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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Für einen Erasmus-Aufenthalt im WiSe 2025/2026 habe ich mich ca. ein halbes Jahr im vor raus (Januar 2025) an meiner Universität beworben. Der Bewerbungsprozess war grundsätzlich erstmal vorgegeben und klar strukturiert von meiner deutschen Universität. Es war schon einiges an Aufwand, den man betreiben musste, um alle Unterlagen auszufüllen und sich mit den Zuständigen in Kontakt zu setzten. Als ich alle Unterlagen ordnungsgemäß eingereicht hatte, habe ich sehr lange auf die offizielle Bestätigung (Letter of exceptance) gewartet. Das hatte mich sehr verunsichert, scheint aber Normal an den Unis in der Türkei zu sein. Den meisten Aufwand hat jedoch mein OLA (online learning aggreement) gemacht das ich vorher schon einreichen musste was jedoch keinen Sinn gemacht hat, da die Kurse vor Ort die angeboten wurden sehr stark abgewichen sind von den Kursen die Online aufgeführt waren. Ich kann daher nur empfehlen nicht zu viel Zeit in das (OLA before Stay) zu stecken es hat sich nicht gelohnt und man kann es sobald der Aufenthalt anfängt bearbeiten und dann seine tatsächlichen Kurse eintragen. 

Die Marmara Universität gibt keinerlei Hilfe für die Wohnungssuche, es werden keine Wohnheimplätze für Erasmus Studenten angeboten und auch sonst gibt es wenig bis keine Unterstützung. Ich kann empfehlen sich über Facebook oder Kontakte (ehemalige Erasmus Studenten) Zugang zu Whatsapp-Gruppen zu verschaffen, in diesen werden Wohnungen meist nach dem vorherigen Erasmussemester frei und an neue Erasmus Studenten vergeben. Auch über Airbnb kann man fündig werden und hat dort eben die Sicherheit noch kündigen zu können wenn es einem dann nicht gefällt, ist aber meist etwas teurer. Ich persönlich habe mir aus Deutschland für einen Monat eine Unterkunft in Istanbul über Airbnb gebucht und mich nach diesem Monat von Istanbul aus um eine neue Bleibe gekümmert. Das hat für mich super funktioniert und ich kann es nur empfehlen, weil man seinen Campus und die Distanzen die man zurücklegen muss, erst dann einschätzen kann. Außerdem kann man die Wohnung dann vorab besichtigen. Ich würde für ein Studium an der Marmara Universität eine Wohnung in Moda bzw. Rasimpasa empfehlen, diese beiden Stadtteile liegen in Kadiköy und sind voller Cafes und schönen Läden und die meisten Erasmus Studenten leben dort im viertel. 


Studienfach: Politik und Wirtschaft 

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Marmara Universität Istanbul

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Das Studium in der Türkei ist auf Englisch und Türkisch möglich, den Studiengang BWL kann man sogar auf deutsch studieren. Die Anforderungen sind wesentlich leichter und nicht zu vergleichen mit deutschen Standards. Die Vorlesungen dauern drei Stunden und haben zwei Pausen, die meisten Professoren haben keine Präsentation gehabt und manche hatten auch kein wirkliches Konzept oder Material, was sie bereitgestellt haben. Es gilt außerdem Anwesenheitspflicht, die jedoch im Nachhinein auch nicht sonderlich geprüft wurde, trotzdem ist es sinnvoll in die Vorlesung zu gehen, da man sonst keine Möglichkeit hat herauszufinden welche Inhalte für die Prüfung relevant sind. Prüfungen gibt es zwei Stück, eine Midterm Klausur die 40% der Gesamtnote ausmacht, und die Finals, welche 60% der Note ausmachen. Über die Noten sollte man sich keine großen Gedanken machen, die fallen vorallem unter Erasmus Studenten sehr gut aus, wenn man jedoch wirklich daran interessiert ist viel zu lernen ist die Uni die falsche Anlaufstelle.

Die Uni ist zudem auf mehrere Campi aufgeteilt. Es gibt einen Campus in Göztepe, relativ nah am Zentrum von der asiatischen Seite. Der zweite Capus ist in Maltepe und schon wesentlich weiter entfernt. In den nächsten Jahren sollen immer mehr Fakultäten nach Maltepe ziehen. Von meinem Wohnort (nahe des Hafens in Kadiköy) war es eine Stunde Fahrt bis zum Campus in Maltepe.

Der Kontakt zu einheimischen Studenten war leider sehr schwierig, viele Studenten sprechen kein gutes Englisch und es gab wenig Integration in die türkische Studentenschaft bis auf das wirklich tolle und Umfangreiche Programm des ESN der Marmara Universität. Der ESN unterstützt mit vielen Angeboten zu Unternehmungen das Kennenlernen untereinander. Die technische Ausstattung der Uni ist sehr dürftig, es gibt nicht in jedem Raum einen funktionierenden Beamer, von Computerpools zu Sportanlagen bis zur Bibliothek habe ich kein Angebot nutzen können, da die Erasmus Studenten keine wirkliche Uni-Karte bekommen. Auch das Mittagessen in der Mensa ist nur möglich mit einem Türkischen Bank Account, den ich mir auch nicht angelegt hatte, verhungern wird man jedoch trotzdem nicht, es gibt viele günstige Alternativen auf dem Campus bei denen man ganz normal mit Bargeld oder Karte bezahlen kann. 

Wohnen und Leben in Istanbul:

Istanbul ist eine wunderbare Stadt für jeden der Lust auf etwas Trubel hat. Ich habe den Alltag in Istanbul, vor allem in meinem Wohnviertel Rasimpasa in vollen Zügen genossen. Es gibt viele wunderschöne Cafés in denen man mehrere Stunden sitzen kann. Das Wetter ist in Istanbul bis in den Dezember sehr gut gewesen, die Temperaturen waren sehr mild und die Sonne schien jeden Tag. Von Istanbul aus kann man sehr viel erkunden und Unternehmen, ich war fast jedes Wochenende unterwegs. Ich empfehle sehr die Zeit zu nutzen und sich vieles im Land anzuschauen, mit der Museumskarte (Müzekart) hat man in allen Staatlichen Museen, Ausgrabungsstätten und Sehenswürdigkeiten einen freien Eintritt. Das lohnt sich sehr, da die Eintritte für Ausländer teilweise 20 bis 50 Euro betragen. Die Müzekart kann man an manchen Stellen mit dem „Letter of Accepptance“ beantragen, sonst auf jeden Fall mit dem „Student proof paper“. Die Ausflüge und Fahrten werden vom ESN organisiert, aber ich habe alle Reisen privat geplant, mit anderen Studenten die ich in Istanbul kennengelernt habe. Ziele die ich auf jeden Fall sehr empfehlen kann sind: Ephesus, Pamukkale, Kappadokien, Izmir, Dalyan, und die Prinzeninseln. Auch Athen und Zypern bieten sich sehr gut an von der Türkei aus. 

Der öffentliche Nahverkehr ist in Istanbul auch gut organisiert und für Studenten sehr günstig. Mit der Istanbul Card für Studenten kann man im Monat 200 Fahrten machen und bezahlt nur 10 Euro. Die Fähren sind inbegriffen und eigenen sich ideal fürs Sightseeing. Zwischen den Städten kann man gut Überlandbusse nehmen, die sind sehr komfortabel und bieten die beste Möglichkeit neben dem Flugzeug sich fortzubewegen. 

Geld abheben ist in der Türkei von einem Ausländischen Konto an den meisten Bankautomaten ziemlich teuer (Gebühr von 8-10%) bei der türkischen Postbank (PTT) ist es kostenlos, sofern die eigene Bank nicht noch eine Gebühr erhebt. Ansonsten lohnt es sich auch ein Basis-Konto bei Revolut zu eröffnen mit dem man mehrere Male im Monat kostenlos Geld abheben kann. Bargeld ist in Istanbul nicht zwingend notwendig, jedoch ist es sinnvoll immer etwas dabei zu haben, um sich auch an den günstigeren Ständen auf der Straße oder auf dem Markt etwas kaufen zu können. 

Generell sind die Lebenshaltungskosten in der Türkei niedriger als in Deutschland, Café- und Restaurantbesuche sind wesentlich günstiger und auch Lebensmittel, Kleidung und Dienstleistungen wie Friseurbesuche bekommt man zu geringen Preisen. Dabei ist es wichtig darauf zu achten nicht in die großen Internationale Supermärkte wie Carrefour zu gehen, sondern bei den nationalen Ketten zu kaufen. Da in der Türkei eine hohe Inflation herrscht ist es ratsam sein Geld weiterhin in Euro zu halten und nicht in zu großen Mengen abzuheben, da der Wertverlust teilweise in ein paar Wochen schon bemerkbar ist. Während meinem halben Jahr in der Türkei habe ich miterlebt wie die Preise für viele Güter schnell gestiegen sind. 

Was die Freizeitgestaltung in Istanbul angeht, stehen einem alle Türen offen, es gibt kostenlose Tennisplätze zum Beispiel im Moda Park, oder auch Angebote von der Uni über die man sich jedoch im Vorhinein kümmern sollte. Ich persönlich bin gerne kreativ und habe viele unterschiedliche Workshops ausprobiert, die auch in der Türkei wesentlich günstiger sind. Ich würde jedoch empfehlen keine Workshops über Tripadvisor oder Booking zu buchen, da die Preise meist überzogen sind und es eher Touristenattraktionen sind. Meine Empfehlung ist sich in seinem Stadtteil umzusehen oder auf Google Maps gezielt nach Studios zu suchen, so hat man am Ende eine authentische Erfahrung und spart sich den Touristen Aufpreis. 

Die Krankenversicherung ist ein wichtiges Thema, denn die benötigt man auch für die Beantragung vom Residenz Permit. Gesetzlich Versicherte sollten sich von ihrer Krankenkasse ein Formular ausstellen lassen, welches in der Türkei anerkannt wird. Für privat Versicherte gilt in manchen Fällen sowieso weltweiter Versicherungsschutz jedoch wird dieser in der Türkei nicht anerkannt. Vor Ort muss man sich dann Online eine türkische Krankenversicherung für ca. 20-30€ besorgen (reine Formalia) daher ist es sinnvoll trotzdem einen anderen Versicherungsschutz zu haben da dieser günstige Tarif nur sehr spärlich die Kosten abdeckt. 

Auch wichtig zu erwähnen ist das Problem mit der SIM-Karte. In der Türkei haben Ausländer höchstens 120 Tage die Möglichkeit das Mobile Netz zu benutzen. Danach ist es nicht mehr möglich außerhalb eine WLANs ins Internet zu komenn, was auch ein Problem ist, da die Uni nur über einen QR-Code betreten werden kann. Nach spätestens vier Monaten wird das Handy dann gesperrt und man hat keine Möglichkeit zur Umgehung via e-SIM,  daher ist es empfehlenswert ein altes Handy mitzunehmen, welches man dann nutzen kann, um sich einen Hotspot zu geben. E-SIM ist in der Türkei eigentlich nicht erlaubt aber über eine VNP kann man sich problemlos eine kaufen, für das Residenz Permit benötigt man jedoch eine Türkische Telefonnummer, dafür kauft man sich am besten eine Touristen Nummer bei Türkcell oder Türktelekom. Nach drei Monaten läuft diese Nummer jedoch ab und man kann sie mit seinem Residenz Permit verlängern (sollte nichts kosten, die erzählen einem dann teilweise es würde etwas kosten also aufpassen). Nach dem Kalenderjahr wird die Zeit wieder zurückgesetzt und die vier Monate beginnen erneut, wer also im Wintersemester einen Aufenthalt plant, sollte weniger Probleme haben. 

Residenz Permit: 

Das Residenz Permit hat mich persönlich fast in den Wahnsinn gebracht. Die Regelungen dazu wurden kurz vor unserem Semester geändert, und wir hatten das Glück, das weniger komplizierte und günstigere Verfahren für ein „Short Term Stay“ zu durchlaufen. Trotzdem sind mit dem Residenz Permit kosten und viele bürokratische Hürden verbunden, die auch nicht durch die Gastuniversität unterstützt werden. Darüber muss man sich bewusst sein und bereit sein diese Umstände einzugehen. Man benötigt eine Nebenkostenabrechnung seiner türkischen Wohnung, muss eine Steuer bezahlen, seine Fingerabdrücke abgeben und braucht ein biometrisches Passbild. Vorher muss man sich Online in einem Formular registrieren und viele Angaben zu sich und seinen Eltern machen. Es ist sehr wichtig sich rechtzeitig um das Residenz Permit zu kümmern, denn wenn man drei Monate Aufenthalt in der Türkei überschritten hat, ist es einem nicht mehr gestattet einfach auszureisen und es kommen je nach Überschreitungsdauer Kosten zwischen 100 und 500€ auf einen zu. Außerdem kann ein Einreiseverbot für mehrere Monate verhängt werden. Mich persönlich hat der bürokratische Aufwand sehr gestört und ich hätte gerne vorher gewusst was auf mich zukommen wird. Trotzdem ist zu betonen, dass alles machbar ist und viele andere Studenten den Prozess durchlaufen, wodurch man sich immer gegenseitig unterstützen kann. 

Studienfach: Politik und Wirtschaft 

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Marmara Universität Istanbul

Gastland: Türkei

Rückblick

Ich hatte trotz teilweise nervigem Aufwand eine wundervolle Zeit in Istanbul und auch generell in der Türkei. Ich würde immer wieder zurück für diese beeindruckende Stadt und dieses so kulturell interessante und einladende Land. Ich habe mich nie unsicher gefühlt und bin stets auf sehr herzliche Menschen gestoßen. Die Uni hat nicht meinen Alltag bestimmt und ich konnte ein halbes Jahr durchatmen und habe so viel Schönes unternommen. Ich kann es jedem sehr empfehlen sich auf ein Erasmus Semester in der Türkei zu bewerben, man sollte jedoch nicht allzu hohe Erwartungen an die Lehre haben. 


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