhig ist, gerade im Vergleich zu Istanbul.

Natürlich hat die Stadt aber auch ein paar negative Seiten. Manchmal kann der ganze Trubel etwas zu viel werden und der Verkehr ist teilweise wirklich unberechenbar. Dazukommt dass in der Türkei eine starke Inflation herrscht. Während der paar Monate sind Essen und Dienstleistungen merklich teurer geworden. Zwar war für uns europäische Studenten vieles immer noch verhältnismäßig günstig, auch weil die Türkischen Lira gleichzeitig an Wert verlieren. Aber ich habe mich häufig gefragt, wie die Menschen, die in Istanbul leben, die steigenden Preise stemmen. 

Trips

Während meiner Zeit in Istanbul habe ich mit Freunden zusammen einige Ausflüge gemacht. Zwar ist Istanbul groß genug, um dort ein paar Monate am Stück zu verbringen, aber wir hatten Lust, die Zeit zu nutzen und mehr von der Türkei zu sehen. Mein lieblings Trip war dabei auf jeden Fall ein Wochenendausflug nach Kappadokien. Wir sind mit dem FlixBus ungefähr neun Stunden über Nacht nach Göreme gefahren und waren für 4 Tage da. Die Landschaft ist unglaublich beeindruckend und wir haben uns dazu entschlossen, eine der berühmten Ballonfahrten zu machen. Allen, die Ihr Erasmus in der Türkei machen, würde ich auf jeden Fall empfehlen nach Kappadokien zu reisen. Am besten eignen sich dafür Zeiten, die etwas außerhalb der Hautsaison liegen, weil es sonst sehr heiß und voll sein kann. Wir waren Anfang November da, und hatten noch super Wetter. 

Generell würde ich sagen, dass sich Busse in der Türkei sehr gut zum Reisen anbieten. FlixBus kooperiert in der Türkei mit einem türkischen Anbieter und man kann über die FlixBus Website sehr leicht günstige Busverbindungen zu allen möglichen Zielen buchen. Allerdings dauern viele Fahrten 6 Stunden oder mehr, weil die Türkei wirklich groß ist. Wenn man aber über Nacht fährt kann man gut im Bus schlafen, meistens gibt es sogar Wasser, Tee, Kaffee und kleine Snacks. Es gibt auch ein paar gute Zugverbindungen, wie zum Beispiel zwischen Istanbul und Ankara oder den Nachtzug zwischen Istanbul und Sofia.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Rückblick

Mir hat die Zeit in Istanbul sehr gefallen. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, eine Kultur erlebt, die mir vorher nur wenig bekannt war und viele schöne Momente gehabt, an die ich mich immer zurückerinnern werde. Ich würde es jederzeit weiterempfehlen, ein Erasmus Semester in Istanbul zu machen. Die Stadt kann zwar manchmal etwas viel sein, aber sie ist gleichzeitig wunderschön, erlebnisreich und auch nach 5 Monaten hier gibt es immer noch neue Dinge zu sehen und zu erleben.


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