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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Entscheidung für ein Erasmus-Semester in der Türkei fiel für mich nicht lange im Voraus, sondern relativ spontan. Freunde, die bereits dort gewesen waren, berichteten ausschließlich positiv von ihren Erfahrungen in Istanbul. Da ich bisher kaum eigene Vorstellungen von dem Land hatte, war dies für mich besonders interessant. Während man über klassische Erasmus-Ziele wie Spanien, Frankreich oder Italien oft bereits konkrete Bilder im Kopf hat oder auch schon selbst vor Ort war, war die Türkei für mich weitgehend unbekannt. Gerade diese Ungewissheit und Neugier waren ausschlaggebend für meine Entscheidung. Außerdem war Istanbul für mich als Geschichtsstudent besonders interessant. Die Stadt hat eine spannende Geschichte und es war für mich ein großer Anreiz, viele dieser historischen Orte selbst besuchen zu können.

Die Bewerbung über die Universität Potsdam verlief insgesamt unkompliziert. Informationsveranstaltungen des International Office boten eine gute Orientierung hinsichtlich Fristen und organisatorischer Abläufe. Auch wenn ich mich relativ kurzfristig bewarb, funktionierte der Bewerbungsprozess gut. Das Online Learning Agreement stellte jedoch eine gewisse Herausforderung dar. Die Kursrecherche auf den Webseiten der Gastuniversität war teilweise unübersichtlich, und es bestand zunächst Unsicherheit darüber, ob die gewählten Kurse tatsächlich angeboten würden und anerkannt werden könnten. Da viele Infos auch nur auf Türkisch zu finden sind war es teilweise schon etwas komplizierter alles zu verstehen aber mit der Hilfe von Übersetzer auf jeden Fall machbar. Änderungen im Kursangebot zu Semesterbeginn machten teilweise Anpassungen erforderlich, was zusätzlichen Abstimmungsaufwand bedeutete. Dennoch war sowohl von Seiten der Universität Potsdam als auch der Gastuniversität Unterstützung vorhanden, sodass letztlich alle organisatorischen Fragen geklärt werden konnten.

Die Bewerbung an der Gastuniversität erfolgte überwiegend digital. Erforderlich waren unter anderem ein Transcript of Records, ein Sprachnachweis sowie die entsprechenden Bewerbungsformulare. Die Kommunikation verlief auf Englisch und war grundsätzlich problemlos, wenngleich es vereinzelt zu längeren Antwortzeiten per E-Mail kommen konnte. In solchen Fällen erwies es sich als hilfreich, persönlich im jeweiligen Büro nachzufragen.

Ein zusätzlicher organisatorischer Aspekt war die Beantragung des „residence permit“, da die Türkei kein EU-Mitgliedstaat ist und für Aufenthalte von mehr als 90 Tagen eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis erforderlich ist. Dieser Prozess erwies sich als deutlich zeit- und nervenintensiver als zunächst erwartet. Er umfasste mehrere Behördengänge, das Einreichen verschiedener Dokumente sowie persönliche Termine beim Immigration Office, unter anderem zur Abgabe von Fingerabdrücken.

Die Abläufe waren nicht immer vollständig transparent, und die Anforderungen unterschieden sich teils von Universität zu Universität, was zusätzliche Unsicherheiten mit sich brachte. Auch wenn der Prozess stellenweise bürokratisch und anstrengend war, unterstützte die Gastuniversität bei den notwendigen Schritten. Rückblickend lässt sich sagen, dass der Aufwand zwar spürbar und nervenaufreibend war, letztlich jedoch bei all meinen Freunden und mir geklappt hat.


Studienfach: Lehramt Sek 1/2, Englisch & Geschichte

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Yildiz Technical University

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Die Kurswahl erfolgte erst vor Ort zu Beginn des Semesters. Zwar konnten Kurse vorab recherchiert werden, die endgültige Einschreibung war jedoch nur an wenigen festgelegten Terminen möglich. Im Vergleich zur Universität Potsdam, wo Kursänderungen über einen längeren Zeitraum flexibel möglich sind, empfand ich dieses System zunächst weniger flexibel. Nach der offiziellen Einschreibung waren Änderungen nur eingeschränkt möglich, wobei Erasmus-Student*innen sich bei Bedarf zusätzlich an das zuständige Office wenden konnten.

Ein klassisches „Reinschnuppern“ in verschiedene Veranstaltungen war aufgrund der Struktur und der Anwesenheitspflicht von 80 % nur begrenzt möglich. Fehlzeiten konnten sich direkt negativ auf die Zulassung zur Prüfung auswirken. Insgesamt belegte ich Kurse im Umfang von 31 ECTS was knapp über den Voraussetzungen der Uni Potsdam war (30 ECTS). Die Lehrveranstaltungen unterschieden sich in ihrer Ausrichtung: Einige waren stark interaktiv und diskussionsbasiert, andere eher frontal organisiert. Der Arbeitsaufwand und das Anforderungsniveau empfand ich insgesamt als vergleichbar mit dem an der Universität Potsdam. Die meisten Kurse hatten zwei Midterms und ein Final, die je nach Kurs entweder als Klausur, Präsentation oder Gruppenarbeit gestaltet waren.

Die Struktur des Prüfungsplans war zu Beginn nicht immer vollständig transparent, da in den offiziellen Kalendern teilweise nur ein Midterm ausgewiesen war. Der zweite Midterm fand häufig gegen Ende Dezember statt, während die Abschlussklausuren im Januar angesetzt waren. Diese zeitliche Verteilung kann insbesondere rund um die Weihnachtszeit organisatorisch herausfordernd sein. In meinem Fall zeigten sich die Dozierenden jedoch sehr verständnisvoll, sodass individuelle Absprachen möglich waren und Prüfungen gegebenenfalls nach meiner Rückkehr nachgeholt werden konnten.

Als Erasmus-Student erhielt ich keine Sonderbehandlung im Hinblick auf Leistungsanforderungen, sondern absolvierte dieselben Prüfungen wie meine Mitstudierenden. Insgesamt variierte der Arbeitsaufwand je nach Kurs, war jedoch gut zu bewältigen.

Besonders positiv empfand ich das Studienklima. Die Dozent*innen waren durchweg hilfsbereit und offen für Fragen. Das Englischniveau war in meinen Kursen durchweg gut. Von anderen Student*innen habe ich jedoch gehört, dass es in manchen Departments vorkommen könne, dass Veranstaltungen teilweise auf Türkisch stattfinden obwohl Englisch angegeben war.

Alle meine Kurse fanden am Davutpaşa-Campus statt, einem weitläufigen und grünen Campus der einen angenehmen Kontrast zum sonst weniger grünen Stadtbild bot. Es gab Bibliotheken und Lernräume, auch wenn ich diese aufgrund der Entfernung zu meinem Wohnort nur gelegentlich nutzte. Insgesamt empfand ich die Studienbedingungen als sehr positiv und gut organisiert.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Für mich war der zwischenmenschliche Aspekt der prägendste Teil meines Auslandssemesters. Neben dem Studium waren es vor allem die Begegnungen und Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen, die diese Zeit so besonders gemacht haben.

Mir war von Anfang an wichtig, mich nicht ausschließlich in der klassischen „Erasmus-Bubble“ zu bewegen. Deshalb habe ich bewusst versucht, auch außerhalb der internationalen Studierendengruppe Kontakte zu knüpfen. Gerade zu Beginn bin ich häufig allein unterwegs gewesen, um neue Menschen kennenzulernen. Diese Offenheit wurde oft erwidert und führte schnell zu ersten Bekanntschaften.

Auch an der Universität ergaben sich zahlreiche Kontakte zu einheimischen Studierenden. In den ersten Kurswochen kamen viele Kommiliton*innen auf mich zu, sei es aus Interesse am Austausch oder einfach aus Neugier. Gemeinsame Teepausen auf dem Campus oder Gespräche nach den Veranstaltungen gehörten schnell zum Alltag. Besonders schön war die Hilfsbereitschaft der Studierenden, zum Beispiel wenn ich Räume suchen musste oder Fragen zum Ablauf hatte.

Über das ESN-Programm habe ich außerdem viele internationale Studierende kennengelernt. Die Veranstaltungen und Ausflüge, zum Beispiel nach Kappadokien, waren eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und neue Leute kennenzulernen. Dabei sind auch einige engere Freundschaften entstanden.

Da ich viele meiner Kurse im English Language Teaching Department belegt habe, lief die Kommunikation auf Englisch eigentlich immer problemlos. Insgesamt war die Mischung aus internationalen und einheimischen Kontakten für mich einer der schönsten Teile meines Aufenthalts.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich Englisch studiere, verfügte ich bereits vor meinem Auslandsaufenthalt über ein gutes Sprachniveau. Durch den regelmäßigen Gebrauch im Alltag, in Präsentationen und im Austausch mit internationalen Studierenden konnte ich meine Sprachpraxis dennoch weiter vertiefen. Besonders im Hinblick auf Sprechsicherheit und Spontanität hat mir der kontinuierliche Gebrauch der Sprache im Alltag geholfen. 

Überraschenderweise profitierte vor allem mein Französisch stark von meinem Aufenthalt. Durch den engen Kontakt zu mehreren französischen Erasmus-Student*innen ergaben sich viele Gelegenheiten, die Sprache im Alltag aktiv zu nutzen. Dadurch gewann ich deutlich an Sicherheit und Routine im Sprechen.

Vor meiner Anreise hatte ich keinerlei Türkischkenntnisse. Während meines Aufenthalts habe ich einen Sprachkurs besucht, durch den ich zumindest ein paar Grundlagen lernen konnte. Auch wenn das nur ein erster Einstieg war, haben einfache Redewendungen und ein bisschen Grundvokabular im Alltag schon sehr geholfen. Für kompliziertere Situationen habe ich aber meistens weiterhin Englisch oder gelegentlich einen Übersetzer auf dem Handy benutzt.

Vor allem außerhalb der Universität habe ich gemerkt, dass viele jüngere Menschen sehr gut Englisch sprechen. Bei älteren Personen kam es manchmal zu kleinen Verständigungsschwierigkeiten, aber meistens hat man trotzdem irgendwie einen Weg gefunden, sich zu verständigen. Insgesamt kommt man auch ohne Türkischkenntnisse gut im Alltag zurecht, ein paar grundlegende Wörter und Redewendungen machen vieles aber deutlich einfacher und helfen auch dabei, schneller mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Wohn- und Lebenssituation

Meine Wohnsituation in Istanbul war außergewöhnlich positiv. Über Airbnb fand ich gemeinsam mit einem Mitbewohner eine Wohnung im Stadtteil Beyoğlu, in der Nähe von Tarlabaşı. Obwohl diese Gegend teilweise als weniger attraktiv gilt, machte ich persönlich keine negativen Erfahrungen. Im Gegenteil: Ich hatte großes Glück mit meiner Unterkunft. Die Wohnung verfügte über ein sehr großes Zimmer mit Wohnzimmer und weitem Ausblick über die europäische Seite der Stadt sowie über eine Dachterrasse. Rückblickend war dies ein außergewöhnlicher Wohnstandard, den ich so vermutlich nicht noch einmal erleben werde.

Die monatliche Miete betrug 525 Euro. Viele meiner Freunde haben jedoch auch etwas günstiger gewohnt, meist im Bereich zwischen 400 und 500 Euro. Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung, eher zentral und in einem lebendigen Stadtteil zu wohnen, statt möglichst nah am Campus. In Istanbul sind längere Wege ohnehin normal, sodass man häufig eine Stunde oder länger unterwegs ist. Deshalb war es mir wichtiger, in einer Gegend zu wohnen, in der auch abends viel Leben ist und Freunde oder Ausgehmöglichkeiten in der Nähe sind. Besonders empfehlen würde ich dafür Kadıköy auf der asiatischen Seite oder Beyoğlu auf der europäischen Seite. Diese Stadtteile sind sehr lebendig und bieten viele Cafés, Bars und Möglichkeiten, Zeit mit anderen Freund*innen zu verbringen.

Da ich selbst in Beyoğlu gewohnt habe, habe ich dort auch einen großen Teil meiner Freizeit verbracht. Der Stadtteil ist sehr lebendig und hat unzählige Cafés, Bars und Clubs. In den Seitenstraßen rund um die Istiklal-Straße findet man eigentlich alles – von elektronischer Musik bis hin zu ganz normalen Bars oder Clubs. Man findet dort zu fast jeder Tages- und Nachtzeit noch irgendwo etwas zu essen oder zu trinken.

Auch Kadıköy auf der asiatischen Seite war ein Ort, an dem ich viel Zeit verbracht habe. Dort ist die Atmosphäre etwas entspannter und weniger touristisch. Besonders der Stadtteil Moda mit seinen vielen kleinen Cafés, Second-Hand-Läden und unabhängigen Geschäften hat mir sehr gefallen. Viele Bars haben dort bis spät in die Nacht geöffnet, und da auch einige meiner Freunde, darunter mehrere deutsche Erasmus Studierende, in Kadıköy gewohnt haben, war ich dort ziemlich oft. Von der europäischen Seite kommt man sehr gut mit der Fähre nach Kadıköy, zum Beispiel von Karaköy aus. Die Fahrten mit der Fähre waren für mich jedes Mal ein Highlight. 

Neben dem Stadtleben bietet Istanbul auch viele Möglichkeiten für Ausflüge, zum Beispiel zu den Prinzeninseln, ans Schwarze Meer oder in andere Regionen der Türkei.

Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr war insgesamt solide, auch wenn Wege in Istanbul grundsätzlich länger sind als in vielen deutschen Städten. Zur nächsten Metrostation benötigte ich etwa 15 Minuten zu Fuß, zur Fähre rund 25 Minuten. Busse gibt es zwar viele in der Nähe, sie sind jedoch aufgrund des starken Verkehrs zu Stoßzeiten weniger empfehlenswert. Sehr praktisch sind hingegen die Metro, Fähren sowie die sogenannten „Dolmuş“-Sammeltaxis, die auch nachts verkehren und eine günstige Alternative sind.

Die Lebenshaltungskosten in Istanbul sind insgesamt etwas günstiger als in Deutschland, vor allem bei Lebensmitteln und im öffentlichen Nahverkehr. Ausgehen in Bars oder Clubs ist dagegen preislich eher mit deutschen Großstädten vergleichbar. Trotzdem habe ich während meines Aufenthalts insgesamt mehr Geld ausgegeben als in Deutschland. Das lag weniger an den Preisen, sondern eher daran, dass man im Erasmus einfach viel unterwegs ist, viel unternimmt und auch häufiger reist. Das sollte man bei der Planung des Budgets auf jeden Fall berücksichtigen.

Sehr empfehlenswert ist auch die Museumskarte für Studierende. Sie kostet umgerechnet etwa 1 € und ermöglicht den Eintritt zu vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten. Wenn man mehrere Museen besucht oder innerhalb der Türkei reist, lohnt sich diese Karte sehr schnell.

Im Alltag hat das Bezahlen mit Karte problemlos funktioniert. Viele Studierende, mich eingeschlossen, haben zum Beispiel Revolut genutzt, was sehr praktisch war. Wichtig ist allerdings, bei Bargeldabhebungen oder Kartenzahlungen darauf zu achten, die Umrechnung nicht direkt über den Geldautomaten laufen zu lassen. Besser ist es, in Türkischen Lira abzurechnen und die Umrechnung über den eigenen Kartenanbieter vornehmen zu lassen, da der Wechselkurs meist deutlich günstiger ist.

Studienfach: Lehramt Sek 1/2, Englisch & Geschichte

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026

Gastuniversität: Yildiz Technical University

Gastland: Türkei

Rückblick

Ich würde mich jederzeit wieder für ein Erasmus-Semester in Istanbul entscheiden. Die Zeit war für mich eine der schönsten Erfahrungen der letzten Jahre. Besonders die Menschen haben meinen Aufenthalt geprägt. Ich habe eine große Offenheit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit erlebt, die es sehr leicht gemacht haben, sich einzuleben.

Mir hat dieses Semester noch einmal gezeigt, wie viel man gewinnt, wenn man offen in ein neues Land geht und bereit ist, sich auf neue Situationen einzulassen. Viele der schönsten Momente entstanden nicht geplant, sondern spontan – durch Gespräche, Einladungen oder gemeinsame Unternehmungen. Wer neugierig ist und aktiv auf andere zugeht, wird in Istanbul sehr schnell Anschluss finden.

Istanbul ist eine unglaublich lebendige Stadt mit einer großen kulturellen Vielfalt. Gleichzeitig kann sie auch sehr chaotisch wirken, besonders im Verkehr oder im allgemeinen Alltagstempo. Viele Dinge laufen etwas spontaner und weniger strikt nach Plan ab als man es vielleicht aus Deutschland gewohnt ist. Mir persönlich hat diese entspanntere Art des Alltags sehr gefallen, auch wenn man sich daran manchmal erst gewöhnen muss.

Besonders vermissen werde ich die vielen gemeinsamen Aktivitäten mit Freunden, zum Beispiel Ausflüge innerhalb der Türkei oder die regelmäßigen Fahrten mit der Fähre über den Bosporus. Auch die Reisen innerhalb des Landes, vor allem zu den antiken Städten an der Westküste, waren für mich ein echtes Highlight.

Vor allem aber werde ich die Menschen vermissen, die ich während meines Aufenthalts kennengelernt habe. Einige von ihnen leben jetzt in ganz Europa verteilt, und ich hoffe, viele davon in Zukunft wieder besuchen zu können.

Ich kann ein Erasmus-Semester in Istanbul daher allen empfehlen, die Lust auf eine vielseitige, lebendige und menschlich bereichernde Erfahrung haben.


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